Naturtheater Heidi erobert die Herzen im Sturm

Heidi ist als Familienmusical im Wasenwald zu sehen.
Heidi ist als Familienmusical im Wasenwald zu sehen. © Foto: Privat
Reutlingen / Anja Weiß 18.07.2018

Wenn die Alphörner erklingen und die Kühe muhen, dann wird es im Wasenwald Zeit, dass die Zuschauer ihre Plätze einnehmen. Denn es geht auf eine Reise auf die Schweizer Alm, zum Öhi und seiner Enkelin, zum Geißenpeter und seinen Tieren. „Mama, was geht da jetzt ab?“, fragt ein Zuschauer. „Das ist Heidi, da gibt es keine Special Effects“, antwortet die Mutter grinsend. Wie wahr, der Kinderbuchklassiker von Johanna Spyri besticht mit seiner Geschichte statt Action. Bis heute berühren das kleine Waisenkind Heidi und ihr wortkarger aber liebevoller Großvater große und kleine Herzen. Die Zuschauer leiden mit, wenn ihre geldsüchtige Tante Dete sie aus dem Idyll abholt und in die ferne Großstadt Frankfurt verfrachtet, wo sie der gelähmten Klara als Spielkameradin zur Seite stehen soll. Dort wird sie krank vor Heimweh, verstärkt noch durch die herzlose und strenge Art der Hausdame Fräulein Rottenmeier.

Auch im Reutlinger Naturtheater fiebern die kleinen und großen Zuschauer mit, und das liegt natürlich auch an der kurzweiligen Umsetzung. Die Theatermacher aus dem Wasenwald haben sich für die Musicalvariante von Claus Martin entschieden. Und die sorgt von Anfang an mit viel Musik für Abwechslung. „Grüezi“ schallt es von den Schweizer Dorfbewohnerinnen Dete, aber auch dem Publikum entgegen. Der Almöhi zeigt seine Verbundenheit zu Heidi mit dem Lied „Mein größter Schatz bist du“, und trauert, als sie dieser heilen Welt entrissen wird. Heidi, dieses ursprüngliche Naturkind, lässt sich auch in der Großstadt nicht verbiegen. Clara Göhner gibt sie als rotbäckiges, frisches und aufgeschlossenes Mädel, das die Herzen im Sturm erobert. Zumindest das von Klara (eine bezaubernde Janina Poliak), deren Oma und dem Zimmermädchen. Sie bringt frischen Wind ins angestaubte Haus der Sesemanns, sorgt für viele Lacher, als sie eine Horde Katzen mitbringt und die gestrenge Rottenmeier prompt ohnmächtig wird. Apropos Fräulein Rottenmeier: Julia Coolens ist die hartherzige Dame, die beständig „Barmherzigkeit“ murmelt, und die am Ende an dem kleinen Mädchen vom Land  scheitert. Auch die anderen Mimen bestechen mit Spiel und Gesang, vom Öhi Carlos Vogt über den Geißenpeter Mario Speidel bis zu den kleineren Rollen des Herrn Sesemann (Dietrich Stoll) oder das Hauspersonal, das ebenfalls sein Herz an Heidi verliert.

Die Wende in der Geschichte kommt mit Klaras Großmutter, Carolin Lamparter, die schnell erkennt, dass Heidi zurück in ihre Heimat muss, weil sie sonst daran zugrunde geht. Bevor es allerdings so weit ist, macht sie Mut, den eigenen Weg zu gehen und schmettert „Du kannst alles, was du willst.“

Es folgt ein großes Finale, oben auf der Alm, wo sich alle zum Showdown versammeln. Und eine Überraschung zum Schluss gibt’s übrigens auch noch, mit einem Tier, das man nicht unbedingt in den Alpen vermuten würde, das aber vor allem bei den Kleinen für Applaus und Lacher sorgt. Nebenbei geschieht so auch das Wunder, dass Klara wieder gehen kann.

Zwei Stunden dauert die Reise, sie lohnt sich für die ganze Familie. Auch mit dem 40. Kinderstück beweisen die Theatermacher, dass man kein 3D-Kino und Action braucht, um für beste Unterhaltung zu sorgen.

Heidi: Das Kinderstück im Reutlinger Naturtheater

Heidi kommt  als Kindermusical in der Fassung von Claus Martin nach dem Roman von Johanna Spyri im Wasenwald auf die Bühne. Geeignet ist das Stück für Kinder ab vier Jahren, Spieldauer: zwei Stunden, mit Pause.  
Die weiteren Spieltermine: 21., 22., 28. und 29. Juli, jeweils 15 Uhr.   4., 5., 11. und 12. August, jeweils 15 Uhr.

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