Apothekergarten Heilwissen trifft modernste Technik

Tamara Willauer, Cecylia Welther, Axel Rieber und Dr. Christoph Höltzel (von links) stellten die neue Broschüre zum Apothekergarten auf der  Reutlinger Pomologie vor.
Tamara Willauer, Cecylia Welther, Axel Rieber und Dr. Christoph Höltzel (von links) stellten die neue Broschüre zum Apothekergarten auf der Reutlinger Pomologie vor. © Foto: Gabriele Böhm
Reutlingen / Von Gabriele Böhm 10.08.2018

Altes Heilwissen verbunden mit modernster Technik kann man ab sofort im Apothekergarten auf der Pomologie erleben. Die Pflanzenbeschriftungen enthalten QR-Codes, die Smartphonebesitzer zu Videos mit kompetenten Erklärungen des Botanikers und Apothekers Dr. Christoph Höltzel leiten. Auch die Broschüre „Wegweiser durch den Reutlinger Apothekergarten“ wurde neu gestaltet. Beides wurde am Donnerstag vorgestellt.

1983 hatte der Orschel-Hagener Apotheker Höltzel auf Bitte der Stadt einen Apothekergarten für die Landesgartenschau im darauffolgenden Jahr geplant, der auf großes Interesse der Bevölkerung stieß. So wurde aus der temporären eine dauerhafte Einrichtung, die nach der Landesgartenschau auf das ehemalige Mustergräberfeld parallel zur Einfassungsmauer der Friedrich-Ebert-Straße wechselte. Damals schon begannen die regelmäßigen, kostenlosen Führungen durch den Urheber. 1989 kam der erste Wegweiser durch den Garten heraus.

Vor zwei Jahren wurde der Garten erneut verlegt, dieses Mal auf das Dach der Pomologie-Tiefgarage. Und wieder waren Höltzels Fachkenntnisse gefragt. „Damals habe ich gedacht: mit 85 Jahren bis Du noch jung genug“, erzählte er und machte sich prompt ans Werk. Mehrere Hochbeete sollten mit Pflanzen bestückt werden. „Die beste Lösung war, die Pflanzen mit Stahlblech voneinander abzutrennen. Dadurch bleibt jede in ihrem Beet, gefüßelt wird nicht.“ Die Stadt habe keine Kosten und Mühen gescheut. „Es kamen ganze Lastwagen voll Blech“, erinnert sich der Experte.

Zusammen mit Stadtgärtner Dan Welther machte er einen Plan, welche Pflanzen aus dem alten Garten in den neuen versetzt werden konnten. „Leider wurden wir da beide krank. Als wir wieder auf den Beinen waren, waren die Pflanzen schon umgepflügt. Das war vor allem um den Gelben Enzian schade, der Jahre zur vollen Entwicklung braucht“, erinnert sich Höltzel. Aber es half nichts, neue Pflanzen mussten beschafft werden: per Versand aus Holland, aus dem Botanischen Garten Tübingen oder in der freien Natur. Heute sind es 103 Gewächse vom Adonisröschen über den Oleander bis zum Wurmfarn, die die Hochbeete bevölkern. Während man sich mit den Küchengewürzen Thymian und Rosmarin, die auch besonders gerne geklaut werden, noch auskennt, muss man beim Efeu die Verarbeitung zum Hustenmittel auf jeden Fall der Industrie überlassen. „Finger weg“ heißt es bei Giftpflanzen wie Maiglöckchen und Fingerhut.

Monatliche Führungen

„Wir haben uns dafür entschieden, die Pflanzen nicht alphabetisch, sondern nach ihren Wirksubstanzen zu ordnen“, erklärt  Höltzel. Auf der zugehörigen Schautafel sind ätherische Öle in Hellblau, Saponine in Rosa und Gerbstoffe in Braun markiert. „Die Hochbeete sind leicht zu bearbeiten und auch Rollstuhlfahrern besser zugänglich.“

Einmal im Monat steht von April bis Oktober der Experte für Führungen und Fragen zur Verfügung. Doch jetzt ermöglichen die QR-Codes an jeder Beschriftungstafel, dass man sich jederzeit sachkundig machen kann. Die Codes, kleine Quadrate, werden mit dem Smartphone gescannt und leiten zu Videos weiter, in denen der Botaniker jede Pflanze erklärt. „Alles wurde mit unseren eigenen Leuten gemacht“, berichtet Axel Rieber vom Amt für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt.

Tamara Willauer, Mediengestalterin und in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig, generierte mit ihrem Team die Codes, schnitt die von Azubis erstellten Videos und stellte sie ins Netz. Jasmin Rohrer entwickelte die Broschüre. Dan Welther betreut den neuen Garten und befreit ihn von Müll. Und er sorgt auch dafür, dass die Pflanzen nicht unkontrolliert Samen verstreuen. „Alle sollen schön in ihrem eigenen Beet bleiben“, sagt er. „Aber wenn irgendwo mal eine prachtvolle Königskerze am falschen Ort wächst, lässt man sie auch stehen.“

Für Axel Rieber gehört der Garten zur Öffentlichkeitsbildung. Die QR-Codes böten eine Menge Platz für Daten und garantierten auch, dass Höltzels umfangreiches Wissen erhalten bleibe. Die Broschüre bekommt man kostenlos bei der Stadt oder bei Führungen.

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