Tübingen Im Land der kreativen Tüftler

Anton Hunger, in Dettingen aufgewachsen, stellt sein neu aufgelegtes und bearbeitetes Buch vor: „Gebrauchsanweisung für Schwaben“.
Anton Hunger, in Dettingen aufgewachsen, stellt sein neu aufgelegtes und bearbeitetes Buch vor: „Gebrauchsanweisung für Schwaben“. © Foto: Jürgen Spiess
Tübingen / JÜRGEN SPIESS 23.07.2016
Anton Hunger im Tübinger Presseclub: Der Dettinger Autor liefert in der Neuauflage seines Buchklassikers eine „Gebrauchsanweisung für Schwaben“.

Wie hat sich das Ländle durch die Wahl des bundesweit ersten grünen Ministerpräsidenten verändert? Warum sollten sich die Finanzmärkte an der schwäbischen Hausfrau orientieren? Und stimmen die Klischees über Schwaben wirklich mit der Realität überein? Mit diesen Fragen haben sich sowohl Schwaben als auch Nichtschwaben beschäftigt.

So auch zum bereits dritten Mal der in Dettingen aufgewachsene Journalist und ehemalige PR-Chef von Porsche. In seinem neu aufgelegten und überarbeiteten Buch „Gebrauchsanweisung für Schwaben“ gibt Anton Hunger humorvolle und zum Teil beißend-entlarvende Einblicke in das, was diesen Volksstamm ausmacht.

Gleichzeitig räumt er mit so manchem Vorurteil auf. Obwohl der langjährige, in Stuttgart täige Wirtschaftsjournalist viel in der Welt herumgekommen ist und seit Jahren als freier Autor am Starnberger See lebt, weiß er, wovon er spricht. Nach wie vor hat er die meisten Freunde im Ländle. Und fühlt sich selbst als Schwabe durch und durch: „Meine Landsleute pflegen ihren Nationalstolz ähnlich wie die Bayern“, berichtet der Autor, „nur weniger aufgebrezelt und selbstbewusst“.

Anton Hunger kam mit zwei Jahren von Bayern nach Dettingen an der Erms und ist dort aufgewachsen. Er absolvierte zunächst eine Schriftsetzerlehre und ein Volontariat bei der Südwest Presse Metzingen, bevor er an den Universitäten Tübingen und Regensburg Volkswirtschaft, Politikwissenschaft und Soziologie studierte. Während dieser Zeit saß er auch im Dettinger Bezirksgemeinderat: „Das war eine tolle Erfahrung, ich hatte damals das Gefühl, die Weltrevolution von Dettingen aus ausrufen zu können“, erzählt Hunger beim Tübinger Presseclub im SWR-Studio.

Ebenfalls in diese Zeit fiel seine Begegnung mit dem Südwest Presse-Redakteur Walter Schreckenbach, der einige Jahre die Redaktion des Ermstalbote leitete: „Er war es, der mich auf das Thema Schwaben gestoßen hat.“

Trotzdem war er nach dem Studium in Tübingen erstmal 16 Jahre als Wirtschaftsjournalist bei der „Stuttgarter Zeitung“ und dem Münchner Industriemagazin tätig. Von 1992 bis 2009 leitete er die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Sportwagenherstellers Porsche.

Für sein gerade in der dritten Auflage erschienenes Buch hat er intensiv nach den Wurzeln des schwäbischen Charakters geforscht und viele der Klischees, die über die Schwaben verbreitet werden und die den Volksstamm vordergründig nicht gerade liebenswürdig erscheinen lassen, hinterfragt. Das wesentliche Identitätsmerkmal sei ihre Sprache, ihr Dialekt, der sie auch außerhalb der regionalen Grenzen eindeutig identifiziert.

Sind es tatsächlich nur Vorurteile, dass Schwaben bruddelig, etwas grob, geizig und maulfaul seien? Hunger nennt sie lieber sparsam und pragmatisch. So wie die Bundeskanzlerin, die in einer Metapher die schwäbische Hausfrau zum Synonym für Sparsamkeit machte, „was sich sogar im internationalen Sprachgebrauch durchgesetzt hat“.

Oder Hunger sucht nach einer Erklärung, weshalb es ausgerechnet im schwarzen Württemberg ein Grüner zum Ministerpräsidenten brachte und wie sich dadurch die Außenansicht auf die Schwaben verändert hat. Aber der Autor belässt es nicht beim Philosophieren. Er unterlegt seine Erkenntnisse mit der Beschreibung von gefeierten Sterneköchen, prämierten Rotweinen und kreativen Tüftlern.

Und selbstverständlich dechiffriert er auch die rebellische Natur der Schwaben. Dabei sind ihm nicht nur humorvolle Einblicke in das gelungen, was das Schwabentum ausmacht, er stellt auch klar, dass einige Vorurteile sehr wohl mit der Realität übereinstimmen.

 

Lesung Für langfristige Planer: Anton Hunger liest am 21. Oktober, 19.30 Uhr, in der VHS Reutlingen aus seinem neuen Buch.

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