Reutlingen Känguru trifft Puffy Bello

Der Nachwuchs formiert sich: Die Preisträger des GdM-Wettbewerbs vor ihrem großen Auftritt in der Stadtbibliothek. Foto: Marinko Belanov
Der Nachwuchs formiert sich: Die Preisträger des GdM-Wettbewerbs vor ihrem großen Auftritt in der Stadtbibliothek. Foto: Marinko Belanov
Reutlingen / SUSANNE ECKSTEIN 20.05.2014
Die Gesellschaft der Musikfreunde (GdM) konnte dieses Jahr mit ihrem Wettbewerb wieder einen Erfolg vermelden. Jetzt ging das Preisträgerkonzert in der Reutlinger Stadtbibliothek über die Bühne.

Sichtbar erfreut konnte Prof. Hartmut Ebke, Vorsitzender der Gesellschaft der Musikfreunde Reutlingen (GdM), die aktuellen Preisträger des Jahres 2014 vorstellen. 40 junge Musiker(innen) zwischen acht und 18 Jahren haben sich diesmal um die Musikpreise der GdM beworben.

Im Vorjahr hatten sich nur acht gemeldet - der Wettbewerb schien gefährdet, und der GdM-Vorstand hakte bei den Musikpädagogen nach. Diese sprachen sich durchweg für die Weiterführung aus - und die aktuellen Teilnehmer, ihr hohes Niveau und ihr Erfolg bestätigen nun den Kurs. 25 von ihnen kamen zur Preisverleihung mit Preisträgerkonzert. Bläser solo und -Ensembles waren dieses Jahr gefragt. Den Löwenanteil machten die Block- und Querflöten aus, je eine Oboe, Trompete und Posaune waren dabei, außerdem sage und schreibe sechs Fagottist(inn)en.

Desirée Krems beeindruckte sogar mit einem selbstkomponierten und einem Hund gewidmeten Solostück "Puffy Bello" - offenbar beflügelt das vielseitige Fagott die Klangfantasie. Dieses Stück erklang auch im Preisträgerkonzert; aus den Wettbewerbsstücken wurden hier generell die charmanteren vorgetragen, etwa ein "Känguru-Walzer" für Blockflöte oder Tscherepnins "In der Küche" aus seinem Flötenquartett. Diesmal stand die Tierwelt Pate: neben Hund und Känguru der kleine weiße Esel von Jacques Ibert, geheimnisvoll zwitschernde Nachtvögel und am Ende gar ein satirischer Hecht.

Auffallend souverän bezogen die jungen Musizierenden alternative Spielweisen und neue Klänge mit ein. Im Gegensatz zu früheren Generationen gehört es heute dazu, von Anfang an beispielsweise Glissando, Flatterzunge, Schnalzen, perkussive Effekte oder gar Mehrstimmigkeit auf dem Blasinstrument zu praktizieren; die jungen Leute beherrschten die Techniken und ihre Instrumente erstaunlich gut. Als Stück "mit Pfiff" entpuppte sich "Elli, die alte Dampflok", die von fünf jungen Fagottisten klangvoll in Fahrt gesetzt wurde.

Anspruchsvolle "alte" Polyphonie wurde genauso sauber dargeboten wie Romantisches von Saint-Saëns oder Sachlich-Modernes von Hindemith. Gleich dreimal wurden Kompositionen der Freiburger Blockflöten-Professorin Agnes Dorwarth aufgeführt, eine Pädagogin, die neben der Technik auch die gestalterische Fantasie der Musizierenden befördert.

Die musikalischen Höhepunkte kamen am Ende mit den Beiträgen der Altersgruppe III und etlichen ersten Preisen. Amrei Baumbusch zeichnete mit langem Atem die pastoralen Züge des zweiten Satzes von Saint-Saëns Oboensonate nach, Moritz Tempel forderte sich und die Hörer mit Sutermeisters "Capriccio" für Klarinette solo aus dem Jahr 1946 heraus. Einen spektakulären Abschluss bildete die Darbietung von Dorwarths "Hecht" (nach Morgenstern) durch die vier Blockflötisten um den mehrfachen "Jugend-musiziert"-Preisträger Sebastian Fuß, die auch den Sonderpreis für Neue Musik erhielten.

Sie ging weit übers bloße Musizieren hinaus: Zu viert wurde mehrstimmig geflötet, instrumental gepupst und vokal rezitiert, als poetisch-freche Musik-Satire auf den heiligen Vegetarismus, die geradezu kongenial herüber kam.

Kein Wunder: Die ambitionierte Formation aus Jan und Sebastian Fuß, Michel Miersch und Yile Huang hat seit kurzem eine Ensemblekarriere als "Blockbuster" gestartet. Wer weiß, was aus all den jungen Musizierenden noch wird - ? Ihre Preise und den lebhaften Beifall haben sie jedenfalls redlich verdient.

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