Solche Ausstellungen tun dem Rathaus und seinen Besuchern gut, sagte Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele zur Eröffnung der Werkschau "7 vor Ort". Die Künstlergruppe bringe Farbkleckse ins Rathaus. Außerdem nutzten die Künstler die Chance, sich einem großen Publikum zu stellen. Sie sind Mitglieder des Verbandes Bildender Künstler und Künstlerinnen Württemberg, Region Neckar Alb. "Das ist kein Ausstellungsverbund, sondern ein Berufsverbund", klärte der neue Regionalleiter Uwe Bürkle auf.

Helmut Anton Zirkelbach sprach vor seiner Einführung deutliche Worte. Er lobte die Stadt Reutlingen und damit das Kulturamt, denn solche Ausstellungen zeigten, dass die Stadt zu ihren Künstlern steht, "dass sie die Arbeit der ansässigen Künstler anerkennt und würdigt".

Nachdrücklich kritisierte er Kunstvereine und Museen, die um ihre regionalen Künstler einen Bogen machten. Zu hoch sei ihnen das Risiko, als provinziell zu gelten. Immer mehr seien die gleichen Namen deutscher Künstlern zu finden, denen der Vorzug gegeben wird, "was im Grunde zu Tode langweilt". Umso wichtiger sei es, dass sich Künstler zusammentun.

Die im Rathaus-Eingangsbereich gezeigten Arbeiten der sieben Künstler sind in den vergangenen zwei Jahren entstanden und, anders als in vorherigen VBKW-Ausstellungen, gab es keine Vorgaben zu Motiv oder Technik. So reicht das Feld von farbintensiver, großformatiger Malerei über Fotografie, schwarz-weiße Aquatintaradierungen und Zeichnungen bis hin zu Stein- und Bronzeplastiken.

Einzige Frau im Bunde ist Karin Beck, die sich dem Menschen widmet, "humorvoll, fragend und überfallartig", denn sie setzt in ihren PopArt-Arbeiten vor allem auf das Unerwartete. Auch Friedrich Zimmermann bedient sich kräftiger Farben, in seinen großformatigen Bildern lässt er den Rhythmus von Jazz-Songs sichtbar werden.

Fast niedlich kommen die Bronzefigürchen von Uwe Bürkle daher. Er setzt sie mit einem Augenzwinkern in absurde Situationen, so absurd wie das Leben einem manchmal mitspielt. Ganz anders dagegen Klaus Kühns Fotografien. Seine Schwarz-Weiß-Bilder setzt er in Form von Kontaktabzügen als Serien aneinander, sie geben Straßenszenen seiner Reisen durch China, Brasilien oder Vietnam wieder.

Karl Striebels Collagen-Serie "Urbanes Leben" zeigen die Menschen in der Großstadt als hektisches Treiben inmitten wilder grafischer Puzzle-Teile architektonischer Raster.

Heinz Danzers ruhige Aschebilder stechen heraus. Was beim flüchtigen Blick zunächst als metallisch erscheint, wird beim näheren Hinschauen zu sandig-aschigen Oberflächen, die sich zu weiten Landschaften formieren. Sie harmonieren perfekt mit Helmut Anton Zirkelbachs Serie "Schwarzbruch". Die Radierungen sind abstrakt und wenig zu erklären, gibt er mit. Mit Kaffee behandelt erhalten die Blätter eine erdige Patina, die einen bearbeitet er zusätzlich mit einem Schwarzdruck, ihre Geschwisterbilder bleiben zwar farblich blasser, aber nicht minder poetisch.

Info Die Ausstellung "7 vor Ort" in der Eingangshalle des Reutlinger Rathauses, Marktplatz 22, ist bis 11. Januar montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr zu sehen.