Eningen Hier hatte die Turngemeinde eine Heimstatt

Eningen / KARIN LOBER 09.03.2012
Viele Eninger verbinden Erinnerungen mit der Schillerhalle, die derzeit abgerissen wird. Wir blicken daher zum Abschied schlaglichtartig auf die bewegte Vergangenheit des Bauwerkes zurück.

Am 24. Juni 1906, so steht es in dem Buch "Eningen - Porträt der Achalmgemeinde" von Gabriele Karus-Gaibler, lud die Turngemeinde die Bürger mit einer Ankündigung im Achalmboten zur Einweihung ihrer neuen Turnhalle ein. Da das Bauvorhaben nach den Akten des Bauamtes allerdings erst 1907 genehmigt und 1908 abgenommen wurde, ist wohl davon auszugehen, dass die Sportler schon lange vor der offiziellen Bestätigung mit den Bauarbeiten begonnen haben.

Die Kosten des Bauprojektes, an dem die Turner fleißig mithalfen, waren mit etwas über 13 700 Mark kalkuliert. Am Ende mussten allerdings stolze 23 500 Mark für die Halle, die einst mit einem Krüppelwalmdach samt Türmchen ausgestattet war, berappt werden.

Aus eben diesem Türmchen schlüpfte Hans Kühner in jungen Jahren an manchen kalten Wintertagen aufs Dach der Halle. Sie musste damals des Öfteren von der Last des Schnees befreit werden, erzählt der 82-Jährige, der schon als Kind ein begeisterter Turner war und bis heute aktiv ist. Er gilt als der Eninger Vorzeigeturner schlechthin.

An die vielen Turnstunden in der Schillerhalle, die damals wegen der Nähe zum Bahnhof noch Bahnhofsturnhalle genannt wurde, erinnern sich Kühner und der zwei Jahre ältere Fritz Kielkopf noch allzu gut.

Ein Teil der Halle war ursprünglich mit einem Lohboden ausgerüstet, weshalb man nach der Turnstunde nicht nur verschwitzt, sondern oftmals auch ziemlich schmutzig war, berichten die beiden Eninger aus der Zeit vor der Machtergreifung durch die Nazis. Diese, so schreibt Gabriele Karus-Gaibler, "missbrauchten die Halle für nationalsozialistische Zwecke". Nach Kriegsende herrschte dann zunächst ein Turnverbot, berichten Kielkopf und Kühner.

1947 wurde der TSV Eningen, der als Nachfolger der Turngemeinde gilt, gegründet. Nach und nach entstanden weitere Sportabteilungen. Die Eninger machten sich dann auch mit ihrer Boxriege einen Namen. Viele dieser Boxkämpfe, etwa gegen Lazio Rom, fanden Ende der 1950 Jahre in der Schillerhalle statt.

"Die Halle war bei diesen Boxkämpfen immer brechend voll", erzählt Manfred Ziegler, der erst in der Reutlinger und später in der Eninger Mannschaft boxte. Das Boxen sei damals ein gefragter Sport gewesen. Nach dem Ende der großen Box-Ära, so Kühner, Ziegler und Kielkopf, verkauften die Eninger ihren Boxring nach Pfullingen.

In der Halle wurde aber nicht nur Sport getrieben, sondern auch verschiedene Feiern und Versammlungen wurden abgehalten. Fritz Kielkopf, der früher gerne Leichtathletik machte, erinnert sich an eine Veranstaltung des Gesangvereins, die in der Nachkriegszeit stattfand. Es war Winter, weshalb man die Kohleöfen mit Holz befeuerte. Da das Brennholz aber noch nicht ofentrocken war, herrschte im Innern der Schillerhalle ein beißender Qualm, erzählt der langjährige Sänger des Vereins. 1963 übernahm die Gemeinde die Halle. Sie wurde gegen ein Grundstück auf der Wenge getauscht, weiß Norbert Rupp, der Leiter des Liegenschaftsamts.

In diese Zeit fällt dann auch ein größerer Um- und Anbau. So wurde das Dach verändert und zudem auch die ersten Duschräume eingebaut. Ab 1970 kam ein weiterer Anbau dazu, unter anderem wurden die Umkleideräume neu gestaltet, wie die Bauakten und Fotos aus dem Archiv des Heimat- und Geschichtsvereins verraten.

Die alten Unterlagen erzählen aber noch so manche andere Geschichte - wie etwa die von Alfred Konz, der bei einem Unfall in der Halle tödlich verunglückte. Außerdem kann beispielsweise nachgelesen werden, dass schon kurz nach der Fertigstellung des Bauwerkes ein Zusammensturz der Halle befürchtet wurde. Weshalb das "Gebäude durch Klammern zusammengebunden" werden musste.

Nun aber ist die Schillerhalle dennoch fast stolze 106 Jahre alt geworden. Nachdem die neue Sporthalle im Arbachtal eröffnet war, wurde der Sportbetrieb - zuletzt nutzten vor allem die Volleyballer, die Tischtennisspieler und Gymnastikgruppen die kleine Halle - 2010 eingestellt. In die Liste der denkmalgeschützten Gebäude schaffte es das Bauwerk allerdings wegen der vielen baulichen Veränderungen, die im Laufe der Jahre vorgenommen wurden, nicht (wir berichteten).

Mit dem Verkauf an die Gesellschaft für Siedlungs- und Wohnungsbau Baden-Württemberg (GSW) in Sigmaringen geht das Gelände nun einer neuen Zeit und einer neuen Nutzung entgegen. Die Schillerhalle, die das Ortsbild über ein Jahrhundert mit prägte, wird deshalb seit vergangener Woche abgerissen. An selbiger Stelle sollen unter anderem seniorengerechte Wohnungen entstehen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel