Überraschend hat die IG Metall Reutlingen-Tübingen Ende Juni erfahren, dass das Reutlinger Traditionsunternehmen Institut Dr. Foerster zum 31. Dezember 2020 aus dem Arbeitgeberverband Südwestmetall austreten will. Dies sei den Beschäftigten am 23. Juni per Videobotschaft vom geschäftsführenden Gesellschafter Felix Förster mitgeteilt worden, heißt es in einer Mitteilung der IG Metall. „Unmittelbar danach wurden wir vom Betriebsrat und unseren Mitgliedern kontaktiert“, so die Geschäftsführerin der IG Metall, Tanja Silvana Nitschke. „Dieser Schritt traf uns völlig überraschend. Das Unternehmen hat im Vorfeld zu keinem Zeitpunkt mit uns als Sozialpartner das Gespräch gesucht.“

Deutliche Nachteile für Beschäftigte befürchtet

„Wir haben uns bis heute nicht dazu öffentlich geäußert, da wir zuerst das Gespräch mit der Geschäftsleitung suchen wollten. Bei uns gilt schon immer das Motto: ‚Nicht übereinander reden, sondern zuerst miteinander‘“, so Nitschke. Warum das Unternehmen die Mitgliedschaft beim Arbeitgeberverband gekündigt habe, sei die explizite Frage von Seiten der Ersten Bevollmächtigten und dem zuständigen Gewerkschaftssekretär Ralf Jaster gewesen.  „Das Gespräch mit dem Arbeitgeber am 7. Juli war leider so ernüchternd wie erwartet“, so Jaster. Bereits gegenüber seinen Mitarbeitern hätte der Arbeitgeber den Verbandsaustritt damit begründet, dass er sich durch den Arbeitgeberverband nicht mehr vertreten fühle.  „Laut Aussage des Arbeitgebers ist die wirtschaftliche Situation nicht der Grund. Nun sollen den Beschäftigten neue Arbeitsverträge vorgelegt werden“, so Nitschke. Es werde sich für die Arbeitnehmer aber nichts ändern. Die Tarifbindung wolle man nicht mehr, denn sie bringe dem Unternehmen nichts, so die Aussage von Förster zur IG Metall.

Wohl keine betrieblichen Probleme

„Warum begeht ein Arbeitgeber Tarifflucht, wenn sich doch angeblich für die Beschäftigten nichts ändern soll?“ fragen sich Nitschke und Jaster. Ralf Jaster von der IG Metall bestätigt, dass es keine aktuellen betrieblichen Probleme gibt, die nicht auf Basis der bestehenden Tarifverträge gelöst werden könnten. „Es scheint, dass der Arbeitgeber sich schlichtweg der Tarifverträge entledigen will, um künftig alles alleine und einseitig entscheiden zu können. Wir gehen davon aus, dass dies für die Beschäftigten deutliche Nachteile mit sich bringen wird.“