Nun also doch: Nach langem Zögern hat sich die Landesregierung für die Verlängerung der Kita-Schließungen bis Ende Januar entschlossen. So wie es Bund und Länder eigentlich bereits Anfang des Monats besprochen hatten. Die Notbetreuung soll dabei wie bisher fortgeführt werden. Bei einer Pressekonferenz am Donnerstagvormittag erklärte Ministerpräsident Winfried Kretschmann, man habe es sich mit der Entscheidung nicht leicht gemacht: „Wir haben natürlich auch die Auswirkungen der Schließungen im Blick. Tagesabläufe und Strukturen sind anders, Kinder können sich nicht treffen oder gemeinsam Sport machen und je jünger die Kinder sind, umso mehr Betreuung brauchen sie.“

Reutlingen aktuell: Zwischen Kita und Schule unterscheiden

Claus Mellinger, Geschäftsführender Vorstand des Gerk und Vorstandsmitglied des Landesverbands, lächelt schwach: „Immerhin hat Herr Kretschmann anerkannt, in welcher Ausnahmesituation sich die Familien momentan befinden und welche Folgen die Schließungen für die Kinder haben.“ Mellinger zeigt sich über die kurzfristige Entscheidung der Landesregierung wenig überrascht, auch wenn man als Elternbeirat auf kommunaler und Landesebene gefordert hatte, die Einrichtungen bereits am vergangenen Montag, 11. Januar, wieder zu öffnen. „Kindertageseinrichtungen sollten anders behandelt werden als beispielsweise Schulen. Nach wie vor zählen Kinder nicht zu den Infektionstreibern.“

In Kitas und Kindergärten: Mehr kostenlose Tests anbieten

Man müsse sich fragen, warum Kitas und Kindergärten immer wieder mit Schulen verglichen werden, die Organisation und die Abläufe in Einrichtungen seien unterschiedlich. „Böse formuliert ist die Bewegungsfreiheit der Kinder durch die Strukturen mit festen Zuteilungen in den Gruppen eingeschränkt. Mit dem richtigen Hygiene- und Testkonzept könnte man das Risiko einer Ansteckung bei Kindern und Betreuern enorm minimieren und so die Einrichtungen wieder öffnen.“
Völlig unverständlich ist für Mellinger etwa, dass Erzieherinnen und Erzieher weder bei den Testungen noch bei den Impfungen priorisiert würde. Drei kostenlose Tests bis März pro Betreuenden seien schlicht zu wenig. Zwei Tests pro Woche seien laut Mellinger nötig. Eine Forderung, die nach eigenen Angaben, von Gewerkschaften und Trägern unterstützt werden würde.
„Es gibt Homeschooling und die Kitas sind geschlossen, wirtschaftliche Betriebe sind stattdessen unter wenigen Auflagen weiterhin geöffnet. Und die Infektionszahlen gehen nach wie vor nicht runter. Da stelle ich mir die Frage, ob die Kindergärten tatsächlich das Problem sind.“

Kultusministerium und Eisenmann - Kitas absichtlich weiter zu?

Aus Kreisen des Kultusministeriums habe er gehört, dass man die Schließungen der Einrichtung nur weiter aufrechterhalte, um die Erwachsenen als wahre Infektionstreiber zuhause zu halten. Als Verband stehe man hinter den Regelungen zur Eindämmung der Pandemie – aber nicht auf Rücken der Kinder. „Ich würde nicht so weit gehen und sagen, dass wir eine ‚Generation Corona‘ bekommen“, relativiert Claus Mellinger, selbst Vater zweier schulpflichtige Kinder.
Dennoch warnt er: „Klar ist aber: Wenn es weiter so geht und die Regierung nur Symbolpolitik zum Leidwesen der Kinder betreibt, werden wir Kinder verlieren. Nämlich all diejenigen, für die der Kindergarten oder die Kita ein sicherer Platz und Verpflegung bedeuten. Die, die wir als Gesellschaft eigentlich am meisten schützen sollten.“

Info Die Landesregierung kündigte an, an einer Öffnungsperspektive für Grundschulen und Kitas zu arbeiten. Die Öffnung von Grundschulen und Kitas soll demnach auch in der nächsten Schaltkonferenz der Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besprochen werden.