Konzertreihe Kirchenraum verwandelt sich ein „stimmungsvolles Weltall“

Reutlingen / Von Gabriele Böhm 17.07.2017

Die von Torsten Wille eingeführte Orgelnacht ist eine wirkliche Bereicherung“, sagte Kulturamtsleiter Werner Ströbele. Jüngst stellten er und Thorsten Wille als künstlerischer Leiter, Organist und Bezirkskantor das aktuelle Reutlinger Orgelsommer-Programm vor.

Neun Konzerte gibt es insgesamt, die, beginnend mit dem 22. Juli, jeweils am Samstagabend stattfinden. Eine Ausnahme bildet nur das Familienkonzert, das am 27. Juli, einem Donnerstag, geplant ist. „Hier ist das erste Mal der Kinderchor der Marienkirchengemeinde im Einsatz“, erläuterte Wille. Pfarrerin Sabine Großhennig wird die spannende Geschichte „Josef und seine Brüder“ erzählen, zu der von Chor und Orgel Stücke aus „Hänsel und Gretel“, der „Zauberflöte“ und „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ zu hören sein werden. Das Familienkonzert und auch die Orgelnacht am 12. August sind in der Marienkirche, die neben St. Wolfgang, der Evangelischen Kirche Gönningen und St. Peter und Paul im Storlach Aufführungsort ist.

Die Orgeln in den jeweiligen Kirchen bieten besondere Möglichkeiten, auf die das Programm abgestimmt wurde. Bei der Orgelnacht werden drei Organisten an drei Orgeln die symphonische, siebensätzige Suite „Die Planeten“ von Gustav Holst (1874-1934) intonieren. Zudem wird weitere „Universumsmusik“ aus der gesamten Musikgeschichte gespielt. Die Lichtinstallationen von Holger Herzog verwandeln den Kirchenraum in ein „stimmungsvolles Weltall“.

Den Auftakt des Konzertreihe macht am 22. Juli Wolfgang Sieber aus Luzern, der in seinen „Seven Ethnic-Toccatas“ Rock, Pop und Foxtrott ebenso verarbeitet hat wie afrikanische Musik und deutsche und schweizerische Volksweisen.

Passend zum Reformationsjahr

Am 29. Juli liegt in St. Wolfgang der Schwerpunkt auf Musik der Romantik. Zur Orgel tritt ein Vio­loncello hinzu, das, so Wille, mit ihrer kraftvollen Dynamik „mithalten“ könne. Die beiden Instrumente vereinigen sich zu einer Reutlinger Uraufführung des zeitgenössischen Komponisten Veit Erdmann.

Der 5. August wird ein Fest für Freunde spanischer Barockmusik. Sie war eine der Quellen, aus der Bach schöpfte, von dem unter anderem eine Transkription des Schlusschores aus der Matthäus-Passion zu hören sein wird. Niederländische Improvisationskultur wird am 19. August Rien Donkersloot aus Klaaswaal mitbringen. Der 1985 geborene Organist und Komponist lässt ein eigenes Stück und mit der kompletten Symphonie Nr. 2 von Louis Vierne klassisches und unbekanntes französisches Orgelmaterial erklingen. Den 26. August widmet Stefan Göttelmann in St. Wolfgang César Franck und seinen drei sinfonisch entwickelten Chorälen „Trois Chorals pour Grand Orgue“.

Die bedeutende Engelfried-Orgel in Gönningen kommt am 2. September durch Amelie Held aus München zu Ehren, die unter anderem Bach, Mozart und Mendelssohn-Bartholdy zu Gehör bringt. Den großartigen Abschluss der Konzertreihe bestreiten Torsten Wille und sein Vorgänger Eberhard Becker in der Marienkirche mit Bachs „Großer Orgelmesse“, dem größten Orgelwerk der Barockzeit, das an zwei Orgeln aufgeführt wird. Hinzu kommt der Tenor Marcus Elsäßer aus Stuttgart. Bach zeichnet mit seiner Messe den Katechismus nach. „Ein besseres Stück kann man im Reformationsjahr nicht finden“, sagt Wille.

Beim Orgelsommer habe er versucht, ein möglichst großes Spektrum an Literatur, Formaten und Spielern abzudecken, erklärte der Kantor. Der Zuhörer soll auf Entdeckungsreise gehen.