Scheibengipfeltunnel Hoffnungsträger aus Beton

Heute ist die feierliche Freigabe des Scheibengipfeltunnels, ab Samstag kann der Verkehr rollen.
Heute ist die feierliche Freigabe des Scheibengipfeltunnels, ab Samstag kann der Verkehr rollen. © Foto: Thomas Kiehl
Reutlingen / Evelyn Rupprecht 26.10.2017

Die Spannung steigt: Heute ab 16 Uhr wird der Scheibengipfeltunnel feierlich seiner Bestimmung übergeben, ab den Vormittagsstunden des Samstags kann der öffentliche Verkehr durch die Röhre rollen. Doch wird die Ortsumfahrung auch die erhoffte Entlastung für den AOK-Knoten, die Oststadt und Eningen bringen? Wird der Tunnel halten, was man sich von ihm verspricht? Am ersten Wochenende jedenfalls muss er schon seine erste große Bewährungsprobe bestehen, wenn in Metzingen verkaufsoffener Sonntag ist und vor allem der Verkehr von der Alb über die neue Straße fließen soll.

Josef Hönes von der Pressestelle der Polizeidirektion Reutlingen ist zuversichtlich, dass der Tunnel sein erstes Wochenende unbeschadet übersteht. „Wir gehen davon aus, dass der Verkehr fließt – und zwar besser als durch die Innenstadt“, sagt er. Schließlich sei die Ortsumfahrung genau zu diesem Zweck gebaut worden: um Staus zu vermeiden und die Lage zu entzerren. Ob das auch tatsächlich so sein wird, darauf ist Hönes denn aber doch gespannt. „Wir  werden das Verkehrsaufkommen speziell an diesem Wochenende natürlich schon im Auge behalten“, kündigt er an.

Große Erwartungen setzen indes vor allem die Kommunalpolitiker in den 135 Millionen Euro teuren Scheibengipfeltunnel. Die Bürgermeister der Kommunen, auf deren Gemarkung die Umgehung gebaut wurde, die der angrenzenden Städte und der Landrat sind guter Dinge.

„Es ist großartig, dass der Scheibengipfeltunnel nach jahrzehntelanger Vorarbeit jetzt tatsächlich genutzt werden kann. Er ist ein wichtiger Teilabschnitt auf der Verbindung von Stuttgart ins Oberland und wird der Stadt Reutlingen und der Gemeinde Eningen die ersehnte Entlastung an Durchgangsverkehr bringen. Jetzt geht es weiter: Vor allem der Albaufstieg bei Lichtenstein muss zügig vorankommen“, so Landrat Thomas Reumann.

„Meine Erwartungen an den Scheibengipfeltunnel, für dessen Realisierung ich mich genau wie meine Vorgänger viele Jahre lang unermüdlich eingesetzt habe, sind hoch“, erklärt Reutlingens Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Weniger Schadstoffe, weniger Lärm, mehr Verkehrssicherheit und mehr Lebensqualität für die Reutlinger Bürger – das erhofft sie sich von dem neuen Bauwerk. Ähnlich euphorisch ist Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer:  „Wir in Eningen erhoffen uns alle eine spürbare Verringerung des Durchgangsverkehrs – und damit auch von Lärm, Schadstoffen und Stress.“ Der 27. Oktober 2017 könnte ein historisches Datum für Eningen werden, glaubt Schweizer.

Der Pfullinger Verwaltungschef Michael Schrenk sieht die Situation ähnlich wie der Landrat. Der Tunnel sei ein wichtiger Baustein auf der Entwicklungsachse Stuttgart-Reutlingen-Schwäbische Alb, was aufzeige, dass auch noch weitere Bausteine wie der Albaufstieg folgen sollten, meint der Pfullinger Bürgermeister.

Profitieren werden auch die Metzinger von der neuen Verkehrsachse.  „Zum einen wird mit dem Scheibengipfeltunnel wieder ein Großprojekt für unsere Region fertig gestellt. Auch die Metzinger Bevölkerung wird teilweise entlastet, da die Verkehrsströme insbesondere vom Echaztal über Eningen in Richtung Grafenberg die Stadt nicht mehr so stark tangieren und man natürlich auch von Metzingen aus schneller im Echaztal und auf der Alb ist“, glaubt Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler. Allerdings hat er auch so seine Bedenken. „Auf der anderen Seite hoffe ich natürlich, dass sich das morgendliche Verkehrschaos im Berufsverkehr durch das erhöhte Verkehrsaufkommen auf der B 312 für Menschen, die aus unserer Stadt Richtung Stuttgart auspendeln, nicht noch mehr erhöht.“

Mehr als nur Bedenken, sondern konkrete Forderungen hat die Bürgerinitiative „Wir sind Lichtenstein“. Mit Plakaten will sie beim Festakt am Scheibengipfeltunnel heute darauf aufmerksam machen, wie wichtig der Albaufstieg der B 312 ist (siehe nebenstehenden Bericht). Die Lichtensteiner sehen die Entwicklung der Staus nach der Öffnung der neuen Verkehrsachse schon jetzt mit Sorge.

Nicht mit Sorge, aber vielleicht einem kleinen bisschen Misstrauen dürfte die Feuerwehr der Öffnung der Röhre entgegen schauen. Denn in Sachen neue Brandmeldetechnik hat die Wehr im vergangenen Jahr beim sanierten Ursulabergtunnel keine wirklich guten Erfahrungen gemacht. Mit Feuereifer hat der Tunnel damals einen Fehlalarm nach dem nächsten ausgelöst. Bleibt zu hoffen, dass die Meldetechnik des Scheibengipfeltunnels nicht ähnlich  übertrieben arbeitsam ist und die Röhre sich nicht gleich am ersten Wochenende selbst sperrt.

Kommen Sie mit uns zur Eröffnung des Scheibengipfeltunnels in Reutlingen am Südportal beim alten Reutlinger Südbahnhof am kommenden Freitag 27.10.2017. Wir treffen uns am Tunnelportal um 15.45 Uhr, fordert die Bürgerinitiatve „Wir sind Lichtenstein“ auf. Wir haben einige Plakate vorbereitet, die wir hochhalten wollen, um zu zeigen, dass uns der Albaufstieg der B 312 wichtig ist und jetzt umgehend geplant werden muss, damit die Verkehrsachse von Stuttgart über Metzingen durch die Tunnels in Reutlingen und Pfullingen weiter auf die Alb nach Oberschwaben und an den Bodensee weitergeführt wird.

Wie wichtig diese Verkehrsachse ist, erleben Sie jeden Tag, wenn 25.000 Fahrzeuge auf der B 312 durch unsere Gemeinde fahren. Auf der gleichen Strecke verläuft die B 313 – wir haben also hier zwei Bundesstraßen, die mitten durch unseren Ort führen.

AWir werden am Montag 30.10.2017 zwischen 16.00 Uhr und 19.00 Uhr mit unseren Plakaten auf den Gehwegen entlang der B 312 gehen und die Autofahrer auf diese Situation aufmerksam machen, um Verständnis bitten und für den sofortigen Planungsbeginn werben. Unterstützen Sie unsere Plakataktion und gehen Sie mit uns am Montag 30.10.2017 auf den Gehwegen entlang der B 312. Wir treffen uns um 16.00 Uhr an der Bushaltestelle Stetten gegenüber der Avia-Tankstelle.