Wenn viele Menschen sich bereits von der Kirche entfernt haben, dann ist das darauf zurückzuführen, dass die Kirche sich zu weit von der Menschheit entfernt hat (Heiliger Oscar Romero). „Diese Worte drücken aus, wie sich die Kirche verhält. Gerade in der jetzigen Zeit spüren wir deutlich, wie sich die katholische Kirchenhierachie mit ihren Entscheidungen von uns Menschen distanziert“, erklärt der Kirchengemeinderat der katholischen Kirchengemeinde St. Lukas in Reutlingen in einer Stellungnahme.

Nicht sprachlos bleiben

Die Entscheidung, dass homosexuelle Paare von katholischen Priestern nicht gesegnet werden dürfen, die Vertuschung des sexuellen Missbrauchs und die Missachtung der Rolle der Frau, lasse die Gemeindevertreter „einfach nur fassungslos und sprachlos werden. Aber sprachlos wollen wir als lebendige Gemeinde nicht sein. Mit aller Deutlichkeit können und wollen wir diese ablehnende Haltung gegenüber der Segnung homosexueller Menschen, die in einer Beziehung leben, nicht akzeptieren. Gleichgeschlechtliche Paare, nicht zuletzt in unseren Gemeinden, werden erneut zutiefst verletzt, wenn ihre Liebe als Sünde bezeichnet wird. Sie werden mit dieser Entscheidung ins Gesicht und tief ins Herz geschlagen“.

Alle Menschen willkommen

Wie bereits Pfarrer Dangel in seiner Stellungnahme erwähnt habe, gilt der Segen Gottes allen Menschen, besonders jenen, die in Verantwortung um Gottes Segen bitten. „Wir stehen damit hinter unserem Pfarrer und seiner Stellungnahme. In unseren Kirchen der St. Lukas- Gemeinde sind alle Menschen willkommen, die Gott suchen.“
Den Umgang mit den Vorgängen von sexuellem Missbrauch könne man ebenfalls nicht akzeptieren. Hier werde im Namen des Kirchenrechts vieles vertuscht und von der Öffentlichkeit ferngehalten. Wie sollen die Opfer damit leben können? Geschützt werden damit nur die Täter.
„Wir hier in unserer Kirchengemeinde St. Lukas können immer nur die Scherben aufkehren, und versuchen, die Wunden zu heilen, die diese Entscheidungen der Kirchenhierarchie geschlagen haben. Empörend ist dabei, dass der Vatikan zu den Missbrauchsfällen schweigt und gleichzeitig die Segnung homosexueller Paare verbietet.“

Mehr Respekt für Frauen

Die St-Lukas-Gemeinde stelle sich voll und ganz hinter die Bewegung „Maria 2.0“. „Das Frauen in der katholischen Kirche immer noch nicht die gleichen Rechte und die Anerkennung wie ihre männlichen Mitchristen haben, und somit die Rolle der Frau immer noch ein Problem ist, kann kaum jemand nachvollziehen – da wir alle sehen, wie viel Arbeit von Frauen in der Gemeinde gestemmt wird. Wie würden unsere Gemeinden da stehen, ohne die Mithilfe und Arbeit der Frauen. Respekt und eine angemessene Wertschätzung für diese Arbeit, muss endlich entgegengebracht und anerkannt werden. Der Zugang zu allen Ämtern in der Kirche muss für jeden offen stehen.“
Angesichts dieser Entwicklung helfe auch den Kirchenvertretern nur der Glaube, „der uns immer wieder stärkt und uns hilft weiterzumachen, damit sich endlich etwas ändert in unserer Kirche, denn wir wollen nicht in ein paar Jahren vor leeren Bänken stehen. Wir stehen für eine offene, lebensnahe, gerechte, bunte und liebende Kirche.“