Sie sind ein steinernes Zeugnis von nahezu acht Jahrhunderten  Reutlinger Stadtgeschichte: Die drei Häuser in der Oberamteistraße 28, 30 und 32 sind etwas ganz Besonderes, nicht nur, weil  sie als eine der „ältesten Fachwerkzeilen Süddeutschlands“ gelten. Dabei ist, wie Dr. Elke Nagel von Strebewerk Architekten aus Stuttgart ausführte, der Superlativ nicht nur das Alter, sondern der Bestand, der viel aus der Historie der Achalmstadt zu berichten habe. Beim Sommermedientermin in der Zunftstube des Heimatmuseums, das wie die drei anderen Gebäude einst zum Königsbronner Hof gehörte, gaben Kulturamtsleiter Dr. Werner Ströbele, die Architekten Elke Nagel und Ingmar Menzel sowie die Historikerin Gabi Rudolf in einem Werkstattbericht Einblick in neue Erkenntnisse, berichteten, was bislang gemacht wurde und was als nächstes ansteht.

Die drei Häuser selbst dürfen derzeit nur mit Schutzausrüstung betreten werden, da die Baustelle mit Schadstoffen belastet ist. Das sei aber für alte Gebäude nicht ungewöhnlich, sagte Elke Nagel. In einem ersten Schritt gehe es darum, die kontaminierten Oberflächen abzutragen, danach müsse man sich die Strukturen der Gebäude genau anschauen und die Schäden analysieren – Basis, um die Gebäude ertüchtigen zu können, wie die Architektin und Bauhistorikerin erläuterte. Noch in diesem Jahr soll die Bodenuntersuchung beginnen, die voraussichtlich bis zum Frühjahr 2020 andauern wird. Die Zeitdauer hängt auch von den Funden ab, die dabei ans Licht kommen. „Je mehr wir finden, desto länger dauert es. Das ist aber besser für uns“, betonte Nagel.

Bei den bisherigen Untersuchungen sind die Experten neben mehreren Farbbefunden auch auf schöne Bohlenstrukturen und möglicherweise unterschiedliche Konstruktionsweisen gestoßen. Ein schönes Beispiel für die unterschiedliche Nutzung der Gebäude ist der gotische Durchgang, der durch eine später eingebaute Küchenwand seiner Funktion beraubt wurde. Wir müssen einen Weg finden, beschrieb Nagel die Herausforderung, vor der die Architekten bei diesen historischen Bauwerken  stehen.

800 Jahre Baugeschichte

„Wir werden ein Gebäude haben, das 800 Jahre Baugeschichte ausstellt“, betonte Ingmar Menzel von Wulf Architekten, die den Wettbewerb mit ihrem gläsernen Haus gewonnen hatte. Ein Museum, das einen nicht nur didaktisch, sondern auch gefühlsmäßig anpackt“, charakterisierte Menzel seine Vision. Ziel müsse sein, so wenig wie möglich einzugreifen und so viel wie möglich sichtbar zu machen. Auf diese Art und Weise entstehe ein einzigartiges Museum, das Strahlkraft weit über den süddeutschen Raum hinaus entwickeln könne.

Der gläserne Neubau, der an die Stelle des 1972 abgerissenen steinernen Hauses, Oberamteistraße 34, treten soll, nimmt eine dienende Funktion für den Altbau ein. Noch stehe nicht fest, wie genau die transparente Fassade aussehen wird.

Häuser zeigen die Lebenswelt der Stadt in den vergangenen Jahrhunderten

Seit Anfang April arbeitet Gabi Rudolf als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Heimatmuseum am Projekt mit. Ihre Aufgabe besteht darin, in archivalischen Quellen mehr über die Häuser und die Personen, die darin wohnten, herauszufinden. „In den Häusern lässt sich die Lebenswelt der Stadt Reutlingen ablesen“, berichtete Rudolf. Sie hat schon einiges darüber herausgefunden, wer die Häuser in den vergangenen Jahrhunderten bewohnt hat. Aus dem breiten Spektrum der Berufe lassen sich auch Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt ziehen. Für das 20. und auch das 19. Jahrhundert ist die Quellenlage gut, doch „je weiter man zurückgeht, umso schwieriger wird es“, erläuterte sie. Neben der Auswertung der Quellen arbeitet die Historikerin an der Entwicklung des musealen Konzepts mit.

Das wertet die Stadt auf

„Da kann Reutlingen etwas herzeigen. Das wird die Altstadt sehr aufwerten“, unterstrich auch Prof. Dr. Roland Wolf und verwies auf die ebenfalls im 13. und 14. Jahrhundert entstandene Marienkirche und die Tore der Stadtbefestigung. Er sei sehr zufrieden, dass man jetzt so weit gekommen sei, schließlich habe sich der Geschichtsverein von Anfang an dafür eingesetzt, dass die Stadt die Sache in die Hand nehme, so der Erste Vorsitzende des Reutlinger Geschichtsvereins.

Kosten noch unklar

Über die Höhe der Kosten gab es auch am Dienstag keine Auskunft.  Nur so viel: Im Frühsommer kommenden Jahres will das Gemeindemanagement einen Vorentwurf vorlegen und dabei auch erste Zahlen nennen, wie Simone Eckl sagte. Bereits im September wird der Gemeinderat darüber entscheiden, ob die Sanierung des Kellers in einem der  Häuser vorgezogen wird.

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