Reutlingen / Von Evelyn Rupprecht  Uhr

Konstruktiv, sehr offen und wirklich zielführend: So beschreibt GWG-Sprecherin Jennifer Reents das Gespräch, das die Wohnungsbaugesellschaft am Dienstagabend mit Vertretern des Hausbesetzer-Kollektivs und der Stadtverwaltung im Rathaus geführt hat. Anlass für das Treffen war die mittlerweile zweieinhalb Wochen dauernde Besetzung der Kaiserstraße 39. Die „Crew“, wie sich die Gruppe nennt, möchte mit ihrer Aktion auf Gebäude-Leerstände und die Wohnungsnot aufmerksam machen und fordert letztlich die Stadt zu „Enteignungen zum Wohle aller auf“. Außerdem möchte das Kollektiv in der Kaiserstraße 39 ein Stadtteilzentrum aufbauen.

Die GWG, in deren Besitz das Haus ist, hat zwar Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erstattet, hat bisher aber nicht auf einer Räumung bestanden – die übrigens auch in den nächsten Tagen kein Thema sein wird. „Wir haben uns mit dem Kollektiv darauf verständigt, dass wir uns Anfang nächster Woche wieder treffen und das Gespräch fortführen“, so Reents. So lange wolle man den Crew-Leuten Zeit geben, untereinander über ihr weiteres Vorgehen zu diskutieren.

Bei dem Treffen am Dienstagabend, bei dem es laut Reents wirklich in die Tiefe und um wichtige Inhalte ging, waren vier Vertreter des Kollektivs und drei Vertreter der Stadt  – darunter Oberbürgermeister Thomas Keck – anwesend. Für die GWG waren Jennifer Reents und Geschäftsführer Ralf Güthert erschienen.

Weitere Treffen folgen

Dass man ausgesprochen gut über verschiedene Themen diskutiert hat, kann der städtische Pressesprecher Wolfgang Löffler nur bestätigen. Er möchte zwar nichts zu den Inhalten sagen – das allerdings nicht „aus Geheimniskrämerei“, sondern weil es sich ja erst um den Beginn der Gespräche gehandelt habe. Das Ziel der Stadt ist es, „die Sache zu einem friedlichen Ende zu bringen“. Keine der Parteien solle aus den Verhandlungen beschädigt hervorgehen. Zumal die Crew ehrenwerte Ziele verfolgen würden – auch, wenn es sich bei der Besetzung um einen Rechtsbruch handle.

Die Crew selbst hatte in einem Gespräch mit unserer Zeitung vor dem Treffen angekündigt, dass sie konstruktiv und deeskalierend verhandeln, aber den Druck auf die GWG und die Stadt weiter aufrecht erhalten wolle. Man sei zwar kompromissbereit, werde aber von den Forderungen  nicht abweichen.