Der Mann gilt als Erfinder des Desert-Rock. Schon 1980, als Josh Homme noch die Schulbank drückte, und in einer Wüste etliche Meilen südöstlich der späteren Gründung von Queens of the Stone Age, rief Howe Gelb die erste Inkarnation von Giant Sand ins Leben. Nun ist der 63-jährige Sänger, Songwriter, Keyboarder und Gitarrist das letzte Mal mit seiner Band unterwegs.

Giant Sand zu Grabe tragen

Im Bus zwischen Ulm und Zürich erzählt er, weshalb. Die im November gestartete Tour führt das Trio mit seiner Tochter Patsy als Aufwärmer nach Reutlingen, bevor Gelb seine Alternative-Country-Institution zum Fest in seiner Geburtsstadt Tucson/Arizona endgültig zu Grabe tragen will.

Waren Sie schon mal in Reutlingen?

Howe Gelb: Eine Million Mal.

Kleiner Ort im Nirgendwo

Wie finden Sie die Stadt?

Es ist ein schöner kleiner Ort mitten im Nirgendwo. Oder?

Trotzdem kommen Sie nun zum letzten Mal dorthin, zumindest mit Giant Sand. Stimmt es, dass Sie die Band nach dieser Tour auflösen?

Ja. Das stimmt.

Auflösung diesmal endgültig – oder?

Vor zwei Jahren haben Sie etwas Ähnliches gesagt, und nach einer Solo-Klavier-Platte schließlich die Gruppe doch nochmal neu formiert. Ist dies nun endgültig?

Jaaaa. Ich denke schon.

Musikmachen ja, Touren nein

Aha. Aber warum?

(lacht) Ach, weil ich das Touren einfach nicht mehr so mag. Ich liebe es, Musik zu schreiben und zu spielen. Die ganzen Jahre über habe ich auch das Touren immer genossen, es war alles, was ich kannte und hat sich richtig angefühlt. Aber jetzt ist mir einfach klar, dass es damit ein Ende haben muss. Wenn mal ein Konzert oder ein Festival ansteht, werde ich das immer noch gern machen. Aber das Touren mit allem, was ich dazu bislang organisiert habe, ich hatte ja alle Fäden stets selbst in der Hand, das mag ich nun einfach nicht mehr machen.

Was Howe Gelb antreibt

Was treibt Sie grundsätzlich an, nach mehr als 40 Jahren immer noch und immer weiter Musik zu schreiben und zu spielen?

Als ich das Musikmachen mit 14 oder 15 entdeckt habe, wurde es so wichtig für mich, dass ich nie drüber nachdachte, es wieder zu lassen. Es verhält sich damit ein bisschen wie wenn man sich verliebt. Das, worin du dich als junger Mensch verliebt hast, lässt dich schlicht nicht mehr los.

Warum hat die Besetzung von Giant Sand über die Jahre so oft gewechselt? Gehört das zum Konzept, ist es eher ein Kollektiv, oder haben Sie einfach immer blöde Leute als Mitglieder ausgewählt?

Hmmm, ich glaube, es ist einfach so passiert. Ein paar Musiker waren länger dabei und waren wunderbar. Aber auf der anderen Seite halt doch auch irgendwie komische Vögel, die irgendwann weggingen, um ihr eigenes Ding zu machen. Es ist wie in einer Familie, sie wissen, sie können jederzeit zurückkommen.

Was Giant Sand zum Abschied spielt

Was bietet Giant Sand den Fans auf Ihrer Abschiedstour? Alte Stücke, Neues, einen Mix?

Wir spielen das jüngste Album „Recounting The Ballads Of Thin Line Men“. Das Set ist nicht allzu lang, nur etwa eine Stunde. Und nicht so laut wie vergangenes Jahr, als ich mit zwei Amps gespielt habe. Aber der Ton ist im Moment richtig gut. Das war für mich immer die wichtigste Komponente.

Diese im August erschienene Platte ist eine Neuinterpretation des zweiten Giant-Sand-Albums von 1986, „Ballad Of A Thin Line Man“. Fällt Ihnen nichts Neues mehr ein oder sind die Songs so zeitlos gut, dass man sie immer wieder spielen muss?

Was danach kommt

Ich habe in meinem bisherigen Leben an die 600 Songs geschrieben. Ich könnte noch mehr schreiben, weil ich das liebe. Aber es macht mehr Spaß und ist gesünder, auf die Songs zu hören, wenn sie nach dir verlangen. Sie zu lernen und zu spielen, als wären sie von jemand anderem.

Was kommt nach Giant Sand?

Ach, immer fragt Ihr mich, was als nächstes kommt, dabei bin ich doch noch nicht mal mit dem durch, was ich gerade eben mache (lacht)!

Besetzungsliste länger als die „Bill of Rights“


Bandgeschichte Die Besetzungsliste von Giant Sand sei länger als die amerikanische Verfassung, hat ein Musikjournalist mal geschrieben. Tatsächlich blieb Howe Gelb der 1980 als Giant Sandworm gegründeten Gruppe einem kreativen Kern gleich als einziger über 35 Platten hinweg treu – dazu kommen an die 22 Solo-Werke. Zu den Ex-Mitgliedern gehören Juliana Hatfield, PJ Harvey, Vic Chesnutt sowie John Convertino und Joey Burns von Calexico.

Besetzung Aktuell sind Giant Sand als Trio unterwegs mit Howe Gelb (voc, git), Annie Dolan (bass) und Gründungsmitglied Tom Larkins (drums), der die Band 1986 verließ. Das Duo Touchy, bestehend aus Gelbs Tochter Patsy Jean und Christian Blunda, eröffnen die Abende.

Termin Am Mittwoch, 4. Dezember, 20 Uhr, ist Giant Sand auf Abschiedstour im franz.K in Reutlingen zu Gast. cli