Konzert Himmel reiße, Welt erbebe

Chorleiter Christian Bonath stellt das Programm für das Konzert der Capella Vocalis am 18. März vor.
Chorleiter Christian Bonath stellt das Programm für das Konzert der Capella Vocalis am 18. März vor. © Foto: Kathrin Kipp
Reutlingen / Kathrin Kipp 14.03.2018

In seinem 25. Jahr widmet sich der Reutlinger Knabenchor Capella Vocalis mal wieder Bachs Johannespassion. Für die Chorverhältnisse sei es schon „eine Ewigkeit her“, nämlich 2006, dass man sie gesungen habe, so Chorleiter Christian J. Bonath. „Kein heute Aktiver hat damals mitgesungen“. Eines der „wichtigsten Zeugnisse der abendländischen Kultur“ wolle man dem Publikum natürlich nicht vorenthalten, die gehöre aber auch zur Grundausbildung eines jungen Sängers, weshalb man sie nun aufs Jubiläums-Programm gesetzt hat. Und Christian J. Bonath freut es ungemein, „wie die Jungs diese 300 Jahre alte Musik aufsaugen und wie begeistert sie damit umgehen“, etwa, wenn sie nach der Probe die Musik vor sich hinpfeifen. Für den Chor sei die Johannespassion im Vergleich zur Mattäuspassion tatsächlich „das spannendere Stück“, unter anderem wegen der „Turba-Chöre“, in denen das Volk hetzt und Pilatus auffordert, Jesus zu kreuzigen: Diese Chöre seien sehr anspruchsvoll und aufgrund ihrer damaligen Modernität „am Rande dessen, was musikalisch möglich war“. Bonath ist um eine „informierte historische Aufführungspraxis“ bemüht, das heißt, dass sein Barock-Orchester Pulchra Musica mit von der Partie ist, die auf Barock gestimmten Instrumenten spielen. Die Passagen mit vielen Vorzeichen klingen dann auch tatsächlich reichlich schräg, ein Effekt, den Bach bei seinen Hetz-Chören ganz bewusst als Ausdrucksmittel eingesetzt hat.

Bach hatte in Leipzig den Auftrag, jedes Jahr eine neue Passion zu schreiben, hat aber schon 1725 nur eine veränderte Fassung der ein Jahr zuvor uraufgeführten Johannespassion spielen lassen. Bonath hat sich für diese „zweite“ Fassung entschieden: Bach ersetzte darin den Anfangs- und Schlusschor durch zwei Choralbearbeitungen: „O Mensch, bewein dein Sünde groß“, eher bekannt aus der späteren Matthäuspassion, taucht ursprünglich schon in der zweiten Johannes-Fassung als Anfangs-Choral auf. Auch den eher schlichten Schluss-Choral „Ach Herr, lass deine Engelein“ hat Bach ersetzt durch die Choralbearbeitung „Christe, du Lamm Gottes“. Außerdem hat er eine Tenorarie mit der „fantastischen Bass-Arie“ „Himmel reiße, Welt erbebe“ ersetzt: ein „geiles Stück“, so Bonath, „das fetzt“. Und statt der Bass-Arie „Betrachte mein Seel´“ kam eine Tenorarie rein: „Ach windet euch nicht so, geplagte Seelen“. Auch die Tenorarie „Zerschmettert mich, ihr Felsen und ihr Hügel“ war neu. „Diese Austauschsätze sind zwar weniger bekannt, aber dennoch unglaublich“, findet Bonath, der für das Konzert in der Marienkirche vor allem junge Solisten ausgewählt hat: Marcus Elsäßer (Evangelist und Arien), Emanuel Fluck (Christusworte), Nikolaus Fluck (Arien und Pilatus), Simon Donner, Mathis Hedderich und Jan Jerlitschka. Wie zu Bachs Zeiten singen die Solisten auch im Chor mit.

Ein wenig Farbe ins Spiel bringt außerdem Andreas Felger aus Mössingen-Belsen: der Kunst-Maler wird sich während des Konzerts von Bachs Musik inspirieren und live ein Kunstwerk entstehen lassen: ein „spannender interdisziplinärer Austausch“, findet Bonath. Das dabei entstehende Bild wird für einen guten Zweck verkauft.

Im Jubiläumsjahr stehen noch weitere Projekte auf dem Programm: unter anderem am 28. März eine Uraufführung im franz.K, eine Kooperation mit „sonic visions“ unter der Begleitung der Württembergischen Philharmonie.

Christian J. Bonath ist derzeit außerdem wieder auf Talentsuche an den Reutlinger Schulen. Am 17. April, 16 Uhr, beginnt im Listgymnasium in der Reutlinger Kanzleistraße außerdem ein neuer „Vorchor“. Für interessierte Eltern empfiehlt es sich, ihre sechs- bis siebenjährigen Sänger frühzeitig anzumelden.

Info J.S. Bach: Johannespassion BWV 245, 18. März, 17 Uhr, in der Marienkirche Reutlingen. Karten: Konzertbüro am Markt und Abendkasse.

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