KOMMENTAR: Gewalt-frei

PETER U. BUSSMANN 31.08.2013

Reutlingen, so hat gestern der machtvolle Aufmarsch der Gegenwehr gezeigt, ist kein Pflaster für Nazis. An den Listplatz-Rand verbannt, konnte die NPD praktisch ohne Publikum ihre rassistischen, ausländerfeindlichen Dumpfparolen absondern und blieb doch trotz großer Lautsprecher ungehört. Ohrenbetäubend klang den Rechten der geballte Protest entgegen.

Und doch hat der Reutlinger NPD-Kandidat Axel Heinzmann gedroht, dass dies "nicht unser letzter Besuch gewesen ist". Warum? Weil es den Braunen fast gelungen ist, am Ende einen Nebenkriegsschauplatz im Lager ihrer Gegner zu schaffen. Beim Abzug des eskortierten NPD-Kleinkonvois blockierten Leute aus dem Zelle-Umfeld und vom harten Kern der Antifa RT/TÜ die Straße. Die Polizei drohte in dieser Konfrontation vom Gewalten-Trenner zum Gewalt-Anwender zu werden, um den Weg für die Nazis freizumachen. Nur dank der intensiven Vermittlung von Demo-Organisatoren und der Bundestagskandidaten von Grünen und Linke konnte die Eskalation vermieden werden. Dieser Sieg der Vernunft ging am Ende auf Kosten der NPD - die verpasste nämlich dadurch ihren nächsten Auftritt in Cannstatt.