Die Planer hier hatten eine andere Devise: Lieber überschaubar als großkotzig. So wird der Neubau mit nur 1700 Sitzplätzen nicht in der Liga der ganz großen Arenen ab 4000 mitspielen, sondern im soliden Mittelfeld.

Das liegt auch an der Vorgeschichte: Denn im Jahr 2002 lehnten die Bürger ein 86 Millionen Euro teures Kultur- und Kongresszentrum mit großer Mehrheit ab. Die Halle ist nun mit 42 Millionen Euro nichts anderes als ein zweiter Anlauf, ein Kompromiss, der sich aufs Machbare beschränkt. Das aber durchaus mit Qualitätsanspruch.

Doch Hand aufs Herz, auch die Stadthalle hatte Startprobleme. Im Management der GmbH lief es bis Mitte 2012 gar nicht gut – beim aktiven Marketing, bei der Zahl der Buchungen sah es lange mau aus. Klaus Krumrey, ein erfahrener Hallen-Manager, konnte das Steuer herumreißen, und seine Nachfolgerin Petra Roser, bisher am Ludwigsburger Forum am Schlosspark tätig, kann auf dieser Grundlage aufbauen.

Das Programm verspricht Vielfalt: Musicals, Tribute-Shows, Tanz, Kabarett, Magie und mehr. Und die Württembergische Philharmonie bekommt endlich zu Hause einen angemessenen Konzertsaal. Musikstars wie Fazil Say und David Garrett sind eingeplant, aber auch Chöre und Orchester aus der Region, Spitzen- und Breitenkultur gleichermaßen. 240 Sänger aus Laienchören zeigten bei der Eröffnung mit Beethovens Neunter: Diese Halle ist auch ein Gemeinschaftsprojekt der Bürger.

Langfristig hat sie zwei Aufträge: Sie soll mit Tagungen Geld verdienen und sich mit einem pfiffigen Veranstaltungs-Mix zum Zuschauermagneten der Region entwickeln. Der Wettbewerb mit Hallen in Balingen, Esslingen, Ulm oder Stuttgart wird hart, der Markt ist heiß umkämpft. Der Abmangel pro Jahr sollte nicht die Millionengrenze übersteigen. Denn im schlimmsten Fall könnten die Kosten der Halle so weitere Kultur-Investitionen blockieren. Beispiele für dieses Szenario gibt es anderswo reichlich.

Die Stadthalle muss es schaffen, Profil zu entwickeln – als attraktive Tagungs-Location und als Ort kultureller Glanzlichter. Über Umwegrentabilität kann sie dann nicht nur die Kultur, sondern auch die Wirtschaft in Stadt und Kreis positiv beeinflussen. Hallen-Manager Klaus Krumrey hat es so formuliert: Stadthallen sind defizitär, aber gewinnbringend.

Rückschläge sind nicht auszuschließen. Doch der Start ist geglückt, und Krumrey gab sich bei der Eröffnung zuversichtlich: „Jetzt wird's.“ Am Ende, im Idealfall, könnte die Stadthalle vieles werden: eine Begegnungsstätte der Bürger, ein Leuchtturm der Kultur. Und ein Ort, der regionale Identität stiftet.