Tradition In der Mühlenstube klappern die Becher

Nicht nur beim Pfullinger Albverein wurde am Freitagabend um die leckeren Sterne gewürfelt.
Nicht nur beim Pfullinger Albverein wurde am Freitagabend um die leckeren Sterne gewürfelt. © Foto: Jürgen Herdin
Pfullingen / Jürgen Herdin 08.01.2018

Am Abend vor dem Dreikönigstag wird in der Echazstadt gewürfelt. Dort geht es nicht um „Mutscheln“, sondern um „Sterne“. Die haben nach Ansicht von Traditionalisten auch nicht acht Ausprägungen, also  „Zacken“ oder „Zehen“, sondern deren sieben.

Für die Bäcker der goldgelben Meisterwerke bedeutet das freilich Handarbeit, die Asymmetrie erfordert einen nicht unbeträchtlichen Mehraufwand. Die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins Pfullingen jedenfalls steht auf die Siebener und hatte für ihr Sternpaschen in der Mühlenstube gleich 25 Stück davon geordert. „Und einen ‚König‘, den großen Stern, wollten wir natürlich auch haben, der wiegt so um die 750 Gramm“, weiß Doris Sautter.

Die Vereinsvorsitzende konnte zusammen mit ihrer Stellvertreterin Nicole Weiß am Freitagabend 30 spielfreudige Albvereinler begrüßen. Zuvor war Sautter noch in den Keller der Baumann‘schen Mühle gegangen, um zu schauen, ob nicht die Echaz dem Treffen womöglich einen Strich durch die Rechnung machen würde. Doch obwohl der Fluss bereits einen sehr hohen Wasserstand hatte, war das Sternpaschen nicht in Gefahr.

So kauften sich die Leute ihre Sterne als Einsatz fürs so spannende Würfelspiel, bei dem jeder Teilnehmer seine ganz speziellen Vorlieben hat: Die traditionelle „große“ und die „kleine Hausnummer“ sind weiterhin ebenso beliebt wie „der Wächter bläst vom Turm“, oder das „Nackete Luisle“. Die ist absolut jugendfrei, beschreibt das sukzessive Schreiben und Löschen der Zahlen von Eins bis Zehn – je nach Erhalt der jeweiligen Augenzahl auf den drei Würfeln. Und so war das in der ganzen Stadt: Um die Sterne ging es am Tag vor dem Öbersten zum Beispiel auch beim Männergesangverein Eintracht, beim Spielmanns- und Schalmeienzug, beim Musikverein Stadtkapelle und beim Trachtenverein Echaztaler - nicht zu vergessen die zahlreichen privaten Runden, die im Vorfeld ebenfalls für Arbeit, respektive Umsatz bei den Bäckereien gesorgt hatten.

Kaspar, Balthasar und Melchior, die drei Weisen aus dem Morgenland warteten bereits auf ihr Erscheinen, als der Schwäbische Albverein bis in den späten Abend würfelte, wobei andere noch hinwarten müssen. „Bei uns ist die Familiengruppe erst am 14. Januar an der Reihe – und die backt ihre Sterne an diesem Tag selbst“, erläuterte Doris Sautter.

Herbert Braun darf sogar zweimal ran. der 75-Jährige ist Vorsitzender der Seniorengruppe des Schwäbischen Albvereins, warf fröhlich schon am Freitag mit. Und am Donnerstag, 11. Januar, sind er und höheren Semester auch wieder von der Partie, wenn die Älteren ihre eigenen Spiele ums leckere Mürbteig-Gebäck machen.

Erst klappert es rhythmisch im Becher aus Leder, es folgt ein lautes „Klack“, wenn die „Ernte“ schwungvoll auf dem Tisch ausgebracht wird. Daraufhin folgen laute „Oh“- und „Ah“-Rufe, je nachdem, wie viele Augen da zusammengekommen sind. Gutes und schnelles Kopfrechnen sind bei den Protokollanten Pflicht, denn die Würfel machen so schnell ihrer Runde, dass der Kopf ordentlich ins Rauchen kommt.

Die Stimmung in der Mühlenstube war wie immer ausgelassen, „und das Treffen ist bei uns auch so etwas wie der Neujahrsempfang“, sagte die Vereinsvorsitzende. Daher hatten Doris Sautter und das Bewirtungsteam dafür gesorgt, dass es zu Beginn Sekt für alle gab. Einige der nahrhaften Sterne wurden schon am Tisch verzehrt. Und die Gewinner des Würfelns nahmen sie – natürlich ganz unversehrt - als Frühstück für den Dreikönigstag mit nach Hause.

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