Reutlingen Kein Vernichtungsfeldzug

Die Jagdhornbläser sind wegen ihrer Außenwirkung für das Ansehen der Kreisjägervereinigung in der Öffentlichkeit weiter von großer Bedeutung.
Die Jagdhornbläser sind wegen ihrer Außenwirkung für das Ansehen der Kreisjägervereinigung in der Öffentlichkeit weiter von großer Bedeutung. © Foto: Norbert Leister
Reutlingen / Norbert Leister 13.03.2018

Laut ertönte das „Halali“ bei der Mitgliederversammlung der Kreisjägervereinigung Reutlingen. „Die Wirkung der Jagdhornbläser ist für unser Ansehen in der Öffentlichkeit auch weiterhin von besonderer Wichtigkeit“, kommentierte Kreisjägermeister Wolfgang Auer „die große Außenwirkung der Bläser“.

Das ganz große Thema war  aber ein anderes: „Nicht nur in aller Jägermunde, sondern auch in der Presse ist die Gefahr der Afrikanischen Schweinepest“, betonte Auer. „Eine Anzahl von Gesetzesänderungen hat Landwirtschaftsminister Peter Hauk auf den Weg gebracht, um den Wildschweinbestand zu dezimieren und den Ausbruch der Pest vielleicht zurückhalten zu können.“

Die Afrikanische Schweinepest berührt laut Gastredner Dr. Thomas Buckenmaier zwar alle, werde gleichzeitig aber mit „viel Unwissenheit und Gerüchten in den Medien“ begleitet, wie der Leiter des Kreis-Veterinäramtes betonte. So würden weder Wolf noch Fuchs oder Hund die Pest verbreiten, die für den Menschen ungefährlich sei. Dabei handle es sich bei dem Pest-Erreger um ein „komplexes Virus, das sehr groß ist“, so Buckenmaier. Im Körper von Wildschweinen verhalte es sich wie ein „Tarnkappenbomber“ und sei vom Immunsystem schwer bis gar nicht zu erkennen. „Und es gibt auch keinen Impfstoff dagegen.“ Im Fleisch der Tiere halte sich das Virus rund sechs Monate, im Boden sogar bis zu zwei Jahre, so Buckenmaier. Die Inkubationszeit betrage rund vier Tage von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit, nicht alle Tiere würden krank, aber die infizierten sterben sehr schnell und zu 100 Prozent.

Nun sei die Pest zwar sehr ansteckend, verbreite sich aber eigentlich sehr langsam. Ausgehend von den baltischen Staaten sei ASP nach Polen gekommen, ruckzuck waren Wildschweine in Tschechien infiziert. „Von einem infizierten Wildschwein aus einem infizierten Gebiet muss ein Reisender eine Rohwurst mitgeführt haben, die er während der Fahrt aus dem Autofenster geworfen hat.“ Das Wurstbrot müsse ein Wildschwein in Tschechien gefressen haben, so Buckenmaier. Viele Zufälle seien da also zusammengekommen.

Der Maßnahmenkatalog gegen ASP sei „sehr drastisch“, führte der Tierarzt weiter aus. Tote Wildschweine müssten untersucht, bei Erkennung des Virus die Fundstelle mit einem Radius von 50 Quadratkilometer zu Sperrgebiet erklärt werden. In Tschechien solle ein Zaun um das Gebiet gebaut werden. „Drumherum gibt es ein weiteres Sperrgebiet, das intensiv bejagt wird, um möglichst alle Wildschweine auszurotten.“ Um dieses Gebiet werde wiederum eine dritte Zone gezogen, in der die Tiere beobachtet und untersucht würden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ASP wiederum einen mehrere hundert Kilometer großen Luftsprung nach Deutschland mache, sei zwar sehr gering, „aber eben nicht aus der Welt“, wie das Beispiel gezeigt habe. Vergangene Woche seien drei tote Wildschweine im Kreis Reutlingen gefunden worden – die wären aber eher verhungert, als infiziert, sagte Buckenmaier. Auf das Untersuchungsergebnis des Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungszentrums in Aulendorf warte der Veterinär noch.

Sollte ASP dennoch in der Region auftauchen, dann sei der Weg in die hiesigen Schweineställe immer noch recht unwahrscheinlich. Wenn auch nicht ganz auszuschließen. Klar ist für Kreisjägermeister Wolfgang Auer aber: „Wir Jäger werden uns nicht vor den Karren eines Vernichtungsfeldzuges spannen lassen, der unter Aussetzung des Tierschutzes und den Gesetzen der deutschen Waidgerechtigkeit vielleicht durchgeführt werden soll.“ Grundsätzlich seien die Mitglieder der Kreisjägervereinigung aber zunächst erleichtert.

Ehrungen gab es auch: So wurde die 50-jährige Mitgliedschaft bei der Kreisjägervereinigung von Erich Kurz, Dr. Armin Rall, Rolf Braun, Willy Hornung und Rolf Fischer gewürdigt. Auf 60 Jahre brachte es Wolfgang Haug, unglaubliche 75 Jahre ist Prof. Paul Senner bereits dabei und ist nun Ehrenmitglied.

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