Reutlingen Indisch und weltoffen

Reutlingen / JÜRGEN SPIESS 30.03.2012
Melodisches und Sperriges, Tradition und weltoffene Vielfalt: Bei ihrem Konzert bewegt sich die Gruppe Indira in einer Welt der indischen Musik. Impulsiv und entrückt, aber auch hochvirtuos und abwechslungsreich.

Als der Stuttgarter Schlagzeuger zum wiederholten Mal frotzelnd ankündigt, dass in Kürze der verspätete Klavierspieler auftauche und "für etwas gewöhnlichere Töne sorgt", da besteht - zumindest bei einem Teil des Publikums - noch Hoffnung auf eine leichte Hinwendung zum Jazz.

Doch diese Hoffnung sollte sich beim Gastspiel des Trios Indira schon bald in Luft auflösen. Das Klavier bleibt auch weiterhin unbesetzt, und Fauzia Maria Beg (Gesang und Tanz), Fried Dähn (E-Cello) und Uwe Kühner (Drums, Percussion) begeben sich auf eine exotische Klangreise zwischen Waterphone (Korb aus Metallstäben) und Tontrommel, zwischen thailändischen Gongs, kugeligen Trommel-Amphoren und exotischen Rassel-Instrumenten. Fremdartige, aber auch wunderschöne Klänge.

Die Gruppe, die 2009 den Weltmusik-Wettbewerb "Creole Südwest" gewann, hat sich der klassischen Musik aus Indien verschrieben. Meist ist es Musik, die mit Instrumenten wie einem sechssaitigen E-Cello und einer Batterie metallener Glockenschalen verfremdet wird. Bemerkenswert ist auch der recht tiefe und gequetschte Gesang der aus Bombay stammenden Fauzia Maria Beg. Wie ihre Stimme mal leicht, manchmal auch schleppend, über den Instrumenten schwebt und von deren Tönen mal gestört, mal untermalt wird, hört sich für unsere Ohren ziemlich ungewohnt an.

Die lang gezogenen Töne, die sie melodisch zu verzieren weiß, klingen, als schaue man in ein feines, verschlungenes Ornament. Sie münden gelegentlich in ein Gestotter (im Jazz würde man sagen: Scat), dann stößt sie die auf Hindi gesungenen Silben hervor, als gälte es, sie ein für allemal von sich zu schlagen.

Die Stücke werden zuweilen unterbrochen von kurzen Tanzeinlagen, die Fauzia Maria Beg fußrasselnd in typisch indischem Stil vorträgt. Das Publikum traut sich kaum, Zwischenapplaus zu spenden. Den einzigen bekommen Uwe Kühner und Fried Dähn nach einem rhythmisch geradezu flirrenden Duett.

Während Dähn mal zärtlich, mal rau, zupfend oder mit dem Bogen sein elektronisches Cello bearbeitet, traktiert der aus Stuttgart stammende Perkussionist Kühner seine Becken und Gongs, als wärs das letzte Mal - energisch mit Schlagstöcken, dann wieder anmutig und grazil mit dünnen Stäbchen. Tontrauben prasseln, sphärische Harmonien durchziehen den Raum. Meist ist es die Stimme der barfüßigen Sängerin Fauzia Maria Beg, die das Ganze erdet. So gerät die gut anderthalbstündige Performance zu einem Ineinandergleiten von indischen Melodien und Rhythmen, zu einem musikalischen Ritual mit einem am Ende beeindruckten Publikum.

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