Der Landesvorstand des Gemeindetags in Baden-Württemberg hatte in Pfullingen prominente Gesprächspartner zu Stadtentwicklung und Bildungspolitik, und eine klare Botschaft: "Trauen Sie uns was zu!"

Rudolf Heß, frischgewählter Vizepräsident des Gemeindetags, bot Pfullingen als eine von 15 bis 20 handverlesenen Kommunen an, die der Gemeindetag bei der Landesregierung als Messlatte zur Stadtentwicklung installieren will. "Wir könnten sehr viele Beispiele einbringen", so der Pfullinger Bürgermeister, "wir wären gerne bereit, mit der Landesregierung ins Gespräch zu kommen."

Was dem Gemeindetag deutlich an den Nerv geht, ist die Änderung eines "einzigen kleinen Faktors in einer Formel", so Staatssekretärin Dr. Gisela Splett (Infrastruktur und Verkehr), die den Genehmigungsbehörden zur Ermittlung des Wohnbau-Flächenbedarfs dient. Sie basiert auf der Erfahrung, dass sich immer mehr Menschen größeren Wohnraum leisten und auf zugegebenermaßen "nicht mehr ganz taufrischen Zahlen aus dem Statistischen Landesamt", so Gisela Splett: "Der Flächenverbrauch im Land ist insgesamt zu hoch!" Für Pfullingen, so Heß, bedeutet das ganz real den Verlust von zwei Dritteln des Baulands.

Das wird so nicht akzeptiert. Rudolf Heß: "Im Innenbereich sind die Möglichkeiten jetzt ausgeschöpft. Im Außenbereich haben wir 30 Jahre lang Flächen zur Bebauung aufgespart. Im Nachbarschaftsverband Reutlingen-Tübingen hatten wir aus eigenem bereits Antrieb zwölf Prozent der ausgewiesenen Baufläche gestrichen. Es ist unsere Verantwortung, dafür zu sorgen, dass Zuzug und Eigenbedarf möglich sind. Trauen Sie uns was zu!"

Realitätsferne, kommunale Betroffenheit, Eigeninteressen, Gängelung und Konfliktpotenzial, "die Fakten müssen auf den Tisch, bevor die beiden Züge aufeinander prallen", waren nur die genussfeinen Happen aus dem nichtöffentlichem Teil. "Für uns ist das Entwicklungspotenzial der Kommunen eine der wichtigsten Zukunftsfragen überhaupt", erklärte Präsident Roger Kehle der Staatssekretärin bei einer Pressekonferenz, "wenn wir das nicht gemeinsam angehen, werden sie einen starken Gegner haben im Land!"

Als "sachlich-konstruktiv", beschrieb das Gremium die Atmosphäre am zweiten Verhandlungstag. Kultusminister Andreas Stoch nahm sich für die brennenden Fragen der kommunalen Spitzen ausführlich Zeit. "Wir verstehen uns in der Weiterentwicklung unserer Bildungslandschaft als konstruktiver, kritischer Partner mit klaren, von der Basis getragenen Positionen. Bei den Städten und Gemeinden geht es um sehr viel Geld", so der Gemeindetags-Präsident Kehle. "Wir setzen die enge partnerschaftliche Zusammenarbeit, die bei Themen wie der regionalen Schulentwicklungs-Planung, den Ganztagsschulen und der Inklusion besteht gerne fort", bestätigte auch der Pressesprecher des Ministers, Dr. Roland Peter.

"Der Dialog mit dem Land ist eröffnet", sagte der neue Vizepräsident Rudolf Heß, "ich gehe von Ergebnissen aus". Diese werden dann rund tausend Kommunen im Land betreffen. In Pfullingen selber, so der Gastgeber der Tagung, kommen rund 56 Prozent der Schüler aus der nahen und weiteren Umgebung. "Die Entwicklung in den Nachbargemeinden muss abgestimmt werden." Pfullingen sei schulisch hervorragend aufgestellt. Rudolf Heß: "Die Stadt hat in den vergangenen 18 Jahren mehr als 22 Millionen Euro investiert."