Seit April gelten nun alle Teile des "Neuen Jagdgesetzes" von Baden-Württemberg, das durch "Grün-Rot" geschneidert und in Kraft gesetzt wurde. Demokratisch sollte es werden und anpassungsfähig für veränderliche Lebensbedingungen der Wildtiere. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, machte das Ministerium für Ländlichen Raum ein Jagd-und Wildtiermanagement Gesetz (JWMG). Wie der Name signalisiert, bedeutet dies den Abschied von der Alleinverantwortlichkeit der Jäger hin zur real existierenden gesellschaftlichen Vielfalt. Der ministerielle Entwurf wurde mit den Parteien, den Jägern, den Bauern, den Gemeinden, den Natur- und Tierschützern und auch mit dem Ökologischen Jagdverein diskutiert und abgestimmt. Unter anderem gegen den Widerstand von CDU, FDP und Landesjagdverband. Nach einem sehr langen und mühsamen Abstimmungsprozess sind die Jäger jetzt in ein Management eingebunden! Das heißt, sie sind Teil eines "Betriebs", der von "Chefetagen" aus gelenkt wird. Die Jäger werden nun mit weiteren Regeln konfrontiert und mit auszuführenden Arbeiten beauftragt. Von wem? Von der "Geschäftsleitung", sprich von dem für ihren Bereich zuständigen Ministerium. Das wiederum erhielt seinen Auftrag durch das Parlament und dieses letztlich durch den Wähler, also durch die Bürger. Somit ist Jagd Bürgersache geworden! Oder anders: Der Staat hat die Jagd übernommen.

Zur Erläuterung greife ich einige Beispiele heraus: Kernpunkt des Gesetzes ist das sogenannte Schalenmodell mit ihm werden die Wildtiere in drei Gruppen, in so genannten Management-Stufen gelistet.

1. Im Nutzungs-Management stehen Wildtiere, deren Bestand nicht gefährdet ist. Sie können und müssen bejagt werden, zum Beispiel Wildschwein, Reh und Fuchs.

2. Im Entwicklungs-Management stehen Wildtiere, deren Bestand gering, also teilweise gefährdet ist. In vielen Gegenden Baden-Württembergs betrifft dies Feldhase und das Rebhuhn. Sie dürfen bejagt werden, wenn sie örtlich genügend vorhanden sind. Ob und wie lange das der Fall ist, muss aber sorgfältig beobachtet werden.

3. Im Schutz-Management stehen Wildtiere, deren Bestand in ganz Baden-Württemberg gefährdet ist, nämlich Auerhuhn und Birkhuhn.

Die "Geschäftsleitung" des JWMGes kann nun Wildtiere in den einzelnen Stufen nach oben oder unten verschieben, je nach deren Bestandsentwicklung. Damit das nicht am grünen Tisch passiert, wird die Wildtierforschungsstelle in Aulendorf befragt, oder sie empfiehlt eine Verschiebung. Dazu kommt jetzt eine staatlich verordnete Arbeit für die Jäger: Sie müssen - was sie bisher teils schon freiwillig taten - bei den Wildtierzählungen und -beobachtungen mithelfen. Zur Bürgerbeteiligung, respektive zur staatlichen Lenkung gehört auch ein dafür geschaffenes Instrument: Die Beiräte. Sie setzen sich exakt aus den bei der "Geburt" des JWMGes beteiligten bürgerlichen Interessengruppen zusammen. Sie beraten das Ministerium zum Beispiel bei Verschiebungen in den Managementstufen. Solche Beiräte werden auch aus den gleichen bürgerlichen Interessengruppen wie auf Landesebene auf der Kreisebene geschaffen. Sie befassen sich mit eventuellen Änderungen im Betretungsrecht von Jagdrevieren, mit den Grundsätzen einer Zielvereinbarung der Jagdpächter mit dem Verpächter oder mit der Ausweisung von Wildruhezonen.

Wildtiere dürfen ab 1. April 2016 nicht mehr mit bleihaltigen Geschossen erlegt werden. Und für viele Bürger ganz wichtig:. Wildernde Hunde und Katzen dürfen nur mit schriftlicher Erlaubnis der Ortspolizeibehörde erlegt werden, und dies nur, wenn zuvor alle Versuche einer gütlichen Einigung erfolglos waren.