Reutlingen Kinderbetreuung mit Licht und Schatten

Der GERK-Vorstand freut sich über die hohe Beteiligung bei der erstmals durchgeführten Eltern-Umfrage.
Der GERK-Vorstand freut sich über die hohe Beteiligung bei der erstmals durchgeführten Eltern-Umfrage. © Foto: Jürgen Spieß
Reutlingen / JÜRGEN SPIESS 29.07.2014
Die Eltern sind überwiegend zufrieden, ergab eine Umfrage des Gesamtelternbeirat der Kindergärten- und Kindertagesstätten (GERK) unter Eltern, deren Kinder eine solche Einrichtungen besuchen.

Eltern wollen eine bessere Vereinbarkeit von Schließzeiten und persönlichem Urlaubsanspruch, etwa durch Ferienbetreuung und Reduzierung der Schließtage. Personalprobleme sollten nachhaltiger und transparenter bekämpft werden. Viele Eltern wünschen die Einrichtung von flexibleren Bring- und Abholkorridoren - und für die Verteilung von Betreuungszeiten über den Tag oder die Woche müssen Lösungen erarbeitet und angeboten werden.

Das sind nur vier der wichtigsten Ergebnisse, die die im Juni durchgeführte anonyme Umfrage zu Tage förderte: 4400 Fragebogen wurden dafür über die Elternbeiräte an die Eltern verteilt. 905 Rückmeldungen kamen zurück. Das entspricht einer Beteiligung von 20,6 Prozent. Dem GERK ging es bei dieser erstmaligen Befragung darum, "eine Grundlage zu schaffen, welche die Elternsicht widerspiegelt", erläuterte Vorstandsmitglied Claus Mellinger bei einem Pressegespräch. Ein weiteres Ziel sei gewesen, "eine umfangreiche Bestandsaufnahme der Reutlinger Kinderbetreuungslandschaft über alle Träger- und Betreuungsarten hinweg zu liefern".

Vor allem über die hohe Beteiligung zeigte man sich erfreut, "denn wir hatten niemals mit so vielen Rückmeldungen gerechnet", so Vorstandsmitglied Katja Anton-Kalbfell. Zudem hätten Eltern aus 82 Reutlinger Einrichtungen teilgenommen und würden somit eine große Bandbreite von Erfahrungen mit unterschiedlichen Betreuungsformen, Konzeptionen und Trägerschaften abdecken, so Mellinger. Offensichtlich sei es den Eltern wichtig, Feedback zu ihren Erfahrungen und Wünschen zu geben. Der weitaus größte Anteil der teilnehmenden Eltern nimmt Regelbetreuung und Betreuung mit verlängerten Öffnungszeiten in Anspruch. Deshalb wünschen sich viele Eltern, zusätzliche halbe oder ganze Tage flexibel buchen zu können oder Betreuung nach 17 Uhr in Anspruch zu nehmen. Die Ergebnisse zu den qualitativen Fragen im Einzelnen: Immerhin 40 Prozent der Teilnehmer geben an, sehr zufrieden mit der Betreuung ihrer Kinder zu sein. 43 Prozent sind im Allgemeinen zufrieden, 17 Prozent unzufrieden. Viele der teilnehmenden Eltern loben die engagierte Arbeit des pädagogischen Personals, dabei schneiden die kirchlichen Träger besonders gut ab. Auffallend ist auch das Qualitätsempfinden bei den freien Trägern: 100 Prozent der Eltern sind hier sehr zufrieden oder zufrieden. Über alle Träger hinweg wünschen sich die Eltern vor allem die Verbesserung der Vorbereitung auf die Schule, mehr Naturerfahrung und Hinführung auf die Musik. Auch kreative Angebote und die Verbesserung der Sprachkompetenz wird von einem größeren Anteil der Eltern gewünscht.

Während für 72 Prozent der Teilnehmer die aktuell in Anspruch genommene Betreuungszeit ausreichend ist, wünschen sich 27 Prozent mehr Betreuungszeit. Die Umfrage ergab außerdem, dass der überwiegende Anteil der Eltern mit den aktuellen Öffnungszeiten sehr zufrieden ist. Dabei trifft die Ganztagesbetreuung mit 40 Stunden offenbar am ehesten die Bedürfnisse der Eltern. Immerhin 43 Prozent sind der Meinung, andere beziehungsweise flexiblere Öffnungszeiten innerhalb des gebuchten Angebots zu benötigen. Und wie steht es mit der Vereinbarkeit von Urlaub und Schließtagen? 63 Prozent geben an, ihren Urlaub problemlos mit den rund 55 Schließtagen im Jahr kombinieren zu können, für 30 Prozent bedeutet dies Nachteile.

Die Umfrage zeigt aber auch, dass wegen des zu niederen Personalschlüssels einiges im Argen liegt: Aufgrund von Personalmangel "findet nur der Standard statt". Freies Spielen, Vorschulprogramme oder Zusatzangebote gibt es dagegen wenig. Das Personal wechselt häufig oder es werden Stellen lange nicht neu besetzt. Deshalb Claus Mellingers Appell: "Die Personalprobleme müssen nachhaltig und transparent bekämpft werden."

Info Im GERK-Vorstand sind derzeit Claus Mellinger, Katja Anton-Kalbfell, Cornelia Freidel, Tamara Matuz, Veronika Pucchio, Rohit Noheria und Eckhard Schönhart. Die Stammtische und Vollversammlungen sind für alle Interessierten offen. Mehr Infos auf der Internetseite www.gerk-info.de.

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