Reutlingen Jetzt kommen sie auch zu uns

Das große Mahnfeuer am Sondelfinger Schafstall soll auf die Rückkehr des Wolfes und auf die damit verbundene Bedrohung der Weidetiere aufmerksam machen.
Das große Mahnfeuer am Sondelfinger Schafstall soll auf die Rückkehr des Wolfes und auf die damit verbundene Bedrohung der Weidetiere aufmerksam machen. © Foto: Alice Bühler
Von Alice Bühler 16.05.2018

Für mich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sich hier ein Rudel bildet – wenn sich nicht schon eins gebildet hat“, sagte Anette Wohlfahrt, Geschäftsführerin des Landesschafzuchtvereins Baden-Württemberg, am Samstagabend in Sondelfingen am Schafstall, als bundesweit Mahn- und Solidarfeuer für die eingeschränkte Ausbreitung der Wölfe angezündet wurden. „Oben ist alles belegt, deshalb kommen sie jetzt zu uns“ erklärte sie.

Nach der Wolfsattacke am 30. April im Schwarzwald, der mehr als 40 Schafe zum Opfer gefallen sind, ist die Diskussion um den Schutz der Weidetiere neu entfacht. „Es war abzusehen, dass das passiert“ betonte Wohlfahrt. „Ich selbst war in Wildbad und habe jedes einzelne der 44 toten Schafe in den Händen gehalten“. Bei dem Wolf handele es sich um einen Rüden aus Schneverdingen in Niedersachsen, dieser sei für alle drei Risse in Baden-Württemberg verantwortlich.

Die Mahnfeuer sollen nun dazu dienen, „die Bevölkerung aufmerksam zu machen, wie wichtig die Weidetierhaltung ist“, betonte Wohlfahrt. Außerdem soll die Politik darauf hingewiesen werden, wer zuerst zu schützen sei: die Weidetierhalter und die Bevölkerung – und nicht der Wolf. Man müsse dafür sorgen, dass die Schafe nicht ausbrechen können und gleichzeitig, dass niemand zu den Schafen hinein gelangen kann. Die diskutierten 90 Zentimeter hohen elektrischen Zäune bieten dabei wenig Schutz vor dem Wolf.

Die Landnutzverbände zum Herdenschutz stellen vier konkrete Forderungen an die Politik: Zum einen wird eine umfassende Befreiung der Weidetierhalter von ihrem Haftrisiko in Fällen einer Wolfsattacke gefordert. Zum anderen wollen sie die Gründung eines Wolfsmanagements. Der Wolf soll in das Jagd- und Wildtiermanagementgesetz Baden-Württembergs aufgenommen werden.  

Die Verbände begehren außerdem einen besseren Herdenschutz, denn aufgrund der kleinteiligen und häufig im Nebenerwerb betriebenen Tierhaltung seien die bekannten Maßnahmen des Herdenschutzes in Baden-Württemberg weder wirtschaftlich zumutbar noch praktikabel.

Als letztes fordert der Ladesschafzuchtverein Weidetierschutzzonen, in denen eine unbürokratische Entnahme von Wölfen trotz Artenschutz erlaubt sein soll:  „Wir fordern, dass ein Wolf, der sich auf Weidetiere spezialisiert hat, abgeschossen wird“ betonte Wohlfahrt.