Am 22.November 2011 übergab das Reutlinger Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 im Reutlinger Rathaus Filderkrautköpfe für OB Bosch, um damit vor der Volksabstimmung aufmerksam zu machen auf die leeren Versprechungen der S21-Befürworter: Das "bestgeplante Bahnprojekt Europas" werde den Reutlingern traumhafte Bahnverbindungen bis nach Bratislava bescheren. Die Filderkrautköpfe sollten einerseits an die Planungsinkompetenz der Deutschen Bahn erinnern, die es seit 2002 (!) nicht geschafft hatte, einen die Vorprüfung überstehenden Plan für Filderstrecke, Flughafenbahnhof und Anschlüsse vorzulegen. Andererseits an die Tatsache, dass weitere wertvolle Ackerböden und Naturräume für ein Bahnprojekt geopfert werden, das Milliarden verschlingen und nur mangelhafte Leistungen erbringen wird.

Nichts geändert hat sich an der Aktualität dieser Probleme und der Notwendigkeit, Filderkrautköpfe an die Zuständigen zu überreichen. Einen solchen hat sich vor allem Georg Brunnhuber verdient. Er ist der neue Vorsitzende des Vereins Stuttgart 21, nun für Öffentlichkeitsarbeit für das Projekt zuständig, ausgestattet mit einem Etat von über einer halben Million Euro aus Steuergeldern. In einem Interview sprach er am 16. April über die Vorteile des Bahnprojekts, speziell für Reutlingen: Mit S 21 erreiche man Stuttgart Hauptbahnhof in 25 Minuten, heute seien es 73 Minuten. Fakt ist: Die Bahn nennt für S 21 selbst 34 Minuten. Und wir erreichen heute den Hbf mit dem IRE in 34 Minuten, mit dem RE in 50 Minuten.

Weiter: Man werde eine Bahnverbindung "im Halbstundentakt anbieten. Voraussetzung ist, dass die Landesregierung das bestellt und bezahlt". Fakt ist: Auch heute haben wir große Zeitfenster, in denen die REs halbstündig verkehren, ergänzt durch IREs im Zweistundentakt und Regionalbahnen. Erweiterungen wären auch heute möglich, vorausgesetzt "die Landesregierung bestellt und bezahlt". Es bleibt sein Geheimnis, wo die Waggons für diese Züge herkommen sollen: Schon jetzt ist die Mehrzahl der Wagen im Regionalverkehr schrottreif, die Bahn lässt sie bis zum natürlichen Zerfall laufen.

Nichts geändert hat sich an der Problematik der Wendlinger Kurve. Dieses Thema spielt Brunnhuber herunter, und weist darauf hin, dass für die Finanzierung einer besseren Lösung (zweigleisig) keineswegs die Bahn zuständig sei. Fakt ist: Die eingleisige Variante ist beschlossen, das Vergabeverfahren läuft. Dieser Engpass, an dem die Züge von Reutlingen nach Stuttgart ein Stück auf dem Gegengleis zurücklegen müssen, um erst später auf das eigentliche Fahrtrichtungsgleis zu wechseln, wird den versprochenen Halbstundentakt massiv beeinträchtigen. Dass das Gegenstück, die Überleitung der Güterzüge vom Neckartal auf die Neubaustrecke Richtung Ulm, erst kürzlich durch eine Planänderung modifiziert wurde, verschärft den Engpass für alle Bahnen: Die Güterzüge werden ab Wendlingen acht Kilometer (!) auf dem Gegengleis Richtung Ulm unterwegs sein.

Nichts geändert hat sich an der Brisanz der Probleme im Bereich des Flughafens: Man hat nun das "dritte Gleis" aus dem Hut gezaubert, auf dem die Gäubahn im erweiterten S-Bahnhof verkehren soll. DB-Infrastrukturvorstand Kefer sprach von einem "Konzept zur betrieblichen Optimierung". Fakt ist: Das dritte Gleis muss im eingleisigen, störanfälligen Gegenverkehrsbetrieb gefahren werden. Es bleiben erhalten: der verspätungsträchtige Mischverkehr mit der S-Bahn und der problematische Fernbahnhof. Es wird ein neues Planänderungsverfahren geben und damit Zeitverzug und Mehrkosten. Fazit: Eher kommt in Stuttgart ein Pottwal durch den Nesenbachdüker als wir mit einem S 21-Zug zum Flughafen!