Reutlingen Jugendleitercard für engagierte Pionierinnen

Reutlingen / RALF OTT 12.07.2016
Die Ausbildung von Jugendleitern und Zertifizierung durch die „Juleica“, die Jugendleitercard, ist ein bewährtes Instrument der Jugendarbeit.

Dass dieses bewährte Instrument dennoch etwas Besonderes sein kann, machte der Stadtjugendring kürzlich bei der ersten Juleica-Übergabe an eine muslimische Mädchengruppe im Haus der Jugend deutlich.

Vor rund zwei Jahren machten sich zehn junge Frauen aus der Internationalen Islamischen Gemeinschaft auf, aktiv einen Beitrag zur Integrationsarbeit zu leisten: Sie gründeten auf eigene Faust eine Jugendgruppe.

Ihre Eltern hatten sich regelmäßig in der muslimischen Gemeinde getroffen und dort Veranstaltungen oder Feste organisiert. „Unsere Themen kamen dabei aber zu kurz. Wir wurden nicht gefragt, ob auch wir etwas beitragen können, obwohl wir viele Herausforderungen wahrgenommen haben und uns nützlich machen wollten.“

Mit einem Blick auf die Kirchen und die dort fest etablierte Jugendarbeit stellten die jungen Frauen fest: „Das wollen wir auch haben.“ Kaum war die Idee der Mädchengruppe geboren, wurde auch schon das erste Ziel in Angriff genommen. Die Flüchtlingsarbeit sollte es sein. Konkret: ein Projekt mit und für Flüchtlingskinder.

Auf der Suche nach Räumen kamen die jungen Frauen mit dem Stadtjugendring ins Gespräch. Damit kamen auch die Jugendleitercard und die Ausbildung zu Jugendleiterinnen ins Spiel. Hierfür konnte der Stadtjugendring eine Förderung durch die Landesarbeitsgemeinschaft der offenen Jugendarbeit bereitstellen und das Evangelische Stadtjugendwerk und den Bund der Deutschen katholischen Jugend zur Mitarbeit gewinnen.

Auch diese Zusammenarbeit ist neu und bemerkenswert, denn die Träger führten die Ausbildung bisher mehrheitlich für ihre eigenen Jugendleiter durch.

Im Frühsommer konnten acht von zehn der jungen Frauen von der städtischen Integrationsbeauftragten Sultan Braun im Haus der Jugend ihre Juleicas entgegen nehmen. Damit sind sie als erste muslimische Jugendgruppe Pionierinnen. „In  muslimischen Gemeinden gibt es keine vergleichbaren hauptamtlichen Strukturen wie etwa bei den Kirchen. Die Jugendarbeit in den muslimischen Gemeinden kann von den Gemeinden daher in der Regel nicht alleine professionell aufgebaut werden. Der Stadtjugendring wiederum betreibt seit Jahren  gezielte interkulturelle Öffnung und hat mit der Ausbildung der Mädchengruppe einen wichtigen Beitrag zur Unterstützung der Jugendarbeit in den muslimischen Gemeinden geleistet“, lobte Braun.

Stolz über das Engagement der Mädchen waren auch Mustafa Sary, Vorsitzender der Internationalen Islamischen Gemeinschaft, und die Eltern der jungen Frauen.

Dass der Weg der jungen Frauen aus der Internationalen Islamischen Gemeinschaft auch Vorbild für Jugendliche aus anderen muslimischen Gemeinden sein kann, davon sind Lutz Adam vom Stadtjugendring und Integrationsbeauftragte Sultan Braun überzeugt. „Unser Wunsch ist es, die Jugendarbeit auch in anderen muslimischen Gemeinden zu verankern“, so Lutz Adam.