Reutlingen Kein schlüssiges Konzept für den Baggersee

Die Geehrten (von links) Klaus Dieter Höhne, Annemarie Seeger, Peter Deutscher und Gabriele Pech, umrahmt von Vertretern des DLRG-Bezirks, des Landesvorstands und der Ortsgruppe Reutlingen. Foto: Simon Wagner
Die Geehrten (von links) Klaus Dieter Höhne, Annemarie Seeger, Peter Deutscher und Gabriele Pech, umrahmt von Vertretern des DLRG-Bezirks, des Landesvorstands und der Ortsgruppe Reutlingen. Foto: Simon Wagner
SIMON WAGNER 28.03.2012
Bei der DLRG-Bezirkstagung in Naturfreundehaus wurde ein relativ ruhiges Jahr bilanziert. Die bundesdeutsche Statistik weist immer weniger Kinder unter den Opfern auf. Dafür stieg die Zahl der Männer über 50 an.

"Wir hatten 2011 ein starkes Frühjahr und einen starken Herbst", dazwischen jedoch lag ein verregneter Sommer. Aus der Sicht von Armin Flohr, Einsatzleiter der Wasserrettungsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), war das vergangene Jahr insgesamt "relativ ruhig". Zu diesem Schluss kam er am Samstagnachmittag während der DLRG-Bezirkstagung im Reutlinger Naturfreundehaus Römerschanze. Der Bezirksvorsitzende Thomas Klingberg hatte Vertreter der zwölf Ortsgruppen dorthin geladen.

Im Land Baden-Württemberg kamen im vergangenen Jahr insgesamt 51 Menschen durch Ertrinken ums Leben (Vorjahr 46), im Bezirk Reutlingen wurden die DLRG-Helfer insgesamt 33 Mal zu Einsätzen gerufen (Vorjahr 18). Die bundesweite Statistik weist immer weniger Kinder unter den Opfern auf - stark angestiegen ist hingegen die Zahl bei Männern über 50 Jahren.

Wie in den Vorjahren erwiesen sich vor allem Binnengewässer, wie Flüsse oder Seen, als Hauptgefahrenquelle. Der Kirchentellinsfurter Baggersee, Ziel vieler Ausflüge aus der weiteren Region, macht da keine Ausnahme: "Leider gibt es für den See nach wie vor kein schlüssiges Nutzungskonzept", bedauerte Flohr. "Das führt dazu, dass die Rahmenbedingungen für die Wachmannschaften von Jahr zu Jahr schlechter werden.

Wären wir nicht ehrenamtlich tätig, dürfte unter solchen Bedingungen aus Arbeitsschutzgründen gar niemand arbeiten", so Flohrs Beschreibung der "unklaren Situation". Neben Einsätzen am und im Wasser wird die Gruppe auch im Rahmen des Bevölkerungsschutzes tätig und leistet Hilfe im Katastrophenfall.

Die Modernisierung des Bevölkerungsschutzes in Baden-Württemberg habe sich auch positiv auf die Reutlinger Wasserretter ausgewirkt, so Flohr. Das Land investierte "trotz angespannter Finanzlage", rund 130 000 Euro in die in Reutlingen stationierte Fahrzeug- und Bootsflotte. Eine Modernisierung, die Flohr als "dringend notwendig" bezeichnete. Er erinnerte an das massive Hochwasser im Jahr 2008 in Hechingen und ist sich sicher, dass sich solch ein Ereignis "jederzeit" wiederholen könne. Mit der nun modernisierten Ausstattung sieht man sich aber gerüstet, stellt die DLRG Reutlingen im Verbund mit den DLRG-Bezirken Ulm, Alb-Donau-Kreis, Tübingen und Zollernalbkreis jetzt den siebten Wasserrettungszug im Land.

Bei aller Rettungs-Hardware, so bleiben die menschlichen Helfer das größte Kapital der DLRG. Mit rund 3900 Mitgliedern im Bezirk bewegt sich deren Zahl derzeit auf stabilem Niveau. Wie eh und je stark besetzt ist die Jugendabteilung. 2400 Jugendliche bis 26 stellen 60 Prozent der Mitglieder.

Um die Gesellschaft für junge Mitglieder, aber auch für interessierte Jugendliche attraktiv zu erhalten, plant Bezirksjugendleiter Konrad Steibli zahlreiche Veranstaltungen und Wettkämpfe, wie etwa ein internationales "Baywatch-Camp" im sächsischen Pirna Ende Juni. Noch im April steigen die Bezirksmeisterschaften in Nürtingen.