Reutlingen Konzentration statt fröhlicher Trubel

SWP 08.03.2012
Ein gemeinsames Projekt "Von der Bewerbung bis zum Bewerbungsgespräch" für die Schüler der achten Klasse der Werkrealschule im Bildungszentrum Nord wurde jetzt erfolgreich abgeschlossen.

Eine völlig ungewohnte Situation herrscht im Rommelsbacher Jugendtreff Beatbox. Dort wo sonst Musik läuft und fröhlicher Trubel herrscht, warten Schülerinnen und Schüler konzentriert und angespannt auf ihr Vorstellungsgespräch. Diese Bewerbungsgespräche zur Probe wurden nicht von den bekannten und dort arbeitenden Sozialpädagogen durchgeführt, sondern von Erwachsenen, mit denen die Schüler keinen oder wenig Kontakt haben. Die Organisatoren hatten im Vorfeld ehrenamtlich engagierte Frauen und Männer gefunden, die diese Aufgabe übernahmen. So wurde den Azubis in spe die Möglichkeit eröffnet, Gespräche mit potenziellen Arbeitgebern zu führen.

Dieses Bewerbungstraining hatte einen halbjährigen Vorlauf. Vor sechs Monaten trafen sich die Mitarbeiter der städtischen Jugendhäuser Orschel-Hagen und Rommelsbach mit der BZN-Lehrerin Anja Bahlo zum ersten Mal, um die Zusammenarbeit zu planen. Offene Jugendarbeit und Schule arbeiten seither an diesem gemeinsamen Projekt. Von der Teilnehmerliste über die Verpflegung am Mittagstisch bis zu der Zusammenarbeit mit den engagierten ehrenamtlichen Bürgern musste koordiniert und organisiert werden.

Insgesamt fanden jetzt 33 Probebewerbungsgespräche statt. Diese Gespräche waren aber nur ein Teil dieses Projektes. Julia Hildenbrand, Wolfgang Schulz und Aram Jaich von den beiden Jugendeinrichtungen und Anja Bahlo war es wichtig, ein Bewerbungsverfahren komplett zu erarbeiten und zu erproben. So fertigten die Schüler schon im Vorfeld ihre persönlichen Bewerbungsunterlagen individuell an und versandten diese an so genannte Bewerter. Hierzu zählten Bäcker Thorsten Schmid aus Rommelsbach oder Margit Buck von der Handwerkskammer - alles erfahrene Fachleute, die immer wieder selbst mit Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen zu tun haben. Teilweise sind diese Frauen und Männer auch als Jobpaten für die Schüler im Einsatz. Die Bewerbungen wurden korrigiert und wieder zurückgegeben. Die verbesserten Bewerbungen konnten erneut abgegeben werden.

Jetzt war das Gesprächstraining der letzte Part. Bäckermeister Schmid weiß aus seiner langjährigen Berufs- und Ausbilder-Erfahrung, dass das freie Sprechen oft schwierig für die jungen Menschen ist und daher geübt werden muss. Die Rückmeldungen der Schüler am Ende des Tages machten den Organisatoren Mut, auch für weitere Jahrgänge dieses Training anzubieten. So war die Antwort einer 13-Jährigen auf die Frage, ob sie denn sehr nervös war? "Ja schon, das hat mir jetzt viel gebracht, da weiß ich jetzt, was ungefähr auf mich dann zukommt." Ihre Freundin sagte, dass es viel Spaß gemacht hat und ihr Mitschüler freute sich, dass es nicht so schlimm war wie gedacht.

Für die vier Initiatoren war aber auch der Aspekt wichtig, dass die Schüler gut vorbereitet in diese neue und ungewohnte Phase ihres Lebens starten können. Die Ehrenamtlichen freuten sich, dass durch ihre Unterstützung aufgezeigt werden konnte, wie die jungen Menschen auf Fremde wirken. Das Gelernte für die eigene Zukunft anwenden zu können, begeisterte die angehenden Auszubildenden nach diesem anstrengenden Tag.