Lichtenstein Kinder musikalisch begeistern

Der Notenschlüssel hängt sonst über der Tür, hier übergibt ihn Helma Hinger symbolisch an Sohn Benedikt.
Der Notenschlüssel hängt sonst über der Tür, hier übergibt ihn Helma Hinger symbolisch an Sohn Benedikt. © Foto: Jürgen Herdin
Lichtenstein / JÜRGEN HERDIN 09.07.2016
Helma Hinger konnte die Kinder stets begeistern, immer gut an sich binden. Zwei Musicals gab’s pro Jahr. Nun geht Taktstock an ihren Sohn Benedikt über

Über 90 Kinder kamen 1994 zusammen, nachdem der damalige Pfarrer Johannes Hölz und Karl-Heinz Brändle vom Sängerbund Lichtenstein eine kleine, aber effektive Werbeaktion organisiert hatten. Ein Jahr darauf führten die Jüngsten, die „Lichtensteiner Goldkehlchen“, ihr erstes Musical auf: „Die Rache der Igel“ hieß es. Die Regie und die musikalische Leitung hatte Helma Hinger.

Über 22 Jahre leitete Helma Hinger die Kinderchöre „Goldkehlchen“ und „Sweet Sixteen“ des Lichtensteiner Sängerbundes. Jetzt gibt sie den Taktstock weiter an ihren Sohn Benedikt. Der 24-Jährige schließt demnächst sein Musikstudium ab. Und welch ein Wunder: Er sang bereits als Vierjähriger bei den Goldkehlchen von Frau Mama. Derzeit leitet er den Honauer Kirchenchor.

Es ist eine durch und durch musikalische Familie, die es in der Form gewiss selten gibt. Das fing mit dem viel zu früh verstorbenen Steffen Hinger an. 1989 traf ihn seine spätere Frau Helma, gebürtige Holzelfingerin, die sagt: „Ich bin da auf einen tollen Mann getroffen“. Steffen Hinger leitete seinerzeit das Reutlinger Salonorchester „Le Papillon“, das er zwei Jahre zuvor gegründet hatte.

1990 rief er das Selle Ensemble ins Leben. „Ja, die Renaissance-Musik, das war mein Lieblingskind“, schwärmt Helma Hinger noch heute. Ob Krummhörner, Rauschpfeifen, Gamben und Flöten: „Diese Instrumente geben total viel Kraft“. Zur so musikalischen Familie gehören die heute zwölfjährigen Zwillinge Clarissa und Constantin, Annika (14), Julia (21), die Musik in Trossingen ebenso studiert wie ihr Bruder Benedikt (24).

Von Kindesbeinen an hatte es auch Helma Hinger mit Musik zu tun. Flöte, Gitarre, Querflöte und natürlich Klavier spielte sie schon zu Schülerzeiten, baute ihr Abitur am Friedrich-Schiller-Gymnasium in Pfullingen. „Nur Musik studieren wollte ich irgendwie nicht“, erinnert sich seine Frau, die danach hunderte Kinder musikalisch aufbaute, sie begleitete und förderte.

So vom vierten Lebensjahr an können die Buben und Mädchen zu den Goldkehlchen kommen. Jungen nach dem Stimmbruch sind dann bei „Sweet Sixteen“, den Chor leitet Helma Hinger ebenfalls – und weiß über ein sehr praktisches Detail: „Das Schöne ist, dass man sich seinen Nachwuchs selbst nachzieht“, soll heißen: Sie begleitet die Kids beim Größerwerden, kann deren Talente daher sehr gut einschätzen – und sie dann weiter aufbauen.

Die Kinder haben zumeist ein hohes Maß an Treue zu den Chören bewiesen. Nach der Pubertät, eine Zeit, in der ja häufig andere Interessen vorherrschen, kommen viele wieder zurück – so zum jungen Chor des Sängerbundes „Lacuna“.

Schauspielerei und Gesang: So ein Musical bedarf einer konzentrierten Vorbereitungszeit, jeder der Lichtensteiner Chöre führt zwei Musicals pro  Jahr auf. Bald 13 Jahre Biberach, Balingen, Erpfingen und auch Tübingen: „Trainingslager“, wo die Kinder und Jugendlichen ungestört in Klausur üben können, wo alle beieinander waren, sind bis heute die Jugendherbergen.

Bei „Zurück in die Zukunft“  (Sweet Sixteen) habe sie „einen besonders tollen Jahrgang gehabt“, so Hinger. Das Zeitreise-Cabrio des Protagonisten Marty wurde auf die Leinwand projiziert. Und Marty, der im richtigen Leben Freddy Bott heißt, hatte erst unlängst eine kleinere Rolle im „Tatort“ bekommen. Soviel also zur Förderung junger Talente. Bei „Manche mögen’s heiß“ (Sweet Sixteeen, 2011) „hat mir die junge Deborah als Marylin Monroe auch sehr gefallen, erinnert sich Helma Hinger.

Mary Poppins, der kleine Muck nach Wilhelm Hauff oder „Wachgeküsst“ mit der Musik von Konstantin Wecker: Das alles wurde schon aufgeführt. Zum zehnjährigen Bestehen der Chöre gab es dann „Jim Knopf“: Da war es der Schreiner Dieter Baisch, der eine ganze Lok für die Bühne zusammenbaute. Als Leiterin des „Fünferchors“ am Münsinger Gymnasium hatte Helma Hinger eine Kooperation mit Sweet Sixteen und Goldkehlchen initiiert.

Heute, Samstag, hat um 17 Uhr im evangelischen Gemeindehaus in Unterhausen „Knasterbax und Siebenschütz“ Premiere – erneut als gelungenes Kooperationsprojekt der drei Chöre. Am Sonntag treten die jungen Leute um 17 Uhr in der  in der Münsinger Zehntscheuer auf. Benedikt Hinger, der künftige Chef der Noten und Akteure, spielt dabei Schlagzeug.

Helma Hinger hat in ihrer Kindheit auch schon Theater gespielt, beim Albverein in Holzelfingen. Studiert hat sie Germanistik und Theologe, kam zum Reutlinger BZN. Heute unterrichtet sie am Gymnasium Münsingen – Musik, was sonst.

„Ich mache fortan nur noch Schule“, sagt Helma Hinger und muss schmunzeln über den Umstand, dass sie dann mit ihrer hoch produktiven Fünfertruppe „Kooperationspartnerin“ ihres eigenen Sohnes wird.

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