Reutlingen Jumelage als Herzenssache

Reutingen / Von Ralph Bausinger 21.10.2018

Seit sechs Jahrzehnten sind Reutlingen und Roanne offiziell miteinander verbunden: Mit einem Festakt im Rathaus-Foyer feierten am Samstag Vertreter der beiden Städte dieses historische Ereignis im Rathaus. Aus Reutlingens Partnerstadt waren 44 Franzosen angereist, neben der offiziellen Delegation auch zahlreiche Vertreter von Schulen und Vereinen.

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch erinnerte in ihrer Rede daran, dass die Entscheidung, 1958 eine Jumelage einzugehen – gerade einmal 13 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieg – „viel Mut und Wagnis“ auf beiden Seiten erfordert hatte. Reutlingen zählte damals zu den ersten 50 Kommunen in Deutschland, die sich zu diesem zukunftsweisenden Schritt entschlossen hatten.

Das Hauptaugenmerk der Partnerschaft liege, betonte Bosch, auf den Begegnungen junger Leute. Über 17 000 Schüler hätten sich gegenseitig besucht. Neben dem klassischen Schüleraustausch müsse man aber verstärkt über neue Inhalte wie beispielsweise Projektbegegnungen nachdenken. So sei es beeindruckend, mit welchem Ideenreichtum die Schulen in Roanne und Reutlingen den deutsch-französischen Tag am 22. Januar begehen.

Nicht ausruhen

Der Austausch zwischen den Vereinen habe große Bedeutung für die Breitenwirkung. Den Anfang machte im Jahr 1959 der Lions Club, zahlreiche Vereine wie beispielsweise die Fotoclubs oder auch der Hohner Handharmonika- und Akkordeonclub, dessen Ensemble die Feierlichkeiten mit schwungvoller Musik  begleitete, und die Feuerwehren folgten. Deren Engagement würdigte die Oberbürgermeisterin als „Zeichen eines gelebten, völkerverbindenden Sprach-, Kultur- und Bildungsaustausches“.

Barbara Bosch mahnte in ihrer Rede, sich nicht auf dem Erreichten auszuruhen, sondern sich für den europäischen Einigungsprozess einzusetzen, den sie als große Erfolgsgeschichte würdigte: „Europa ist mehr als ein Wirtschaftsbündnis. Es ist eine Wertegemeinschaft, in der demokratische Prinzipien nie in Frage gestellt werden dürften“, mahnte sie mit Blick auf zunehmende Fremdenfeindlichkeit und wachsenden Populismus. Alle Verantwortlichen seien daher aufgerufen, die Städtepartnerschaft zu ihrer „Herzenssache“ zu machen.

Für Yves Nicolin tragen die mit „wirtschaftlichem, kulturellen und freundschaftlichem Austausch angefüllten Beziehungen zwischen den beiden Städten zweifelsohne geschwisterliche Züge“. In den Worten des Bürgermeisters von Roanne ist „unsere Partnerschaft fester denn je, reich an Besuchen, Austauschen, Freude und guter Laune“.

In wenigen Tagen, am 11. November, wird in Roanne an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren erinnert, Barbara Bosch wird vor Ort sein. Deutsche und Franzosen hätten begriffen, dass der Krieg nicht die Lösung der Probleme sei. „Andere sollten dies ebenfalls begreifen.“ Das absurde Blutvergießen von damals, betonte Nicolin in seiner Rede, sei sicher auch der „Ausgangspunkt der Freundschaft von heute gewesen“.

Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt wurde die Ausstellung „Reutlingen und Umgebung – Aux alentours de Roanne“ in der Eingangshalle des Rathauses eröffnet. Dafür hatten die Mitglieder des Photo-Clubs de Roanne und des Vereins Présence Photo 42 sowie des Photoclubs Reutlingen ein Jahr lang besondere Motive ihrer Heimat festgehalten.

Die Fotografien zeigten, wie Anna Kiwitt, Vorsitzende des Photoclub Reutlingen in ihrer  Einführung sagte, ein „breites Spektrum, das Lust auf gegenseitiges Erkunden macht.“ Schließlich würden Fotos keine Grenzen kennen, sondern seien universell, ergänzte Christophe Burtin, ehemaliger Präsident des Photo-Club de Roanne.

Zwei Ausstellungen im Rathaus

Die deutsch-französische Fotoausstellung „Reutlingen und Umgebung – Aux alentours de Roanne“ ist ab Montag, 22. Oktober, bis Freitag, 11. Januar, zu den üblichen Öffnungszeiten des Rathauses, Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Das Stadtarchiv zeigt zusätzlich in zwei Vitrinen vor seinen Diensträumen verschiedene Dokumente aus 60 Jahren Städtepartnerschaft Roanne – Reutlingen. Der Schwerpunkt der kleinen Archivalien- und Bilderschau, die noch bis Ende Januar 2019 zu sehen ist, geht  auch auf die Vorgeschichte der Partnerschaft ein.

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