Pfullingen Im Süden viel Neues

EVELYN RUPPRECHT 05.12.2015
Der Pfullinger Süden wächst. Und wächst. Und wächst. Die Überplanung des Thomasareals ist da nur ein Baustein von Vieren - neben dem Wohngebiet Mauer-Weil, dem Böhmler-Vorhaben und "Unter den Wegen".

Noch vor gut zehn Jahren endete die Stadt zur Stuhlsteige hin auf Höhe des Böhmler-Hochhauses. Sieht man mal ab vom seit Jahrzehnten bebauten Ahlsberg waren links und rechts der L 382 nur Wiesen und Gütle, Pferdeweiden und Ackerland zu finden - bis im Jahr 2006 der erste Baggerbiss zum Wohngebiet "Mauer-Weil III" getan wurde.

64 Grundstücke auf einer Fläche von drei Hektar waren jedoch erst der Anfang. Mauer-Weil I folgte mit 3,5 Hektar Fläche und 44 Bauplätzen, zu Abschnitt II wurde der erste Spatenstich im November 2014 getan. Die 39 Grundstücke in dem 2,7 Hektar großen Gebiet sind mittlerweile fast komplett bebaut. Weshalb es schon Pläne für einen vierten Bauabschnitt gibt.

Die Anhöhe gleich neben dem Ahlsberg ist inzwischen dicht besiedelt - so dicht, dass auch die Verkehrs-Infrastruktur angepasst werden musste. Um zu den neuen Häusern zu gelangen, wurde Mitte 2011 ein Kreisverkehr eröffnet, der nicht nur die Straßen - ortsauswärts gesehen - links der Stuhlsteige erschließt, sondern nun auch das Gewerbegebiet, das rechts davon entsteht.

"Unter den Wegen" heißt es und wird seit Ende Mai erschlossen. Die 14 Bauplätze waren fast genauso schnell vergeben wie die meisten Grundstücke im gegenüberliegenden Wohngebiet. 22 000 Quadratmeter groß ist das Areal, auf dem die Firmen - fast alles ortsansässige Betriebe - ab dem Frühjahr 2016 bauen können. Weil es in Pfullingen noch immer genügend Firmen gibt, die sich weiter ausdehnen möchten, ist schon jetzt ein zweiter Bauabschnitt mit weiteren 1,5 Hektar Fläche vorgesehen.

All die baulichen Aktivitäten und die Bevölkerungszunahme im Süden der Stadt haben derweil auch Rewe auf den Plan gerufen. Der Handelskonzern hat errechnet, dass im direkten Umkreis von 500 Metern an der Stuhlsteige gut 2500 Menschen leben. Alles potenzielle Kunden für einen Verbrauchermarkt mit Wurst- und Fleischabteilung. Und nicht nur diese Klientel dürfte der Konzern im Blick haben, sondern auch all jene Autofahrer, die täglich über die Stuhlsteige von der Alb ins Tal und abends wieder retour unterwegs sind.

Rewe stellt seine 1600 Quadratmeter große Verkaufsfläche und die fast 80 Parkplätze freilich in einen weiteren baulichen Kontext: Denn auf dem Thomasareal, das zwischen der Landes-, der Schwab- und der Jahnstraße entstehen soll, wird auch die Baugenossenschaft Pfullingen (BG) aktiv. 40 Wohnungen plant sie hier, 20 der Einheiten sind für den sozialen Wohnungsbau vorgesehen, der in Pfullingen seit Längerem schwächelt. In einem Jahr schon könnte die BG hier auf die Baustelle gehen - so der Regionalverband, der derzeit noch Vorbehalte hat, der Genossenschaft keine Steine in den Weg legt.

Bliebe noch Vorhaben Nummer vier, das den Pfullinger Süden und vor allem die Ortseingangssituation aus Richtung Gönningen künftig erheblich verändern könnte. Als ein "Meilenstein der Stadtentwicklung" wurde die geplante Umgestaltung des Böhmler-Areals im Gemeinderat bezeichnet, als es darum ging, den Bebauungsplan auszulegen. Seit die Strickmodenfirma Böhmler vor gut 30 Jahren den Betrieb eingestellt hat, sind die Fächerbauten und das Hochhaus an der Ecke Stuhlsteige/Gönninger Straße zu einem Gewerbepark geworden. Um das 1,1 Hektar große Gelände neu zu nutzen und vor allem optisch ansprechender zu gestalten, haben die Eigentümer im Jahr 2012 einen Immobilienentwickler mit der Auslotung neuer Möglichkeiten beauftragt. Das Ergebnis: Es soll eine Mischbebauung entstehen, in der sowohl Wohnen als auch Arbeiten berücksichtigt ist. Teile der Fächerbauten sollen neuen Häusern weichen. Außerdem haben die Planer vor gut sechs Wochen nachgelegt: Auch das Hochhaus, das ursprünglich erhalten bleiben sollte, wird abgerissen.

Der Pfullinger Süden - er stellt auf lange Sicht für die Stadt die einzige Möglichkeit dar, sich auszudehnen, weil die räumliche Entwicklung sowohl in Richtung Reutlingen als auch in Richtung Ursula- und Georgenberg nicht mehr wirklich viel hergibt. Man darf also gespannt sein, wie das Gebiet rund um die Stuhlsteige in zwei bis drei Jahren aussieht - und vor allem, wie es danach weitergeht.