Eningen In die Tiefe der Gesellschaft

Integration durch Sport, insbesondere durch Fußball, wird in Eningen schon seit längerem praktiziert. Jetzt soll sich zusätzlich ein Manager darum kümmern, dass die Geflüchteten in der Gesellschaft ankommen.
Integration durch Sport, insbesondere durch Fußball, wird in Eningen schon seit längerem praktiziert. Jetzt soll sich zusätzlich ein Manager darum kümmern, dass die Geflüchteten in der Gesellschaft ankommen. © Foto: Arhich/Böhm
Eningen / Gabriele Böhm 16.09.2017

Mit zehn Ja-, einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen stimmte der Gemeinderat in seiner Sitzung am Donnerstagabend der Kooperationsvereinbarung zwischen der Gemeinde Eningen und der Pro Juventa gGmbH Reutlingen zu. Inhalt ist die Durchführung des Integrationsmanagements für Geflüchtete in der Anschlussunterbringung.

Wie Bürgermeister Alexander Schweizer erläuterte, seien Unterkunft der Flüchtlinge und die Vermittlung erster Sprachkenntnisse die beiden vordringlichsten Probleme gewesen. „Jetzt geht es um Job und Wohnung und darum, Geflüchteten den bestmöglichen Zugang in die Tiefe der Gesellschaft zu ermöglichen.“ Dazu sei eine kontinuierliche Begleitung, die auch die Ehrenamtlichen bei ihrer Arbeit unterstütze, nötig.

Um die Kommunen in der Anschlussunterbringung der Flüchtlinge zu unterstützen, hat das Land mit den Kommunalen Landesverbänden einen Pakt für Integration geschlossen. Das Land leitet von der jährlichen Integrationspauschale des Bundes in den Jahren 2017 und 2018 jeweils 160 Millionen Euro an die Kommunen weiter. Kernstück des Förderprogramms ist das Integrationsmanagement. Im Gegensatz zu Flüchtlings- und Integrationsbeauftragten, die vor allem für Verwaltungsaufgaben zuständig sind, zielt das Integrationsmanagement vorrangig auf die Einzelfallbetreuung ab. Im Landkreis Reutlingen werden voraussichtlich etwa 23 neue Stellen dafür eingerichtet. Im Gemeinderat diskutiert wurde die Frage, bei welcher Institution der Integrationsmanager auf einer Vollzeitstelle für eine Laufzeit von zwei Jahren angestellt sein sollte. Dies sei, so Albrecht Fausel, Leiter des Haupt- und Ordnungsamts, möglich bei der Gemeinde direkt, bei einem freien Träger oder beim Landratsamt. „Im letzten Fall wäre jedoch die Einwirkung der Kommune geringer.“ Fausel befürwortete daher eine Anstellung bei Pro Juventa, bei der dann Dienst- und Fachaufsicht liege.

„Wir machen seit Jahren sehr gute Erfahrungen mit der Jugendhilfegesellschaft. Hier wäre der Integrationsmanager eingebunden und bekäme die geeignete fachliche Unterstützung.“ Die Mehrkosten für die Kommune seien auch ein Mehrwert. Die Gesamtinvestition beträgt 80 000 Euro, von denen die Gemeinde dann 15 000 Euro trägt.

Gemeinderat Dr. Joachim Sabieraj sprach sich gegen den Kooperationsvertrag aus und forderte alleinige Weisungsberechtigung der Kommune. Ferner sei der Kooperationsvertrag nicht detailliert genug abgefasst. Schweizer entgegnete, man befinde sich in einem Prozess und könne die Aufgaben des Integrationsmanagers noch gar nicht im Einzelnen festlegen. Zur Frage von Gemeinderat Eckhard Hennenlotter, ob man diese Stelle überhaupt brauche, verwies Schweizer auf die „gesetzliche und moralische Verpflichtung, die Stelle zu besetzen und die Integration voranzubringen“. Dr. Barbara Dürr ergänzte, mit Ehrenamtlichen allein sei die Betreuung von Flüchtlingen nicht zu schaffen. „Eine gelungene Integration dauert im Schnitt fünf Jahre.“ Aufgrund der Wege und der Hemmschwelle, die möglicherweise das Rathaus für die Flüchtlinge darstelle, wurde auf das Asylcafé als möglicher Sitz einer zentralen Betreuungsstelle verwiesen.

Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung fand die Wahl des Integrationsmanagers statt.