Reutlingen Humorvoll auch mit 103 Jahren

Blumen und Wein gab es für den schlagfertigen Jubilar von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch.
Blumen und Wein gab es für den schlagfertigen Jubilar von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. © Foto: Patricia Kozjek
Reutlingen / PATRICIA KOZJEK 09.01.2015
Derzeit ist er der älteste Mann Reutlingens. Geboren wurde er im Januar 1912 in der Albstraße. Bestens aufgelegt feierte Karl Maier am Donnerstag seinen 103. Geburtstag zuhause im Kreis seiner Familie.

Der Besuch von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch, die ihm Wein und einen dicken Blumenstrauß mitbrachte, sei ihm eine Ehre, wie er gleich zu Beginn bemerkt. "Ich bin halt doch stadtbekannt", lacht der Mann, dem der Humor auch mit 103 Jahren nicht abhanden gekommen ist, wie es scheint. "Ihr Beruf ist wertbeständiger, nicht so saisonbedingt, wie es meiner war", erklärt er der "Frau Oberbürgermeisterin" sogleich. "Im Sommer keinen Mann, im Winter kein Geld", habe früher für manche Handwerker-Ehefrau gegolten, erklärt der betagte Mann, der das Baugeschäft einst von seinem Vater übernahm. "Wir mussten sparen und hatten kein Geld für Urlaub. Urlaub war erst mit 65 Jahren möglich. Jetzt hätte ich Zeit, aber nun tut der Körper nicht mehr mit", bedauert der geistig fitte Mann.

Auf die Frage von Barbara Bosch, wie es ihm denn ansonsten gesundheitlich ginge, antwortet er spontan: "Wäre die Wasserleitung besser, ging's mir auch besser." Schmunzeln am Tisch. "Im Alter hat die Blase scheinbar kein Fassungsvermögen mehr, während das mit 20 und der Halben noch kein Problem war." Sein Körper sei "abgeschafft", sagt Maier, der ein Leben lang körperlich hart gearbeitet hat. Bereits mit 13 Jahren begann er seine Lehre als "Pflästerer" im Straßenbau. Genauso wie sein Vater. Der Großvater, der den Betrieb einst gegründet hatte, pflasterte vor langer Zeit die Wilhelmstraße mit 5000 Quadratmetern Pflastersteinen, erzählt der zweifache Vater der Oberbürgermeisterin stolz.

Dass er ein Leben lang gut mit Zahlen umgehen konnte, könnte ein Rezept dafür sein, dass er geistig so rüstig geblieben ist, vermuten auch die Besucher am Tisch. "Mich bescheißt keiner so schnell, ich weiß, wie der Hase läuft", erklärt der gut informierte Jubilar, der täglich die Tageszeitung studiert, selbstbewusst am Tisch - und keiner zweifelt daran. Schließlich fährt der 103-Jährige auch noch Auto. Zwar nur (kurze) Strecken, die er kennt und nur wenn's hell ist, aber immerhin täglich zum Mittagessen in die KBF.

Vor ein paar Jahren hielt ihn die Polizei an, lacht er. "Ich kam gerade von einer Geburtstagsfeier und musste das erste Mal in meinem Leben blasen, obwohl ich gar keinen Alkohol getrunken hatte." Deshalb wies er die Polizisten alsbald auch zurecht: "Wenn ihr hier noch länger braucht, müsst ihr mich doch noch heimfahren, weil's bald dunkel ist."

Wie lange die OB denn nun schon in Reutlingen sei, will er von Barbara Bosch wissen. "Zwölf Jahre", antwortet das Stadtoberhaupt ihm. "Ja, dann gehen Sie bald?", fragt Maier prompt. Reihum Gelächter. "Gehen Sie nur bald in Rente, dann haben Sie was davon", lautet sein lebenserfahrener Ratschlag. 1970 übergab er das Baugeschäft seinen Zwillings-Söhnen Karl und Walter. Sie werden in diesem Jahr 77 Jahre alt. "Eine Schwester (von drei Geschwistern) lebt noch, sie ist 93 Jahre und wird heute wohl auch zum Feiern kommen", verrät er. Sechs Urenkel und drei Enkel hat Karl Maier, seine Frau Babette Berta, geborene Zeller, heiratete er im August 1937 in Reutlingen. Im Januar 1994 verstarb sie. Was ihn aber zum Schluss dann doch noch interessiert: "Gibt es als Nächstes vielleicht bald die Luftsteuer?", fragt er Bosch geradeheraus.

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