Reutlingen Klangreise um die halbe Welt

Moderator und Solist mit trockenem Humor: Servais Haanen leitete am Donnerstag erneut die Akkordeonale.
Moderator und Solist mit trockenem Humor: Servais Haanen leitete am Donnerstag erneut die Akkordeonale. © Foto: Archiv
Reutlingen / MAIK WILKE 11.04.2015

Obwohl sie erst zum zweiten Mal gemeinsam auf der Bühne standen, sorgte die Solisten um Servais Haanen bei der siebten Akkordeonale auch in diesem Jahr für ein abwechslungsreiches Spektakel. Der Niederländer und seine sechs Mitmusiker bewiesen erneut, dass das Akkordeon seinen Ruf als oft belächelte "Quetschkommode" zu Unrecht trägt.

Die 360 Besucher im ausverkauften Kulturzentrum franz. K erlebten die große Vielfalt der europäischen Akkordeonkunst. Und wie immer führte Haanen mit viel Charme und trockenem Witz durch den Abend - die Kunst des River Dance wurde da auch mal schnell als "Irisches Getrampel" abgetan. Teija Niku präsentierte mit einer Morgenpolka gefühlvolle, helle Klänge aus ihrer finnischen Heimat. Diesen Schwung nahm Niamh Ni Charra aus Irland gleich auf: Ihre kleine Konzertina - von Haanen liebevoll als Clownsinstrument mit einem Riesen-Alarm beschrieben - kam während ihres Stücks nicht zur Ruhe. Beim hohen Tempo des Irish Folks konnte das Publikum die Füße nicht mehr stillhalten, ein munteres Mitwippen und Mitstampfen im Takt war unvermeidbar. Flinke Hände bewies David Yengibarian. Die Finger des Armeniers flogen so schnell über die Tasten und Knöpfe seines Akkordeons, dass das Tippen stärker zu hören war als die Melodie des Faltenbalgs. Bedächtiger wurde es dagegen bei Thilo Plaesser, der mit seinem 17 Kilogramm schweren Bajan ruhige und tiefe Melodien aus der Klassik spielte. Die Soloauftritte wurden häufig durch Ensemblestücke durchbrochen, die Haanen selbst arrangiert hatte: Das physikalische Konzept des "Perpetuum Mobile" ist eigentlich für die Ewigkeit gedacht. Daraus einen kleinen musikalischen Ausschnitt gab das komplette Ensemble zum Besten, inklusive der Begleitmusikerinnen Elke Rogge (Deutschland) an der Drehleiter und der Isländerin Sigrun Kristbjörg Jonsdottir (Posaune, Violine). Dieses Stück aus wiederkehrenden Elementen mit ständigem Auf und Ab der Melodie hätte kaum kurzweiliger sein können: ein gelungener Abschluss.