Die „Musica antiqua“-Reihe hat auch 2019 einiges zu bieten: Die Wintermusik hält drei Konzerte im Spitalhofsaal bereit, im Sommer geht es für drei Konzerte in die Stephanuskirche nach Sondelfingen und im Herbst wird zwei Mal alte Musik im Garten des Heimatmuseums geboten. Dabei zeigt der künstlerische Leiter Professor Albrecht Holder wieder die ganze Bandbreite der alten Musik auf – vom Minnesang bis zum Dresdner Wettspiel.

Werke für den Kaiser

Das erste Konzert in diesem Jahr ist Kaiser Maximilian I. gewidmet, dessen Todestag sich zum 50. Mal jährt. Der  Herrscher war  bekannt als der „letzte Ritter“, der mehrmals seine Reichsstadt Reutlingen besuchte. Ganz nebenbei war er ein großer Musikliebhaber. Mit seiner Hofkapelle etablierte er eine der europaweit besten Musikinstitutionen und zog berühmte Komponisten an seinen Hof. Andere Größen der Zeit widmeten ihm Werke. Jan van Elsacker lässt mit seinem jungen siebenköpfigen Gesangsensemble Motetten, Chansons und Lieder wiederauferstehen, die mit ihrer Würde, aber auch ihrer heiteren oder elegischen Anmut bereits die Kunstsinnigen vor einem halben Jahrtausend beglückten. Alfred Gross schlüpft in die Rolle von Hofhaimer und begeistert mit verzierten Fassungen und brillanten Instrumentalstücken.

 Am Sonntag, 3. Februar,  blicken Urte Lucht (an Hammerflügel und Cemballo) und Dieter E. Neuhaus als Sprecher musikalisch-theatralisch zurück in die Welt vor 200 Jahren.  Ihr Programm „Zwerge bleiben Zwerge, auch wenn sie auf Alpen sitzen …!“ ist dem Dichter  August von Kotzebue gewidmet, der am 23. März 1819 in Mannheim von einem Studenten erdolcht wurde.  Sie haben Werke von Gluck,  Beethoven,  Salieri, Schubert, Süßmayr, Cherubini oder  Méhul im Gepäck, und geben Einblick in das faszinierende Leben des Juristen und Komödienautor von Kotzebue.

Ganz im Zeichen des Genusses steht dann der 17. Februar.  Das „Trio Chateau“ präsentiert  „Die Nacht des Don Juan“ sowie Kammermusik für Trio D’anches.  Zum Inhalt: Man schreibt das Jahr 1786 in Prag. Hanns-Josef Ortheil beschreibt in seinem Roman „Die Nacht des Don Juan“ das Aufeinandertreffen dreier besonderer Männer: Wolfgang Amadeus Mozart, der gerade mit dem Librettisten Lorenzo da Ponte an seiner Oper „Don Giovanni“ arbeitet und der Frauenheld Giacomo Casanova, der unerwartet  für einige Wochen Gast beim Grafen Pachta ist. Klaus-Dieter Mayer spürt in seiner Lesung dem feingesponnenen Intrigennetz in Ortheils Roman nach, das Trio Chateau liefert mit Auszügen aus Mozarts und Beethovens Opern den musikalischen Genuss  dazu.

Am 31. Juli startet dann die Sommermusik in der Stephanuskirche, und zwar mit Musik aus dem Schloss Sanssouci: Wally Hase (Flöte), Susanne Götz (Cembalo) und der gebürtige Reutlinger Albrecht Holder  (Fagott) spielen  Werke von Friedrich dem Großen, Franz Benda, Carl Heinrich Graun, Carl Philipp Emanuel Bach und Johann Joachim Quantz. Sie laden ein zu einer musikalischen Reise ins 18. Jahrhundert ins Schloss Sanssouci. Am 7. August steht mit „The Book of Madrigals – Europäische Madrigale“  weltliche Vokalmusik von Orlando di Lasso, Josquin des Préz, Giovanni Gabrieli, Heinrich Schütz und  John Dowland auf dem Programm. Die fünf Sänger von „amarcord“ fabulieren in bester Männergesellschaft über feurige Liebesschwüre und tiefen Abschiedsschmerz, amüsieren sich über manch frivole Posse und frönen gutem Wein. „amarcord“ vereint mit diesem Konzert die wichtigsten Vertreter der Renaissance, die zum größten Teil in Italien gelernt und gewirkt haben.

Ein Minnesänger bestreitet dann den Abschluss der Sommerreihe: Holger Schäfer widmet sich am 14. August  Neidhart von Reuental und Oswald von Wolkenstein – den virtuosen Minnedichter des 13. und 15. Jahrhunderts. Neidhart von Reuental wurde einmal als der James Last des Mittelalters bezeichnet. Er und sein späterer Nachfolger Oswald von Wolkenstein vermochten die Zuhörer durch virtuose Wortakrobatik zu begeistern. Holger Schäfer, mehrfach preisgekrönter Minnesänger, porträtiert diese beiden Großmeister des klassischen Minnesangs in einem illustren Konzert. Neben seiner Bariton-Stimme erklingen historische Flöten, Lauten und mittelalterliche Harfen.

Barocke Klänge

Dem Dresdener Wettspiel zwischen Froberger und Weckmann widmet sich am 24. November die erste Veranstaltung der Herbst­reihe in der Kapelle im Garten des Heimatmuseums. Alfred Gross konzertiert auf einem italienischen Barock-Cembalo und lässt das Ereignis von 1649/50 wieder aufleben. Um einen weiteren Wettstreit geht es am 1. Dezember, nämlich um das Wettspiel zwischen Georg Friedrich Händel und Domenico Scarlatti 1708 zu Rom. Für die barocken Klänge ist ebenfalls wieder  Alfred Gross auf dem Barockcembalo zuständig. In einem regen stilistischen Wechsel werden unterschiedlichste Cembalowerke der beiden großen Musiker aufeinander folgen und  den Zuhörern  musikalisches Vergnügen bereiten.

Die Konzerte im Überblick


Wintermusik im Spitalhofsaal, Beginn  jeweils 11 Uhr.
27. Januar:  Musik für Kaiser Maximilian I.. 
3. Februar:  „Zwerge bleiben Zwerge, auch wenn sie auf Alpen sitzen…!“ .
17. Februar:  Hanns-Josef Ortheil: Die Nacht des Don Juan sowie Kammermusik für Trio D’anches.
Sommermusik
in der  Stephanuskirche, Beginn jeweils 20 Uhr.
31. Juli: Musik aus dem Schloss Sanssouci.
7. August: The Book of Madrigals – Weltliche Vokalmusik“ mit dem Quintett „amarcord“.
14. August: Neidhart von Reuental und Oswald von Wolkenstein – die virtuosen Minnedichter des 13. und 15. Jahrhunderts, mit dem Minnesänger Holger Schäfer.
Herbstmusik
in der spätgotischen Kapelle im Garten des Heimatmuseums, Beginn jeweils 11.30 Uhr.
24. November:  Das Dresdener Wettspiel zwischen Froberger und Weckmann mit Alfred Gross am Renaissancecembalo.
1. Dezember:  Das Wettspiel zwischen Georg Friedrich Händel und Domenico Scarlatti 1708 zu Rom mit Alfred Gross, am italienischen Barockcembalo.