Reutlingen Industriepark als Chance

Entlang der Max-Planck-Straße ziehen sich die ehemaligen Flächen der Firma Betz. Die Stadt will hier einen Industrie- und Gewerbepark verwirklichen.
Entlang der Max-Planck-Straße ziehen sich die ehemaligen Flächen der Firma Betz. Die Stadt will hier einen Industrie- und Gewerbepark verwirklichen. © Foto: Eissler
Reutlingen / Carola Eissler 16.12.2017

Die Industrie soll wieder in die Reutlinger Innenstadt kommen. Vorbei sind die Zeiten, als produzierendes Gewerbe an die Ränder der Städte gedrängt wurden. Die Industrie 4.0 hat einen ganz anderen Charakter. Sie ist emiss­ionslos, baut so genannte Mini-Fabriken auf und ist hoch digitalisiert. Moderne Industrieparks mit gemeinsamen Lernfabriken gehören zum Beispiel dazu. Und genau ein solcher Industriepark soll nach dem Willen der Stadt und aller Fraktionen auf dem ehemaligen Gelände der Spedition Betz im Industriegebiet Laisen entstehen. Vor eineinhalb Jahren hat die Stadt bereits Flächen von rund 6,5 Hektar gekauft, jetzt weitere acht Grundstücke erworben und sich ein Vorkaufsrecht auf zusätzliche Flächen gesichert. Das sind weitere insgesamt 7,7 Hektar. Das Areal an der Max-Planck-Straße ist voll erschlossen, verläuft parallel zur Bahnlinie und hat einen direkten Anschluss an die B 28. Das Areal ist derzeit mit größtenteils leerstehenden Lagerhallen und Logistikgebäuden bebaut.

Peter Wilke, Leiter des Amts für Wirtschaft und Immobilien bei der Stadt Reutlingen, stellte am Donnerstagabend das Konzept eines geplanten Industrie- und Gewerbeparks vor. Digitalisierung der Industrie, die Hinwendung zu Mikro-Industrien, kleine Fabriken mit Arbeitsplätzen für hochqualifizierte Fachkräfte spielen dabei eine besondere Rolle, weil sie zunehmend Gewerbeflächen in Städten suchen. Reutlingen will diese Chance nutzen und entsprechende Industrie mit Technologiefokus anlocken. Die architektonische Anlage eines solchen Industrieparks soll an einen Campus erinnern. Dies passt auch dazu, dass „die Hochschule Reutlingen eine bedeutende Rolle spielen soll“, wie Wilke betonte.

Visionen, die bei den Gemeinderäten aller Fraktionen auf offene Ohren treffen. Helmut Treutlein (SPD) sprach davon, dass es bei dieser Entscheidung um die Zukunft der Stadt gehe, Jürgen Fuchs (FWV) sah darin sogar den „Big Bang für unsere Gewerbeflächenoffensive“. Gabriele Janz (Grüne) verband damit die Hoffnung, dass die Hochschule wieder mehr in die Stadt komme. Elisabeth Hillebrand (CDU) bezeichnete das Areal als „Sahnestück“, das man professionell entwickeln müsse. Jürgen Straub (WiR) mahnte, trotz aller Euphorie ein Auge darauf zu behalten, wer dort einziehe. Und auch Rüdiger Weckmann von den Linken riet, obwohl er der Konzeption einen gewissen Charme zugestand, zur Vorsicht in Sachen Arbeitsbedingungen. Beim Auswahlverfahren, wer bei den Flächen zum Zuge komme, solle deshalb die Gewerkschaft mit einbezogen werden.

Oberbürgermeisterin Barbara Bosch sagte, sie freue sich sehr über den Zuspruch aus dem Rat. Die Flurstücke, die die Stadt bereits aufgekauft hat, werden nun also nicht nach entsprechender Nachfrage vergeben. Vielmehr soll nunmehr eine Gesamtkonzeption entwickelt werden.

Entwicklung des ehemaligen Betz-Areals

Eine Entwicklungs- und Betriebsgesellschaft soll möglicherweise für die Entwicklung und Vermarktung des ehemaligen Betz-Areals gegründet werden. Die Gesamtentwicklung des Areals wird nach Einschätzung der Stadt mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Die Beschlussfassung zum Abbruch der Gebäude auf den bereits gekauften Flächen kann im zweiten Quartal 2018 erfolgen. Bis Ende 2018 könnte ein städtebaulicher Rahmenplan vorliegen.

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