Der Baden-Württembergische Sozial- und Integrationsminister Manfred Lucha hat sich zur Auftaktveranstaltung angekündigt. Am 5. Februar will die Stadt die Werbetrommel für den Integrationsrat rühren. Die Amtszeit des derzeitigen Gremiums läuft nach fünf Jahren aus, Anfang Juli soll ein neu zusammengesetzter Integrationsrat seine Arbeit aufnehmen. Sozial- und Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn sowie die Leiterin des Amts für Integration und Gleichstellung Sultan Plümicke und Elisabeth Grüner von der Geschäftsstelle Integrationsrat hoffen freilich auf großes Interesse und auf viele Bewerber, damit die besten 14 Köpfe sowie deren Stellvertreter ausgewählt werden können. Denn zum zweiten Mal wird der Integrationsrat nicht wie früher gewählt, sondern ernannt. Aus gutem Grund: Bei der letzten durchgeführten Wahl gingen gerade noch acht Prozent der Wahlberechtigten an die Urne, bedauert Hahn. Von Repräsentanz konnte man diesbezüglich dann nicht reden.

Mit den Vorschlägen durch eine Auswahlkommission, zu der unter anderem auch Vertreter der Gemeinderatsfraktionen gehören, und der dann zu erfolgenden Ernennung durch den Gemeinderat habe man übrigens in den vergangenen fünf Jahren sehr gute Erfahrungen gemacht, sagt Hahn. „Es konnte einiges auf den Weg gebracht werden.“ Gesucht werden Experten im Bereich der Integrationsarbeit. Zum einen habe durch das Ernennungsverfahren eine Verjüngung des Gremiums stattgefunden, zum anderen eine Akademisierung, lobt Hahn. „Das Gremium hat eindeutig an Sachverstand gewonnen.“

Beratendes Gremium

Es geht um Beteiligung, um Interessensvertretung, um einen anderen Blickwinkel: Der Integrationsrat ist zwar nur beratend tätig, hat also keine Entscheidungsbefugnis. Und doch gilt seine Einschätzung in Bezug auf Themen im Bereich der Integration. Es geht um Sprachförderung und berufliche Bildung, um Arbeit und Wohnen, um politische Partizipation von Migranten. Und natürlich hoffe man in Zukunft auf noch mehr Gehör, sagen Aleksandra Vohrer, Susanne Stutzmann und Luba van Meersbergen vom Integrationsrat.

Für Sultan Plümicke ist der Integrationsrat nicht weniger als ein Fachexpertengremium. Denn bewerben müssen sich die Kandidaten mit Kompetenzen und Erfahrungen und sich in einem persönlichen Gespräch bei der Auswahlkommission präsentieren. Apropos Bewerbung: Kandidieren kann freilich jeder, auch ohne Migrationshintergrund. Allerdings sollte er Erfahrungen im Bereich der Integration und der Migrantenarbeit mitbringen.

Susanne Stutzmann ist hierfür ein Beispiel. Sie ist bei FERDA, beim Familienforum und an zahlreichen weiteren Stellen in der Stadt engagiert. Seit fünf Jahren hat sie einen Sitz im Integrationsrat. Sie erlebe in ihrem ganzen Alltag die vielfältigen Kulturen in der Stadt als Bereicherung. „Das Thema Teilhabe ist für mich deshalb sehr wichtig.“

„Etwas zurückgeben“

Aleksandra Vohrer, eine der Sprecher des Integrationsrats, bezeichnet ihr Engagement im Integrationsrat ebenfalls als Bereicherung. „Ich konnte auch lernen, wie eine Verwaltung funktioniert.“ Im Integrationsrat engagiere sie sich, weil ihr Demokratie wichtig sei. 40 Prozent der Reutlinger haben einen Migrationshintergrund. Da gehe es auch darum, diese Leute in der Politik zu sehen. Luba van Meersbergen, die ursprünglich aus Russland kommt und ebenfals Sprecherin des Integrationsrats ist, schätzt das konzeptionelle Arbeiten im Gremium und die gute Kooperation mit der Verwaltung. „Die Stadt gibt mir viel und ich möchte durch mein Engagement auch etwas zurückgeben.“

Aus vielen Nationen und Migrationshintergründen besteht der Integrationsrat. Eine wichtige Struktur. Denn Migranten seien eine vollkommen heterogene Menge. „Die Migrationswelt ist absolut vielfältig und man kann sie nicht in einen Topf werfen“, sagt Aleksandra Vohrer. Umso wichtiger sei es, sich im Integrationsrat auszutauschen, zu diskutieren und auch mal andere Meinungen auszuhalten. Susanne Stutzmann wünscht sich, dass in der Stadt die Ressourcen, die Migranten mitbringen, mehr genutzt werden. „Schon allein die vielen unterschiedlichen Sprachen sind ein unglaublicher Schatz.“ Und Luba van Meersbergen sieht es so: „Wir sollten nicht die Unterschiede betonen, sondern die Gemeinsamkeiten finden.“

Integrationsrat: Bis zum 7. März bewerben


Mit dem Slogan „Hinterlassen Sie Spuren“ wirbt die Stadt um Kandidaten für den Integrationsrat. Bewerben kann sich grundsätzlich jeder und zwar bis 7. März beim Amt für Integration und Gleichstellung.

Der Integrationsrat wird für fünf Jahre, also von 2020 bis 2025 ernannt. Er besteht aus dem Oberbürgermeister als Vorsitzendem, aus 14 Mitgliedern und 14 Stellvertretern sowie jeweils einem Mitglied der Gemeinderatsfraktionen. Ernannt wird er vom Gemeinderat, eine Auswahlkommission unterbreitet die Vorschläge.

Am Mittwoch, 5. Februar, um 18.30 Uhr lädt die Stadt zu einer Infoveranstaltung mit Sozial- und Integrationsminister manfred Lucha ins Foyer des Rathauses ein. An diesem Abend gibt es auch ein Podium mit Mitgliedern des aktuellen Integrationsrates.