Neun Keller und neun überaus kreative Künstler: Die wechselten am Samstag sogar in die Gewölbe der jeweils anderen Kunstschaffenden, hatten sich bestens mit deren Werken vertraut gemacht. Denn sie sollten den Besuchern dann ja auch fachkundig über die Exponate informieren können. Und in einem der privaten Keller stellte auch der Geschichts- und Heimatverein Lichtenstein aus, eine Premiere. Es ging um das spannende Thema des Konservierens von Lebensmitteln in Zeiten ohne Kühlschrank oder Gefriertruhe.

Das "unterirdische" Kunst-Happening, alle zwei Jahre gibt's eine Neuauflage, hat sich mittlerweile landesweit herumgesprochen. Und diesmal war Serge le Goff aus Tübingen Kurator einer Schau, die federführend von der Honauerin Jutta Kraak organisiert wird.

Hinzu kommen schon im Vorfeld stets zahlreiche Helfer - sowie Kunstschaffende, die auch über dem Erdboden ihre Werke präsentieren. So waren im Seniorenzentrum Marta Maria und an anderen Orten in Honau erneut Skulpturen, so von Klaus Dieterich zu sehen. Otto Wurst zeigte dort seine Fotografien, im Café gab es derweil eine eigens kreierte "Honauer Tuffsteintorte".

Mit den - zumeist privaten - Kellern ist es aber so eine Sache: Menschen mit Handicaps kommen oft schlecht die engen Stufen hinunter. Und so gab es erneut einen "virtuellen Rundgang" im Haus Marta Maria, wo jeder Künstler in Dias vorgestellt wurde - samt einer Auswahl der Exponate.

Serge le Goff selbst hatte den Keller im Pfarrhaus in Beschlag genommen, wo sich der Franzose aus Tübingen mit einem Wort des Heiligen Thomas auseinandersetzte: "Ich glaube, was ich sehe." Le Goff war es dann auch, der am Freitag zur Eröffnung zwar zumeist Französisch sprach, aber dann auf Schwäbisch die Leute aufforderte: "So, jetzt isch g'nug g'schwätzt, jetzt aber ab in die Keller!"

Dort trafen die Besucher dann zum Beispiel auf Anke Zapf-Vaknin, die in der Heerstraße mit einer Installation aufwartete, vor die ein dünnes Gitter mit dort befestigten Diapositiven drapiert war. Sie wurde am Samstag beim "Tag der Versetzung", dem Bäumchen-wechsle-Dich der Künstler, unter anderem von Jan Groeneveld vertreten wurde, der dort den Besuchern Zapf-Vaknins Installation erläuterte. Möglich war dies nur deshalb, weil bereits im Vorfeld sich alle Künstler gegenseitig besucht hatten, und so in den Ateliers der anderen viel über deren Honauer Werke gebrieft worden waren. Dabei lernten sie auch jede Menge über die Arbeitsweise der Kollegen. Die Künstler wechselten am Samstag sogar stündlich die Orte zwischen der Olgahöhle und dem Freibadkeller. Ob Björn Voigt, Ruth Stützle Kaiser, Elke Karnik, Gabriele Eberspächer oder Robin Broadfoot: Alle waren sie so an dem verregneten Samstag ständig unterwegs.

Für den Kurator der Schau hat dieses Experiment sehr gut funktioniert: "Die Besucher stellten auch viele Fragen - und sie waren beeindruckt von der künstlerischen Vielfalt in den Honauer Kellern," lobte Serge le Goff.

Oben in den Straßen gab es an den drei Tagen "Kunst an der Kirche" - mit gleich zwei Projekten von Asylsuchenden. Auch war Livemusik angesagt. Am Treffen Kunst in der alten Schreinerei Werz trafen sich Birgit Hartstein, Sabine Heid und Peter Häußler. Kulinarisch waren vertreten französische Schnecken und elsässischer Flammkuchen. Im alten Feuerwehrhaus standen viele Honauer Frauen und Männer hinter der Theke, um für Gegrilltes zu sorgen. Auch Pfarrer Martin Bauspieß ließ es sich nicht nehmen, in der Küche mitzumachen.

Die Kunst in der Provinz lebte so erneut auf, und fast alle der 1000 Einwohner Honaus waren bei diesem Happening auf den Beinen.