Mehr als 1000 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft sowie Menschen mit Behinderungen besuchten den Werkstättentag der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für Menschen mit Behinderungen in der Stadthalle. Gut besucht war der Workshop "Ich möchte draußen arbeiten!", bei dem sich Besucher mit und ohne Handicap aus dem ganzen Land über die Möglichkeiten informierten, auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzukommen. Hier gab es Informationen aus erster Hand: drei Menschen mit Behinderung referierten, unterstützt von zwei Mitarbeitern des Projekts "Betriebsintegrierte Arbeit und Bildung" (BiA) der Bruderhaus-Diakonie.

Wie Pingpongbälle flogen die Sätze zwischen den Referenten hin und her: "Ich stelle meinen Arbeitsplatz im Matthäus-Alber-Haus gern vor - das ganze Umfeld ist jobtechnisch sehr normal", erzählt Dimitri Pappamikail. Beim Theaterspielen hat er schon Bühnenerfahrung gesammelt. Deshalb ist es für ihn kein Problem, dem Publikum im vollen Saal seinen Arbeitsplatz an der Pforte bei der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde zu erläutern. Yvonne Heynke, die als Hauswirtschaftshelferin im Kindergarten arbeitet, sagt: "Ich spüre Freude, wenn mich die Kinder umarmen." Und pfeift leise ein paar Takte.

Die beiden Referenten mit Behinderung sind zwar aufgeregt, aber sichtlich stolz, dass sie von ihren Erfahrungen mit dem BiA-Konzept erzählen können. Dimitri Pappamikail hat nicht lange gezögert, als er gefragt wurde, ob er vortragen will. "Es lohnt sich", sagt er, unterstreicht seine Worte mit einer ausholenden Handbewegung. "Ich will arbeiten, wo andere auch arbeiten, Inklusion sollte zum Normalfall werden." Mit Susanne Dörrich und Michael Schröter, BiA-Beauftragte der Bruderhaus-Diakonie-Werkstätten, haben die Teilnehmer ihren Vortrag für den Werkstättentag vorbereitet.

Yvonne Heynke, Dimitri Pappamikail und Sandra Mack berichten selbstbewusst von ihren Erfahrungen. Und sie erzählen vom Wunsch dazuzugehören. Nur bei den Worten Integration und Inklusion muss Hauswirtschaftshelferin Yvonne Heynke zweimal ansetzen. Inklusion ist schwierig auszusprechen - genauso schwierig wie ihre Umsetzung im beruflichen Alltag. Bisher. Weil Inklusion noch nicht überall selbstverständlich ist. Umso eindrucksvoller, dass die Referenten als "Betroffene" selbst das Wort ergreifen, wie ihnen der Weg auf den ersten Arbeitsmarkt gelungen ist.

In den Fragen und Beiträgen der Zuhörer nach dem Vortrag ist immer wieder die Rede von Stolpersteinen, die sie auf dem Weg zu einem passenden Job in einem Betrieb außerhalb von Behindertenwerkstätten überwinden müssen. "Durchhalten", lautet der Rat von BiA-Koordinatorin Susanne Dörrich. So, wie es Sandra Mack vormacht, die kürzlich ihr BiA-Praktikum in einer Tagespflege begann, oder Yvonne Heynke, die aktuell darum kämpft, dass ihr Praktikum als Hauswirtschaftshelferin in einem Kindergarten in eine Dauerarbeitsstelle umgewandelt wird.