Reutlingen Jungen Leuten Perspektiven eröffnen

Der Zauberer Gernot Bohnenberger mit (von rechts) Otto Haug, Kreuzkirchen-Pfarrer, Stephan Sigloch und Anke Bächtiger von der Stadt, unterhielt mit begeisternden Tricks beim Jubiläum der Reutlinger Jobpaten.
Der Zauberer Gernot Bohnenberger mit (von rechts) Otto Haug, Kreuzkirchen-Pfarrer, Stephan Sigloch und Anke Bächtiger von der Stadt, unterhielt mit begeisternden Tricks beim Jubiläum der Reutlinger Jobpaten. © Foto: Der Zauberer Gernot Bohnenberger unterhielt mit begeisternden Tricks beim Jubiläum der Reutlinger Jobpaten. Jürgen Herdin
Reutlingen / JÜRGEN HERDIN 02.07.2016
Sie gehen jungen Leuten an die Hand, um sie für Ausbildung und Job vorzubereiten. Das Erfolgsmodell Jobpatenschaft feierte jetzt sein Zehnjähriges.

Es begann als Kooperationsprojekt zwischen evangelischer Kreuzkirchengemeinde im Ringelbachgebiet, der Eduard-Spranger-Schule und mit Unterstützung der Agentur für Arbeit. Auch Handwerksammer und IHK stehen  mit Rat und Tat zur Seite.

Und es entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte – freilich nicht, ohne dass es auch schwierige Prozesse gab. Die Sozial- und Jobpaten, die sich mit oft  bildungsbenachteiligten jungen Leuten beschäftigen, konnten – und können – den Jugendlichen eine berufliche Perspektive geben. Zehn Jahre gingen ins Land – das wurde jetzt im Garten von Otto Haug gefeiert.

Haug gehörte neben Stephan Schumacher zu den Gründungsmitgliedern. Der ist über einen Artikel im Magazin „Geo“ auf die Idee gekommen, ein Jobpaten-Projekt in Reutlingen auf die Beine zu stellen.

Schumacher, der heute nicht mehr dabei ist, war damals Kreuzkirchen-Gemeinderat. Es gelang ihm, gleich zu Beginn 15 Interessierte um sich zu scharen, dies mit Blick auf benachteiligte junge Leute unter der Fragestellung: „Was können wir für Euch tun?“ Dass dies aber keine Einbahnstraße sein sollte, darauf legen die Jobpaten großen Wert.

Mittun sollten die Jungs und Mädchen schon auch, sich kooperativ zeigen und vor allem Interesse am eigenen Vorankommen haben. Freilich kommt es auch vor, „dass manche von ihnen einfach schulmüde sind oder in die Berufsfachschule wechselten, obwohl sie dafür noch nicht reif waren“, sagt Haug. Anfänglich kümmerten sich die Jobpaten um Schüler der Abschlussklassen, später legten sie bereits in Klasse acht los. Bewerbungsschreiben lernten sie zu verfassen. Und Praktika in Betrieben werden auch vermittelt.

Zu rund 80 Prozent sind die bis zu 20 Jobpaten bereits im Rentenalter, aber das sei auch ein Vorteil: „Wir werden in der Ansprache der jungen Leute oft sehr viel deutlicher als die Eltern“, sagt Otto Haug und schmunzelt knitz. Auch arbeitslose Erwachsene gehören zur Klientel einer Initiative, die all die zehn Jahre sehr verantwortungsbewusst arbeitete – ohne auf die Uhr zu schauen.

Mit den Pfarrern Reinhard Ziegler und Astrid Gilch wurde „ein Ausbildungskonzept für Ehrenamtliche erarbeitet“, erinnert sich Stephan Schumacher. Und die Stabsstelle für Bürgerengagement der Stadt mit Ursula Weber wirkte engagiert mit.

Heute macht den Job Anke Bächtiger, die auf der kleinen Jubiläumsfeier mit begeisternden Tricks des Zauberers Gernot Bohnenbergers ausführte: „Für mich ist das Projekt Bereicherung und Motivation gleichermaßen“. Durchaus stolz könnten die Reutlinger Jobpaten sein, dass sie „auch Vorbild für andere Initiativen geworden sind“, weiß Bächtiger. Gemeinsam wurde später auch ein Handbuch entwickelt, in das zahlreiche „Patengeschichten aufgenommen wurden.

Geehrt wurden am Donnerstag von Otto Haug und Kreuzkirchen-Pfarrer Stephan Sigloch Männer und Frauen aus der Anfangszeit der Sozial- und Jobpaten, es gab Buchgeschenke. Sigloch bekräftigte, dass man weiter „in die Stadt und den Stadtteil hineinwirken“ werde. Die Seligpreisungen des Matthäus umgedichtet hatte mit Blick auf die Jugendlichen einer der Aktiven: „Selig seid all Ihr Paten, die Ihr mich erfahren lasst, dass ich wichtig bin.“