Reutlingen Historischer Tiefstand

Ein Geisterfahrer verursachte im April bei Pliezhausen einen Unfall, bei dem ein Familienvater starb. Foto: Archiv
Ein Geisterfahrer verursachte im April bei Pliezhausen einen Unfall, bei dem ein Familienvater starb. Foto: Archiv
Reutlingen / SWP 09.03.2012
Sieben Unfalltote, die geringste Anzahl seit Beginn der statistischen Erfassung im Kreis vor fast 40 Jahren sowie ein leichter Rückgang der Gesamtunfallzahlen - so sieht die Verkehrsunfallbilanz aus.

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei 7579 Verkehrsunfälle im Kreis, ein Minus von 67 gegenüber dem Jahr 2010. Während 2009 neun Menschen starben und im Jahr 2010 wieder 13 Unfalltote zu beklagen waren, verzeichnete die Polizei im vergangenen Jahr einen historischen Tiefstand von sieben Verkehrsteilnehmern, die ihr Leben verloren. Bei den tödlich Verletzten handelte es sich ausschließlich um Männer: fünf Auto-, ein Leichtkraftrad- und einen Lastwagen-Fahrer. Die Zahl der Schwerverletzten ist um sechs auf 222 angestiegen. Trotz dieser leichten Zunahme liegt die Zahl immer noch unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Auch die Leichtverletzten sind um vier auf 1003 Verletzte etwas angestiegen.

Die Hauptunfallursachen sind seit Jahren nahezu unverändert: An der Spitze sind Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren, gefolgt von Vorfahrtsunfällen und Unfällen wegen nicht angepasster Geschwindigkeit sowie Fehler beim Überholen. Auf Alkohol und Drogen waren 157 Verkehrsunfälle zurückzuführen.

Junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 24 Jahren waren in 776 Unfälle verwickelt, 36 mehr als im Vorjahr. Dieser Anstieg dürfte auch darin begründet sein, dass sich die statistische Erfassung geändert hat und nun auch verunglückte Fußgänger und Radfahrer erfasst werden. Diese jungen Verkehrsteilnehmer waren wie auch 2010 im Vergleich zum Bevölkerungsanteil überproportional häufig am Unfallgeschehen beteiligt. Positiv zu werten sind hingegen die Folgen, da bei diesen Unfällen zwölf Personen weniger verletzt wurden. Hauptunfallursachen bei den jungen Erwachsenen waren wieder einmal nicht angepasste Geschwindigkeit und ungenügender Sicherheitsabstand.

Die Gesamtentwicklung der Unfälle mit Kindern ist nicht nur im Vergleich zum Vorjahr, sondern auch in der Langzeitbetrachtung positiv verlaufen. Hier gingen die Unfallzahlen von 96 auf 89 zurück. Im Gegensatz zu 2010, als ein Zwölfjähriger tödlich verletzt wurde, kam im vergangenen Jahr kein Kind im Straßenverkehr zu Tode. Auch die Gesamtbilanz verletzter Kinder ging um 15 Prozent auf 85 Verletzte zurück. Erfreulich ist hierbei insbesondere der starke Rückgang bei den schwer verletzten Kindern. Hier ging die Zahl im letzten Jahr um 13 auf sechs zurück. Dagegen ist die Zahl der Schulwegunfälle von zwölf auf 19 angestiegen. Die Unfälle unter Beteiligung von Fußgängern sind deutlich angestiegen und zwar um 16 auf 99. Im Gegensatz dazu, als zwei Fußgänger ums Leben kamen, wurde 2011 kein Fußgänger tödlich verletzt. Schwere Verletzungen trugen hingegen 20 Fußgänger davon, einer mehr als 2010.

Bei den Radfahrunfällen gab es ebenfalls einen deutlichen Anstieg um 43 auf 257. Auch die Zahl der Verletzten nahm um 29 auf 221 zu. Die Zahl der schwer Verletzten erhöhte sich um fünf auf 47. Auch die Anzahl der Unfälle mit motorisierten Zweiradfahrern ist von 205 auf 225 angestiegen. Letztes Jahr wurde ein Zweiradfahrer getötet, während es 2010 drei Todesfälle gab. Mehr als die Hälfte aller Motorradunfälle wurde von den Fahrern selbst verursacht - wegen nicht angepasster Geschwindigkeit oder Fehler beim Überholen.

Bei den Verkehrsunfallfluchten war ein Anstieg um 108 auf 1491 zu verzeichnen. Diese Anzahl der Unfälle mit Fahrerflucht liegt auch in der Langzeitbetrachtung von zehn Jahren deutlich über dem Mittelwert von 1357 Unfällen.

Bei nicht weniger als 66 Unfällen machte sich gar ein Beteiligter aus dem Staub, ohne sich um Verletzte zu kümmern. Dies ist im Vergleich zum Jahr 2010 ein trauriger Anstieg um 13 Unfälle. Unfallflucht lohnt sich jedoch nicht: Obwohl es sich häufig um "Parkrempler" in Tiefgaragen, Parkhäusern oder auf Parkplätzen mit zum Teil nur geringen Blechschäden handelt, konnte die Polizei 513 Unfallfluchten aufklären, was einem Anteil von mehr als 34 Prozent entspricht. Bei den Unfallfluchten mit Personenschaden konnte auch dank der eigens bei der Verkehrspolizei eingerichteten speziellen Ermittlungsgruppe eine noch höhere Aufklärungsquote (53 Prozent) erzielt werden.

Bei den Polizeikontrollen wurden 451 Fahrer ermittelt, die unter Alkoholeinwirkung standen. Davon waren 273 Fahrzeugführer mit einem Promillegehalt von 1,1 Promille und mehr absolut fahruntüchtig. In 152 Fällen beschlagnahmte die Polizei den Führerschein alkoholisierter Fahrer gleich an Ort und Stelle. Weitere 77 Fahrer wurden angezeigt, weil sie unter Drogeneinfluss ein Fahrzeug steuerten.

Weiterhin mussten 2488 Fahrzeugführer zur Rechenschaft gezogen werden, weil sie den Sicherheitsgurt nicht angelegt hatten. Dies sind rund 25 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Die Polizei stellte außerdem 8554 Temposünder fest, von denen 2165 über 20 Stundenkilometer zu schnell unterwegs waren, was Punkte in Flensburg zur Folge hatte. Auf 204 Raser kam zusätzlich auch noch ein Fahrverbot zu.

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