Klassik Jung, meist weiblich und international

Macher der Reihe musica nova: Michael Hagemann, Werner Ströbele und Andrea Offenhäusser.
Macher der Reihe musica nova: Michael Hagemann, Werner Ströbele und Andrea Offenhäusser. © Foto: Foto: Jürgen Spiess
Reutlingen / Jürgen Spieß 17.10.2018

Die städtische Reihe musica nova feiert nächstes Jahr ihren 50. Geburtstag und ist damit wohl eine der ältesten Konzertreihen für zeitgenössische Musik in Deutschland. Vom 19. Oktober an präsentiert die Klassikreihe sechs hochkarätige Konzerte in ihrem Stammhaus Spendhaus und im Spitalhofsaal.

Das bekommt man in der Tat nicht alle Tage zu hören: Ein Solo-Projekt mit Fagott in Verbindung mit Live-Elektronik und Improvisation. Johannes Schwarz, Fagott-Spieler und Mitglied des Ensemble Modern, bildet zum Auftakt der musica-nova-Reihe (19. Oktober, Spitalhofsaal) mit dem bekannten ZKM-Tonmeister Sebastian Schottke ein Duo, das eherne Kategorien wie metrische Gliederungen oder gar das Einhalten einer durchgehenden Rhythmusstruktur überflüssig macht. Im äußerst spannenden Miteinander, das alles Vordergründige scheut, beschwören sie das Ideal der Neuen Musik: als ein Gespräch unter Gleichen. Das Programm „autogamie“ hält zudem eine Uraufführung des Komponisten Matthias Krüger bereit: „trace lumineuse“. Der künstlerische Leiter Michael Hagemann präsentiert in seiner Reihe mit ganz unterschiedlichen Besetzungen eine große Bandbreite zeitgenössischer Musik und versucht, auch junge Künstler mit einzubinden: „Musik für Neugierige“, nennt es Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele und Michael Hagemann ergänzt: „Wir setzen auf Internationalität, auf junge Musiker und auf einige Schüler-Lehrer-Verbindungen“. Außerdem ist auffällig, dass dieses Jahr vielen weiblichen Komponistinnen und Musikerinnen ein Forum geboten wird. So etwa am 14. Dezember im Spendhaus, wenn sich die vier jungen Musikerinnen Sally Beck (Flöte), Ella Rohwer (Cello), Claudia Chan (Klavier) und Marie Heeschen (Sopran) zeitgenössischen Werken des 20. und 21. Jahrhunderts widmen. Das Konzertprogramm des „BRuCH“-Ensembles besticht durch die reizvolle Mischung aus Avantgarde-Klassikern, Neuer Musik und impressionistischen Klängen.

Ebenfalls jung, weiblich und international ist das nächste Konzert am 30. Januar im Spendhaus: Die schwedischen Schwestern Karolina  (Violoncello) und Erika Öhman (Schlagzeug) nennen sich UmeDuo und präsentieren zeitgenössische Musik aus der ganzen Welt, unter anderen von der Chinesin Leilei Tian, der Iranerin Anahita Abbasi und der Russin Elena Rykova. Weiter geht es am 8. Februar mit einem „Aufbruch ins Abenteuer“, entfacht von der Musikschule Reutlingen im Spendhaus. Am 15. März kommt „the diva of the piano“, Vanessa Benelli Mosell, ebenfalls ins Spendhaus.

Zwei unterschiedliche Klassiker prallen dabei im Programm der italienischen Pianistin aufeinander: Karlheinz Stockhausens „Klavierstück XII“ mit eingespielten Opernstimmen und die zwölf Préludes von Claude Debussy. Die Saison endet am 10. Mai mit dem zu drei Vierteln weiblichen Quartet Revoiced.

Die vier Blockflötisten, die sich während des Studiums an der Hochschule für Musik in Karlsruhe kennengelernt haben, lassen sich nicht auf einzelne Stile, Epochen oder musikalische Moden festlegen. Stücke der Renaissance kommen ebenso zur Aufführung wie Bearbeitungen aus der Barockzeit. Als besonderes Schmankerl gibt es eine Uraufführung der erst 27-jährigen Taiwan-Chinesin Ling-Hsuan Huang, wenn das Quartet Revoiced ihr preisgekröntes Werk „Under The Surface“ für vier Blockflöten präsentiert.

Unter der Regie von Michael Hagemann, der die musica nova seit 2014 leitet, hat sich die Klassikreihe zu einer Veranstaltung weiterentwickelt, die sich fest im Kulturleben der Stadt etabliert hat. Die Reutlinger Klassikfreunde können sich also auf ein anspruchsvolles Programm freuen, das die ganze Bandbreite der Neuen Musik umfasst – und selbst für Schüler und Studenten erschwinglich ist.

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