Was vor zwei Jahrzehnten "eher mit Vorsicht beäugt wurde", sagte gestern Volksbank-Vorstandsmitglied Erik Grahneis im Pressegespräch, "ist heute absolute Realität: Wir haben einen digitalen Verbraucher." Allein die Kunden der Volksbank Reutlingen transferierten in den ersten sieben Monaten des Jahres über das Internet-Bezahlsystem PayPal zweistellige Millionenbeträge. Dieser Trend wird weiter wachsen, auch wenn dies für den lokalen Einzelhandel sicher bitter ist, sagt Grahneis.

Die in die Bezahlströme eingebundenen Banken machen dabei drei unterschiedliche Kundengruppen aus, erläuterte das Vorstandsmitglied: Die "professionellen oder bedenkenlosen" Kunden, für die Geschäfte im Internet so selbstverständlich sind wie der morgendliche Gang zum Bäcker, die "Vorsichtigen, die über Datenschutz und Sicherheit des Zahlungsverkehrs reflektieren", und schließlich die Gruppe derer, die, warum auch immer, nicht dabei sind.

Um nun vor allem den beiden letzteren Gruppen den Zugang zu Internet-Geschäften zu erleichtern, entwickelten die deutschen Genossenschaftsbanken, Sparkassen und die Groß- und Privatbanken gemeinsam das eigene Online-Bezahlsystem Paydirekt. Es soll gegenüber den bestehenden Zahlungssystemen mehr Datenschutz, mehr Sicherheit der Zahlung und eine Gewährleistung des Warenerhalts bieten, erläuterte Grahneis.

Wesentlicher Unterschied ist dabei, dass die Kontoinformationen des Kunden anonym sind, nur bei der Hausbank verbleiben und nicht im Internet kursieren. Zudem, so Grahneis, gilt bei diesen Transaktionen deutsches Recht, auch in Sachen Datenschutz. Die Server und Datenströme laufen zudem ausschließlich in Deutschland.

Neben den Vorteilen für den Kunden muss das neue System auch Vorteile für den Handel haben, erläuterte Bernd Koschka, der Leiter des Bereichs Finanzen bei der Volksbank Reutlingen: "Wir brauchen beide Seiten für den Erfolg." So gibt es einerseits eine Zahlungsgarantie, sprich, die Verfügbarkeit des Geldes vom Girokonto wird bei der Bank geprüft. Die Abwicklung erfolgt direkt auf das Konto des Händlers bei einer deutschen Bank.

Der Käufer wiederum hat 30 Tage lang das Recht zum Widerruf, wenn die Ware nicht geliefert wurde. In diesem Fall landet das gezahlte Geld direkt per Gutschrift wieder auf dem Konto des Kunden.

Voraussetzung für die Zahlung per Paydirekt ist die Anmeldung zum Online Banking bei der Hausbank. Hier kann man sich bei Paydirekt einmalig registrieren.

Beim Internetkauf muss der Kunde nach der Produktauswahl dann nur seinen selbst vergebenen Benutzernamen und ein Kennwort eingeben, damit der Kauf bestätigt wird. Das Geld geht dann direkt vom Girokonto ab.

Mitte August wurde mit ausgewählten Banken die Pilotphase gestartet, seit einiger Zeit bereits akquiriert die zentrale Projektgruppe der deutschen Kreditwirtschaft große Kunden, auch die lokalen Banken sind hier vor Ort aktiv, berichtete Grahneis. Unmittelbar nach dem Start von Paydirekt werden deshalb vermutlich zuerst große Internet-Händler diese Bezahlmöglichkeit anbieten, doch die Volksbänker gehen davon aus, dass schnell weitere, auch kleinere Händlergruppen dieses System übernehmen.

Für Marketing-Chefin Andrea Anstädt ist es ohnehin "ein sensationeller Vorgang, dass ein solches Projekt binnen eines Jahres zwischen allen deutschen Banken realisiert werden konnte". Für die Kunden schafft Paydirekt zusätzliche Sicherheit: "Meine eigene Bank hat dieses Verfahren abgesegnet."

Doch die Einführung von Paydirekt zum Jahresende ist erst der Einstieg. "Wir betreiben den Ausbau im digitalen Bereich mit Hochdruck", berichtet Grahneis. Als ein nächster Schritt könnte dann auch das mobile Bezahlen per Smartphone und Tablet dazukommen.