Mit dem Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan „Bahnhofsplatz West“ hat der Gemeinderat am Dienstagabend mit großer Mehrheit bei vier Enthaltungen den Weg für Willi Schöllers neues Projekt freigemacht. Wie berichtet, wird Schöller dort ein Hotel der Kategorie „Drei Sterne“ mit insgesamt 140 Zimmern errichten. Losgehen soll’s demnächst, die Fertigstellung ist für Dezember 2021 vorgesehen, die Baukosten für das achtstöckige Gebäude schätzt Schöller auf rund 20 Millionen Euro. Aus Sicht des Investors bietet das neue Hotel ein attraktives Angebot im Businessbereich.

Investition von 20 Millionen Euro

Zustimmung zum Projekt ja, volle Zufriedenheit nein: „Wir hätten heute auch gerne den Bau der Mobilitätsstation beschlossen“, merkte Gabriele Janz in der Sitzung an. Um so wichtiger sei es, so die Fraktionssprecherin der Grünen, dass wir das jetzt nicht aus dem Auge verlieren“. Ähnlich sah dies auch Edeltraut Stiedl (SPD), die auf eine zügige Weiterentwicklung und auf Fördermittel von Bund und Land hofft. Um die Fahrradgarage sei es schade, befand Georg Leitenberger. Aber ohne hohe Zuschüsse gehe es einfach nicht, so der FWV-Stadtrat.
Es sei „sehr erfreulich, dass wir hier Investoren haben, die an Reutlingen glauben“, betonte Regine Vohrer (FDP). Und Gabriele Gaiser (CDU) würdigte das Projekt als „Signal an die Bauwirtschaft“, dass es hier vor Ort trotz Corona vorangehe.
Das Projekt bedeutet aus Sicht von Rüdiger Weckmann (Linke) eine klare Aufwertung des Quartiers City Nord, eine Aufwertung, die dieses Gebiet laut Hansjörg Schrade (AfD) dringend nötig hat. Weckmann sprach auch als Einziger die per Zeitungsanzeige geäußerten, keineswegs überraschenden Bedenken der anderen Reutlinger Hoteliers an.

Keck: „Sobald es geht, werden wir es machen!“

Die Befürchtung von WiR-Stadtrat Marco Wolz, dass mit dem Mobilitätszentrum ein wichtiger Baustein des Projekts auf die lange Bank geschoben werde, wollte die Stadtspitze nicht unkommentiert stehen lassen. Die Stadt brauche an dieser Stelle eine Mobilitätsstation, unterstrich Baubürgermeisterin Ulrike Hotz. Und: „Sobald es geht, werden wir es machen“, versicherte Oberbürgermeister Thomas Keck.

Edeka-Lidl-Rochade auf den Weg gebracht


Mit einer Enthaltung fasste der Gemeinderat am Dienstagabend den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Emil-Adolff-Straße/Schieferstraße. Damit verbunden ist auch die Auslobung eines städtebaulichen Wettbewerbs. Wie berichtet, werden Edeka und Lidl auf die andere Straßenseite, auf das Areal des ehemaligen Bauhauses, ziehen. Ihren Platz wird der Sportartikelhändler Decathlon einnehmen.

Elisabeth Hillebrand (CDU) warb nachdrücklich dafür, dass der neuzuschaffende Übergang über die Emil-Adolff-Straße keineswegs deren wichtige Funktion als Erschließungsachse für die Innenstadt beeinträchtigen dürfe. Helmut Treutlein (SPD) lobte die Bereitschaft des Eigentümers, sich an einem Wettbewerb zu beteiligen und die markante Fassade zu erhalten. Während sich Regine Vohrer (FDP) auf ein neues „modernes Zentrum in Innenstadtnähe freut, befürchtet Fritz Haux, dass derlei Aktivitäten die Innenstadt keineswegs beleben werden. Nach Ansicht des CDU-Stadtrats gehörten Lebensmittelmärkte ins Zentrum und nicht an die Peripherie: „Die Innenstadt braucht Frequenz“. rab