Am morgigen Sonntag gegen 19.30 Uhr wissen wir mehr. Dann soll, so rechnet man bei der Stadtverwaltung, ein vorläufiges Gesamtergebnis der OB-Wahl vorliegen. 850 Wahlhelfer sind im Einsatz, um die spannendste Wahl seit Jahrzehnten in der Achalmstadt zu schultern und alles in die richtigen Bahnen zu lenken. Auf eine hohe Wahlbeteiligung deutet bereits jetzt der Stand der Briefwahl hin. Gestern um die Mittagszeit hatten bereits 8505 Wahlberechtigte ihre Stimme abgegeben.

Fünf Kandidaten wollen Oberbürgermeister in Reutlingen werden: Dr. Christian Schneider (CDU), Thomas Keck (SPD), Cindy Holmberg (Grüne), Andreas Zimmermann (Die Partei) und Dr. Carl-Gustav Kalbfell (FDP).

Dr. Christian Schneider, Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion, hat sich schon früh beworben. Der 54-jährige Familienvater, gelernte Jurist und passionierte  Feuerwehrmann hat in den letzten Wochen einen wahren Wahlkampf-Marathon hingelegt. Als die wichtigsten Themen, die in seinem Wahlkampf immer wieder eine Rolle spielten, nennt Schneider Wohnbedarf und Kindertagesbetreuung. „Es lohnt sich, um jede Stimme zu kämpfen und Menschen zu überzeugen“, sagt Schneider. Er habe festgestellt, dass es doch noch einige Unentschlossene gebe.

Betzingens Bezirksbürgermeister und Geschäftsführer des Mieterbundes, Thomas Keck, kann diesen Eindruck nicht bestätigen. Das Thema Wohnpolitik habe bei ihm überwogen, immer wieder sei er darauf angesprochen worden. „Ich kann sagen, dass ich im Wahlkampf selber viel gelernt habe.“ Am morgigen Sonntag wird der 56-Jährige zusammen mit dem Betzinger Förderverein das Schlachtfest in dem Reutlinger Stadtteil bestreiten und dort auch bedienen. „So wie jedes Jahr.“

Cindy Holmberg, die 43-jährige Wirtschaftskorrespondentin und Mitarbeiterin der Grünen-Bundestagsabgeordneten Beate Müller-Gemmeke, bekommt auf den letzten Drücker Wahlunterstützung aus Berlin. Grünen-Chef Robert Habeck wird ab 10.30 Uhr im Joli sein. Holmberg ist davon überzeugt, dass sich viele Bürger sogar erst am Sonntag entscheiden. „Zahlreiche Wähler haben ja auch kritisiert, dass sich die Kandidaten kaum unterscheiden.“ In den vergangenen Tagen hat sie vor allem noch Spartengespräche geführt.

Dr. Carl-Gustav Kalbfell, der Sozialbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen nennt Verkehr, Wohnen und Kinderbetreuung als Hauptthemen, auf die die Wähler immer wieder angesprochen haben. Bei jungen Leuten sei auch massiv der Wunsch nach einer Belebung der Innenstadt vorhanden. „Ich hatte sehr viele Kontakte auf Augenhöhe und viele Leute haben sich umfangreich informiert.“ Kalbfell schätzt, dass möglicherweise noch ein Drittel der Wahlberechtigten unentschlossen sind.. „Ich werde bis zur letzten Minute um jede Stimme kämpfen.“

Andreas Zimmermann, der 49-jährige Diplom-Ingenieur aus Karlsruhe, strebt ein zweistelliges Wahlergebnis am Sonntag an. Das Thema Nachtleben sei im Wahlkampf dominant gewesen, aber auch Verkehr und Wohnungsbau.

Vor acht Jahren gingen in Reutlingen gerade mal 23,8 Prozent zur Wahl, da hatte Barbara Bosch aber auch keinen ernstzunehmenden Gegenkandidaten. Bei ihrer ersten Wahl 2003 gegen den damaligen OB Stefan Schultes lag die Wahlbeteiligung bei knapp über 50 Prozent. Mal sehen, ob am Sonntag diesbezüglich ein neuer Rekord aufgestellt wird.