Honau High Noon am Rio Blanko

Von Evelyn Rupprecht 14.01.2019

Ein einsamer Reiter treibt sein Pferd am Wasserturm vorbei, weit und breit ist sonst kein Mensch zu sehen, das Bahnhofsgelände liegt da wie ausgestorben, Sand wohin das Auge blickt: High Noon am Rio Blanko. Und dann passiert es. Der Zug kommt doch noch an. Gemächlich biegt die Grubenbahn um die Ecke. Nach amerikanischem Vorbild im Maßstab 1:45, Spur 0n3, haben sie Wolfgang und Florian Bertle und Michael Blank selbst zusammengebaut. Vor 20 Jahren haben sie damit angefangen, und weil es bei dieser Spurweite kaum Fertigteile gibt, hat das Lichtensteiner Trio praktisch alles selbst gemacht – nicht nur die Gleise und Weichen, sondern auch sämtliche Gebäude.

Nach zwei Jahrzehnten, sollte man meinen, ist das Modellbahngelände fertig. Doch weit gefehlt. „Da geht immer was. Hier soll noch ein Schild hin, dort fehlt ein Mann, der Holz hackt“, erläutert Wolfgang Bertle die aktuellen Pläne. Denn: „Eine Modellbahnanlage ist nie perfekt. Das wäre ja auch schlimm“. Ähnlich sieht’s Michael Blank, nach dem das Rio-Blanko-Gelände benannt ist.

Die Grubenbahn freilich ist nur einer von vielen Hinguckern, die jetzt im Honauer Bahnhof zu sehen waren. Vier Tage lang – am 5. und 6. sowie am 12. und 13. Januar – ging hier die Modellbahnschau über die Bühne, die durchaus schon eine kleine Tradition ist. „Wir machen das immer Anfang Januar, inzwischen schon zum 13. oder 14. Mal“, sagt Klaus Beck, der Vorsitzende des Fördervereins Bahnhof Honau, dem die Leidenschaft für den Modellbau praktisch in die Wiege gelegt worden ist. „Ich bin an der Pfullinger Bahntrasse aufgewachsen“, sagt er. Seine erste Modellanlage unterm heimischen Weihnachtsbaum hat er im zarten Alter von zehn Monaten zu sehen bekommen. „Und ich bin nach wie vor begeistert davon“, sagt Beck über sein Hobby, das ihn allerdings auch schon in Bedrängnis gebracht hat.

Vor einigen Jahren sollte er eine Auftragsarbeit erledigen. Doch als dem Modellbahn-Fan die Anlage, die Beck für ihn bauen sollte, zu teuer wurde, kam das Ganze ins Stocken. Beck hat die Arbeit liegen lassen – bis vor zwei Jahren einer der Aussteller der Honauer Schau kurzfristig absagen musste. „Da hatten wir auf einmal eine Lücke in der Schau“. Also hat der Fördervereinschef in einer Nachtschicht die Gleistrasse ausgesägt und das Anlagengerüst ausgestellt. „Die Leute dachten alle, die Bahn sei fertig. Dabei ist sie das bis heute nicht mal zur Hälfte“, erklärt er mit Blick auf die kleine Drei-Zug-Anlage, die gerade mal zwei auf 1,10 Meter groß ist. Sie läuft vollautomatisch. „Man kann sie auch von Hand fahren. Das ist dann aber schon ziemlich sportlich“, weiß Beck. Denn: Kurze Strecken bedeuten noch kürzere Reaktionszeiten, lautet die einfache Formel, nach der die Züge über die Gleise der kleinen Anlage brettern.

Zu sehen waren bei der Modellbahnschau in Honau indes auch die vereinseigene Groß-Anlage von Märklin, jede Menge fantasievolles Zubehör der Firma Noch und andere Anlagen. Mittendrin: Peter Heller, der Beleuchtungen für Modellfahrzeuge macht. Er war ein gefragter Mann an den beiden Wochenenden. „Schließlich gibt das richtig was her, wenn in so einem Wagen Licht brennt“, weiß auch Klaus Beck.

Der Meinung sind offenbar nicht nur die Aussteller selbst, sondern auch die Besuchermassen, die sich an den beiden Wochenenden durch den Honauer Bahnhof geschoben haben. „Samstags war ab dem Nachmittag richtig viel los und sonntags sowieso“, berichtet der Fördervereinschef, der betont, „dass wir keinen Eintritt verlangen“. Spenden sind indes immer willkommen. Mit denen finanziert der Verein dann die Instandhaltung des echten Bahnhofs, an dem es immer etwas zu tun gibt. Denn was den Arbeitsaufwand angeht, steht der große Bahnhof den Modellanlagen in nichts nach.

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