Dieses Jahr soll das integrative Groß-Happening noch "mittiger" werden und sich auf die ganze Innenstadt verteilen. Die Bühne dafür sind Plätze und Hinterhöfe, Marktplatz und Bürgerpark, Läden und öffentliche Einrichtungen. Einen bunten und vor Lebensfreude nur so sprühenden Vorgeschmack gab es schon mal bei der feierlichen Eröffnung im tropisch heißen Festivalzelt am ZOB.

Lautstark begrüßten dort die Rhythmusguggen "Elefantis" die Gäste vor dem Zelt und machten deutlich, was das Publikum im Laufe dieser acht Tage erwartet: außergewöhnliche Kulturveranstaltungen mit ganz unterschiedlichen Menschen, die die Grenzen zwischen Normalität und Besonderheit aufweichen sollen und gleichzeitig schöpferische Kräfte und Talente freisetzen. Ein Festival, das mit dem Anspruch antritt, verschiedene künstlerische und kulturelle Ausdrucksweisen von Randgruppen sichtbar zu machen und "jedem die Möglichkeit bietet, seine Stärken zu entdecken", wie Rosemarie Henes vom Mitveranstalter BAFF bei ihrer Begrüßung sagte .

Zahlreiche Vertreter aus Politik, Kultur und Gesellschaft enterten im Anschluss die Bühne, auf der die beiden Gastgeber und Moderatoren, Lothar Bauer von der Bruderhaus-Diakonie und Martin Keller von der Lebenshilfe Reutlingen, den roten Teppich für die Redner auslegten. Jeder von ihnen hatte sich eine Figur vom Festival-Logo ausgesucht, um die Idee, die hinter dem Theaterfestival steckt, aus seiner Sicht zu erklären.

Die Erste Bürgermeisterin Ulrike Hotz berichtete, dass sie mit der lauschenden Figur vom Festival 2005 eine Offenheit für neue Wege verbindet: "Mit zahlreichen Einrichtungen wie dem Runden Tisch für den Nahverkehr oder der Inklusionskonferenz versuchen wir, ein offenes Ohr dafür zu haben, was sich in der Stadt tut und was Menschen mit Behinderung brauchen". Denn, so die Baubürgermeisterin, "Inklusion geht uns alle an".

Schirmherrin Carmen Würth verbindet mit der tanzenden Figur vom Festival 2008 "ein Fest der Fröhlichkeit und Gemeinsamkeit", die sie bei den letzten fünf Ausgaben stets erlebt hat und die sie sich auch für das aktuelle Festival wünscht.

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge beschäftigt sich Martina Hielscher-Fastabend von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg/Reutlingen mit der springenden Figur des Festivals vor drei Jahren. Denn während das Männchen dort "mitten hinein springt in die Stadt", verlässt die Pädagogische Hochschule im Oktober 2015 endgültig Reutlingen in Richtung Ludwigsburg: "Wir gehen nicht gern", sagte die Dekanin der Fakultät Sonderpädagogik, "freuen uns aber auf das Neue, das kommt".

Den berührendsten Beitrag des Abends lieferte im Anschluss der behinderte Schauspieler Seyyah Inal vom Tonne-Theater. Nach einer Gesangseinlage, begleitet von Gitarre und Trompetengeige, schilderte er seine Eindrücke, die ihm zum Festival und zu der zeigenden Figur von 2002 einfallen: Bilder zu kreieren und Schauspiel auf die Bühne zu bringen, bedeutet für ihn wahre Freiheit, "denn dann vergesse ich sogar, dass ich im Rollstuhl sitze". Für die nächsten Tage wünschte er allen Beteiligten und Gästen, "viel Leidenschaft, viel Inspiration und ein unvergessliches Festival".

Zwischen den Wortbeiträgen, die alle in die Gebärdensprache übersetzt wurden, gab es eine Solotanz-Aufführung von Bahattin Güngör, musikalische Beiträge von Seyyah Inal (Gesang) sowie das aktuelle Festivallied, komponiert und präsentiert von talentierten Musikern mit Behinderung und Mitgliedern der Württembergischen Philharmonie (Accompagnato-Ensembles).

Die feierliche Eröffnung endete mit der Einspielung des aktuellen Festival-Videoclips unter der Leitung von Peter Föll und kulinarischen Häppchen für die Gäste, die von den Süßen Frauen des Blaumeister-Ateliers gereicht wurden.