Reutlingen Integrationslotse betreut Flüchtlinge

Markus Singler ist neue Integrationslotse von Südwestmetall.
Markus Singler ist neue Integrationslotse von Südwestmetall. © Foto: Roland Sigwart
Reutlingen / SWP 29.07.2016
Markus Singler soll als Integrationslotse Unternehmen in der Region unterstützen, die Arbeitsmöglichkeiten für Flüchtlinge anbieten.

Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt kann zu einer echten Win-win-Situation für beide Seiten werden – für die regionale Wirtschaft und die Migranten. Da ist sich Markus Singler sicher. Der 35-jährige studierte Verwaltungswissenschaftler betreut Unternehmen in der Region Reutlingen, die Flüchtlingen Praktika, Ausbildungsstellen oder Arbeitsplätze anbieten wollen. Er ist einer von fünf Integrationslotsen des Arbeitgeberverbands Südwestmetall. Der neue Service richtet sich nicht nur an die Mitglieder von Südwestmetall, sondern an alle Unternehmen, unabhängig von Branche und Größe.

„Es gibt zwei Problemstellungen: Wie schaffen wir es, die Flüchtlinge zu integrieren? Und wie können wir Fachkräfte ausbilden und auch langfristig in den Betrieben halten?“, erläutert Singler, der Erfahrungen aus der Zeitarbeitsvermittlung und der klassischen Personalreferententätigkeit in seine neue Aufgabe mit einbringt. „Integration durch Arbeit ist auf jeden Fall sehr wirksam. Gleichzeitig besteht die Chance, unbesetzte Ausbildungs- und Facharbeiterstellen langfristig besetzen zu können“, sagt er. Denn die Flüchtlinge würden tendenziell nach der Ausbildung auch im Betrieb bleiben und nicht in ein Studium wechseln.

„Hier gibt es ein erhebliches Potenzial zur Fachkräftesicherung, denn zwei Drittel der Flüchtlinge sind im ausbildungsfähigen Alter“, sagt Dr. Jan Vetter, Geschäftsführer der Südwestmetall-Bezirksgruppe Reutlingen. „Nicht zu unterschätzen für die Firmen ist auch die hohe Eigenmotivation der Flüchtlinge.“

„Es haben schon einige Unternehmen bei mir angefragt und mitgeteilt, dass sie Flüchtlingen eine Chance geben wollen“, berichtet Singler. Er begleitet die Unternehmen dann, wenn gewünscht, durch den gesamten Prozess: von der Vermittlung von Flüchtlingen über Informationen zu administrativen und rechtlichen Abläufen bis zur Unterstützung bei der Qualifizierungsplanung und der Entwicklung einer Willkommenskultur am Arbeitsplatz. „Es gibt im Moment eine Vielzahl von Flüchtlingsinitiativen“, so der Lotse. „Die Unternehmen wünschen sich, dass das mehr gebündelt wird und besser organisiert abläuft.“ Der Lotse bietet den Firmen deshalb an, sie nach außen zu vertreten und ihnen die nötigen Informationen gebündelt weiterzuleiten, „damit das Unternehmen nicht fünf verschiedene Ansprechpartner hat und sich dadurch ein Stück weit verzettelt.“ Dabei ist es für ihn wichtig, sich mit den maßgeblichen Akteuren in der Flüchtlingsarbeit zu vernetzen: Die sind insbesondere die Arbeitsagenturen und Jobcenter, aber auch die Landratsämter, Rathäuser, regionalen Initiativen und ehrenamtlichen Helferkreise.

Die Vernetzung ist umso wichtiger, da Singler einen geografisch groß geschnittenen Zuständigkeitsbereich hat. Von Villingen-Schwenningen aus betreut er Unternehmen in einem Gebiet, das vom Bodensee nach Norden bis zur Region Reutlingen und nach Osten bis zum Raum Ulm und der bayerischen Grenze reicht.

Singler kann sich bei seiner Arbeit auch auf andere Flüchtlingsprojekte des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft stützen, deren Projektleiter unter anderem an den Schulen tätig sind. „Dies ist insbesondere wichtig, wenn es um die Frage nach geeigneten Kandidaten für einen Praktikumsplatz im Hinblick auf eine Ausbildungsstelle geht“, sagt er. Hilfreich für seine Arbeit ist auch eine neue Maßnahme des Bildungswerks: die Integrationsqualifizierung Sprache und Beruf (IQSB). Hier werden Sprachkurse mit beruflichen Teilqualifizierungsmaßnahmen in Betrieben verbunden. „Auf diese Weise können Flüchtlinge viel schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden, weil langjährige Sprachkurse nicht vorgeschaltet werden, sondern parallel laufen“, erläutert Singler.

„Wichtig ist auch, zu schauen, wo es schon Aktivitäten von Unternehmen im Flüchtlingsbereich gibt, und sich die dahinterstehenden Konzepte anzuschauen, um weitere Erfahrungen zu sammeln“, erklärt der Integrationslotse. So bietet die Firma Bosch an ihrem Standort in Reutlingen unterschiedliche Praktika für Flüchtlinge an. „Dort sollen die jungen Flüchtlinge den Beruf des Elektronikers, des Mechatronikers und des Mechanikers kennenlernen und sich ein Stück weit ausprobieren können. Bosch hilft so, Flüchtlinge für den Arbeitsmarkt oder eine Ausbildung vorzubereiten“, erklärt Singler. „Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen können erste Erfahrungen zur beruflichen Orientierung sammeln, ohne das konkrete Ziel Ausbildung im Hinterkopf zu haben“, sagt Singler.

„Wenn es darum geht, Arbeitsplätze anzubieten, kann es auch von Vorteil sein, wenn sich mehrere Unternehmen in örtlicher Nähe zu einer Art Allianz für Flüchtlinge zusammenschließen“, erläutert Singler. „Denn dann können sich die Betriebe gegenseitig unterstützen und beispielsweise eine gemeinsame sozialpädagogische Betreuung für Flüchtlinge organisieren.“

Über das Projekt

Das Integrationslotsen-Projekt wird zu 100 Prozent von Südwestmetall finanziert. Markus Singler hat sein Büro in den Räumen der BBQ Berufliche Bildung gGmbH Villingen-Schwenningen in der Gerberstraße 53, ? (0?77?21) 87?86?45?15, Mobil: (0151) 15?97?12?70, E-Mail: singler.markus@biwe-bbq.de).

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