Als umfangreiche Feldbefestigungen aus der Zeit des Spanischen Erbfolgekrieges, der von 1701 bis 1714 dauerte, sind sie bisher relativ unbekannt geblieben, die Schanzwerke am Roßberg. Zu den so genannten "Alblinien" gehörend, bestand das Verteidigungssystem aus Gräben und Wällen. Ein in den Reutlinger Geschichtsblättern von 1893 veröffentlichter Beitrag beschreibt zwischen Holzelfingen und dem Dreifürstenstein insgesamt 23 solcher Anlagen.

Angelegt wurden die Gräben und Wälle in den Jahren 1703/04 unter Herzog Eberhard Ludwig zur "Verstärkung der Albpässe". Dabei lag die strategische Bedeutung darin, den von der Donau aus operierenden französisch-bayerischen Truppen den Abstieg von der Albhochfläche ins württembergische Kernland zu verwehren und damit auch die damalige freie Reichsstadt Reutlingen zu schützen.

Lange Zeit hielt man auch das etwa 800 Meter lange, markante Graben- und Wallsystem am Roßberg für römische oder gar noch ältere, das heißt germanische oder keltische Anlagen. Erst um 1890 erkannte man auf Grund der winkelartigen Vor- und Rücksprünge, dass es sich um eine typisch neuzeitliche Feldbefestigung des 18. Jahrhunderts handeln musste. Das mehr als 100 Jahre lange Rätselraten war damit beendet.

Im Jahr 2004 wurden die fast in Vergessenheit geratenen Roßbergschanzen sozusagen neu entdeckt. Genauer gesagt, im Zusammenhang mit dem Gedenkjahr an die Schlacht von Höchstädt (13. August 1704), einer der größten Landschlachten der Neuzeit.

Das Verdienst des Schwäbischen Albvereins mit seinem Blick und seiner Fürsorge für naturkundliche und kulturgeschichtliche Spuren in unserer heimatlichen Landschaft sei in diesem Zusammenhang betont. Damals kam Bezirkswanderwart Helmut Hecht auf den Reutlinger Geschichtsverein zu, um die historischen Hintergründe des Schanzenbaus aufzuhellen. In der Folge haben Albverein und Geschichtsverein die Roßbergschanzen durch Führungen und Vorträge wieder bekannt gemacht - und sie wollen es weiterhin tun. Vor allem aber plante der Geschichtsverein einen Lehrpfad, der jetzt als "Geschichtslehrpfad Roßbergschanzen" realisiert wurde.

Gemeinsam wollen die beiden Vereine durch vier eindrucksvolle und aussagekräftige Informationstafeln die archäologische, militärtechnische und historische Bedeutung dieser Schanzanlagen besser bekannt machen - und nicht zuletzt im Rahmen des "Biosphärengebiets Schwäbische Alb" das Wandergebiet um den Roßberg durch ein kulturgeschichtliches Bodendenkmal noch attraktiver gestalten.

Zur Präsentation des Projekts traf man sich an einer der vier am oberen Ende der Gönninger Roßbergsteige von Mitarbeitern der Technischen Betriebsdienste Reutlingen (TBR) fachgerecht installierten Tafeln. Hauptinitiator Dr. Wilhelm Borth und Dr. Heinz Alfred Gemeinhardt vom Geschichtsverein, Thomas Keck vom Schwäbischen Albverein, Gönningens Bezirksbürgermeisterin Christel Pahl und ihr Vorgänger im Amt, Dr. Paul Ackermann, sowie Markus Ruopp vom Bürgerbüro Bauen als Vertreter der Stadt waren zugegen. Nicht zu vergessen Philipp Licht von der Kreissparkasse Reutlingen, "die als erster Sponsor des etwa 12 000 Euro teuren Projekts besonders viel Rückenwind gegeben hat".

Lob und Dank "an einem der schönsten Orte im Stadtgebiet" verteilte Dr. Wilhelm Borth aber auch an alle anderen am Projekt Beteiligten, im Besonderen auch "der Stadt, die uns mit baurechtlichen und organisatorischen Maßnahmen sehr geholfen hat".

Das Faszinierende an der Roßbergschanze besteht für den Geschichtsverein darin, dass sie ein herausragendes Gönninger Bodendenkmal mit der großen europäischen Geschichte (Spanischer Erbfolgekrieg, Kampf zwischen Frankreich und Habsburg um die Vorherrschaft über Europa, Englands Seehegemonie und europäisches Gleichgewicht) verbindet.

"Wir wollen nicht nur die Augen für die reiche und interessante Vergangenheit unserer Heimat wecken, sondern auch zur Erhaltung und Pflege eines bedeutenden, aber häufig bedrohten Bodendenkmals in der Zukunft beitragen", betonte Dr. Wilhelm Borth.

Damit besitzt Reutlingen ein noch gut erhaltenes, weitläufiges Bodendenkmal, auf dessen Informationstafeln die Alb-Besucher einen Teil "ihrer Geschichte" entdecken können.