Der Chefarzt der Neurochirurgie, Priv.-Doz. Dr. Marco Skardelly – der viel Erfahrung auf diesem Gebiet nach Reutlingen mitgebracht hat – und sein Team operierten erstmals eine Patientin an einem Hirntumor in der Nähe eines Sprachzentrums im wachen Zustand.

Erste Wachoperation ein voller Erfolg

Um das Risiko für bleibende Sprachstörungen auszuschließen, erfolgte die gesamte Operation im wachen Zustand der Patientin, um Sprachtests durchführen zu können. Für das Team, bestehend aus Neurochirurgen, Anästhesisten und dem Pflegepersonals des OPs sowie der Patientin war die erste Wachoperation ein voller Erfolg. Das erklären die Kreiskliniken Reutlingen in einer Pressemitteilung.

OP am Gehirn für Patienten eine besondere Belastung

Inwieweit eine Wachoperation die geeignete Methode ist, muss im Vorfeld intensiv geprüft werden. Das Verfahren kommt insbesondere bei Patienten zum Einsatz, bei denen sich der Tumor in der Nähe eines Sprachzentrums befindet, da durch eine Vollnarkose das Sprachverständnis und die Sprachproduktion während der Operation nicht überwacht werden können. Welche Patienten dafür geeignet sind, wird im interdisziplinären Expertenaustausch festgelegt. „Operationen am Gehirn sind für Patienten eine besondere Belastung, im Speziellen wenn die Patienten dabei wach sind“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Marco Skardelly. „Bei einer Wachoperation bekommen die Patienten eine intravenöse Schmerztherapie und einen Schädelblock, bei dem die Kopfhaut der Patienten mittels Lokalanästhesie betäubt wird. Nach der Schädelöffnung führt das OP-Team Sprachtests durch, um herauszufinden, wo die nicht sprachrelevanten Areale liegen sowie während der Tumorentfernung rechtzeitig zu bemerken, wann die Sprache gefährdet ist.“

99 Prozent des Tumors entfernt

Aufgrund der Lage des Tumors wurde mit der Patientin besprochen, dass eine radikale Entfernung nur im Rahmen einer Wachoperation zu erreichen ist, um zu gewährleisten, dass es durch die Tumorentfernung nicht zu einer Sprachstörung kommen würde. Nach ausgiebiger Aufklärung der Patientin, neuropsychologischer Testung und guter Vorbereitung konnte etwa 99 Prozent des Tumors im Rahmen der Wachoperation erfolgreich entfernt werden. Die Patientin zeigte nach der Operation keine Sprachstörung und konnte nach knapp einer Woche nach Hause entlassen werden.
Die Mitarbeiter der Kreiskliniken Reutlingen sorgten letzte Woche, mit einem Video für die Jerusalema Dance Challenge, im Internet und den sozialen Netzwerken für Furore und viele begeisterte Kommentare.